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Kapstadt -> Grenze Namibia Namibia Grenze Namibia -> Kapstadt Roadbook


 Namibia – Fischriver-Canyon

 04.02.2006 – 09.02.2006

Rast am Fishriver Canyon


Samstag, 04.02.2006

 

Diese Reise war nicht geplant

kommt aus so mancher Sicht ungelegen

und steht somit, wie vieles was unter Zwang stattfindet

unter bedeckten Sternen

 

Da Uwe die Frist verpasst hat, um das drei Monatsvisa für Südafrika zu verlängern und sich die zuständige Stelle, die Homeaffairs, unnachgiebig zeigten, bedeutet das zum 05.02.2006 Ausreise aus Südafrika.

 

Darum sind wir nun hier in Namibia.

 

Namibia ist ein Land mit einer spannenden Geschichte, die wir in unseren früheren Reisen schon ausführlich beleuchtet haben.

 

Namibia ist ein Land mit atemberaubenden Landschaften, die wir immer wieder genussvoll betrachten.

 

Namibia ist ein Land mit herzlichen Menschen, deren Enthusiasmus, dem Land das Überleben abzuringen, wir stets bewundern.

 

Namibia ist ein Land mit einer faszinierenden geologischen Vergangenheit, die wir dieses mal im Fischfluss genauer unter die Lupe nehmen wollen.

 

Namibia ist ein Land mit einer Wasser Affäre, das war die erste Überraschung gleich nach der Einreise.

 

Namibia, das Land, in dem wir unsere geheimen Sehnsüchte zu stillen pflegen, soll uns bei der Verlängerung von Uwes Visa helfen und verbunden mit einer Rundfahrt um den Fischfluss - Canyon kann das Unternehmen zu einer hübschen kleinen Reise mutieren.

 

Unsere Tour blaue Linie / Unsere Tour auf Google Earth klicke bitte hier ...

 

Mit dem Landrover reisen wir nun schon das sechste Jahr. Er hat einige neue Dinge angepasst bekommen und die wollen wir nun auch auf ihre Funktionalität im Reisealltag überprüfen. Ein kleiner Tresor wurde eingebaut, ein Wassertank mit Zapfhahn, so das die Kanister nicht mehr für jedes Händewaschen aus dem Auto müssen. Neue gelbe EMU - Stoßdämpfer und härtere Springfedern sollen uns mit dem Landy ein ganz neues Fahrgefühl geben. Dass wir dafür das Bein beim Einsteigen um vier cm höher heben müssen, nehmen wir in Kauf. Auf der Motorhaube ist ein Riffelblech angebracht und soll den Umgang mit dem Dachzelt erleichtern. Ein Blech derselben Art befindet sich an der Hecktüre innen, um die neue Schublade praktischer bedienen zu können. Diese Schublade, in Kombination mit einigen stapelbaren Kisten funktioniert auf einer von Uwe selbst ausgeklügelten und geschweißten Konstruktion. Das Gesamte soll das bisherige, sehr gewöhnungsbedürftige, „Zweikistenundvieletaschenwühlsuchsystem“ ablösen. 

 

Verpflegung, nützliche Reiselektüre, Bekleidung, Werkzeug, alles hat seien Platz gefunden.

Um 6 Uhr 30 Abfahrt in Richtung Namibia auf der R 27.  Endlich wird es Tag. Der Küstennebel umarmt uns in Langebahn. Der Umweg in den Westcoast Nationalpark hat sich nicht gelohnt. Das Wetter ist schlecht. Der Park gehört zu einem von 4 Biosphären Reservaten Südafrika. Das Reservat beginnt vor unserer Haustüre im Rietvlei und erstreckt sich bis nach Vredenburg und Velddrift.

Die Wolken hängen tief, die Sicht auf das Meer ist unmöglich und uns bleibt nur die Hoffnung auf ein offenes Kaffeehaus in Langebahn, um unsere schon längst wieder müde gewordenen Glieder zu erstärken. Das Glück ist uns zugeneigt und in einem gemütlichen Cafe machen wir einen neuen Plan. Die ursprüngliche Idee über Lambertsbay zu fahren, lassen wir fallen, da die Sicht immer trüber wird. In Saldanha gibt es einen beachtenswerten Hafen und ein großes Stahlwerk. Das Erz, welches hier verhüttet wird, kommt aus dem etwa 860 Kilometer weit entfernten Sishen. Feiner Kohlenstaub liegt über der Landschaft und den Orten. Durch den dicken Morgennebel wirkt die Gegend in diesem Moment nicht sehr ansprechend. 

Hinter Vredenburg und Velddrift erreichen wir über die R 399 Piketberg.

Erstmals fahren wir durch den Ort und freuen uns an der guten Infrastruktur. Läden, Restaurants und Unterkünfte aller Art finden sich hier. Die Bauern im Umkreis leben in erster Linie vom Getreideanbau. Vereinzelt haben sich auch schon einige Weinberge dazwischen gemogelt. Sie brechen mit ihrem tiefen Grün die kargen Landschaften der gelben abgeernteten Getreidefelder.

Auf der N 7 passieren wir Citrustal und Clanwilliam. Der Olifants Fluss hat, über ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, die Landschaft hier kilometerweit zu einer grünen Oase werden lassen. Neben Wein gedeihen hier verschiedenste Obstsorten und an jeder Ecke ist man auf Touristen eingestellt. So auch am Clanwilliam Stausee. Hier dreht schon am frühen Morgen ein Motorboot seine Runde mit einem Wasserskifahrer im Schlepptau. Bis Klaver erstreckt sich das Gebiet der intensiven Nutzung. Dann wird die Gegend sehr schnell karger und die Farmen betreiben konzentriert Schafzucht. Zwischen Varhynsdorp und Bitterfontein quert die Erzzuglinie Sishen – Saldanha unsere Straße. Wir haben Glück, gerade in dem Moment als wir ankommen wird der lange, leere Zug von vier Loks wieder in Richtung Sishen gezogen, um frischen Erz für Saldanha zu holen.
 

Der endlose Zug In Springbock


Der längste Zug der jemals die Strecke gefahren ist war über 7 Kilometer lang und hat einen Eintrag in das Guinnesbuch der Rekorde bekommen. Bei Bitterfontein wird Granit abgebaut. Die großen schweren Blöcke liegen direkt neben den Gleisen und warten auf den Abtransport, viel Betriebsamkeit herrscht hier nicht.

Auf der Höhe von Garies beginnt das Northern Cape – das Namaqua Land. Die letzte große Bastion vor der Grenze zu Namibia ist Springbok, dann folgt nur noch der viel kleinere Ort Steinkopf. Wir füllen die Tanks in Springbok und fahren unter starker Anspannung in Richtung Grenze.

Der Pass von Uwe wird kommentarlos ausgestempelt, das Visa wäre noch einen Tag gültig. Problemlos bekommen wir auch die Tax zurück, das deutsche Kennzeichen am Auto macht es möglich. Dann versucht Uwe die Namibianische Zöllnerin dahin zu bringen, den Einreisestempel in seinen druckfrischen Pass zu stempeln. Das macht sie aber nicht. Sie will partout den alten Pass mit dem Südafrikanischen Ausreisestempel. Wir haben es ja fast geahnt, dass wir dieses Hühnchen mit den Südafrikanischen Behörden rupfen müssen. Wie dem auch sei, nun freuen wir uns auf einige Tage Kurzurlaub in Namibia.

Wir steuern unseren schon vertrauten Platz für die Nacht an. Doch wir staunen nicht schlecht, wenige Kilometer nach der Grenze ist ein Warnschild auf der Straße. CLOSED wegen Wateraffairs.
 

Grenzübertritt Außenkehrfarm


Na das kann ja heiter werden! Mir kommt das Gespräch an der Grenze in den Sinn, mit dem Reisenden aus Windhoek. Er sagte, soviel Regen gab es in Namibia letztmals 1947. Als wir erzählten wir wollten nach Ai Ais sagte er etwas von closed und wateraffairs, er erwähnte einen abgelassenen Staudamm. Uns dämmert so langsam einiges, während wir das Warnschild umfahren und in Richtung Rosch Pina abbiegen. Die vielen Regenfälle könnten den Nautedamm überfüllt haben, sodass es notwendig war das Wasser in den Löwenfluss abzulassen und dieser speist den aus Norden kommenden Fischfluss. Der Fischfluss fließt auf der Höhe von Mariental in  den Hardapdamm und sollte es dort auch geregnet haben, werden wir mehr Wasser als genug erleben. Den Fischfluss wollen wir morgen früh überqueren und da sollte dann nicht so viel Wasser laufen. Der Landy ist zwar mittlerweile höher gelegt aber schwimmen kann er noch immer nicht.

 

Übernachtung auf dem Gebiet von Außenkehr

 

Das scheint ja spannend zu werden ! Wir schlagen hinter einem Hügel das Lager auf. Ein starker warmer Wind lässt alles, was er zu fassen kriegt, mit auf seine Reise gehen und für uns auf nimmer Wiedersehen verschwinden. Erst als wir schon im Bett liegen verstummt der Wind und es wird still in der Natur.

 

Sonntag 05.02.2006

 

SUPER gut geschlafen! Eine Nacht ohne Störung und ein leiser Morgen ohne Wind, keine Wolke am Himmel, ein Traumtag, eine Traumlandschaft, fast wie im Paradies.

Aber nur fast! Winzige, kleine Fliegen quälen uns beim Frühstück.

So fahren wir zeitig weiter und erreichen durch die Gamkapschlucht wieder die Piste, die uns am Orange entlang führt bis zu  Einmündung des Fischflusses. Wasser ist durch die Schlucht gelaufen und hat Mineralien gelöst, die bunten Pfützen riechen stark nach ... faulen Eiern.

   

Das nach Schwefel riechende Wasser

Unten rechts steht der Landy

   

Die Gamkapschlucht mündet in den Orange. Der Orange entspringt in den Maluti-Bergen des Drakensberg-Massivs in Lesotho und hat eine lange Reise von 2250 Kilometer hinter sich, bis er als großer, stattlicher Fluss am Orangemund bei Alexanderbay in den Atlantik mündet. Vorher nimmt er noch den Fischfluss auf, und diesen wollen wir näher betrachten. Doch erst heißt es für uns dort hinzukommen.

Die Landschaften entlang dieser Piste sind von einzigartiger Schönheit. Wir entdecken einen herrlichen Platz mit großen glatten Steinen am und im Wasser. Ideal für eine kurze Pause, Entspannung pur im fließenden, hellbraunen Wasser des Orange. Am Fluss Orange ist es grün, wir blicken nach Südafrika. Dort, wo Uwe solche Probleme bekommen hat mit seiner Aufenthaltserlaubnis. Aber wir wollen uns nicht schon wieder über die unbewegliche Bürokratie ärgern und schieben das Thema weit von uns weg.

Da es schon öfter geregnet hat, sind überall die kleinen gelben Blumen zu sehen. Die Piste führt durch die kargen Berge, sie sind recht hoch und nur spärlich bewachsen. Einige große Kakteen, Halfmen genannt, sehen wir, auch zwei ängstliche Dik-Dik`s.

Doch nicht nur hier hat es geregnet. Im Deutschen Radio, welches aus Windhoek sendet, hören wir in den Nachrichten, dass der van Bach Damm, bei Okahandja, auch Wasser ablassen muss. Der Swakop wird durch den Damm gespeist und das könnte bedeuten, dass der Swakop wieder einmal den Durchbruch zum Meer schafft.

 

Fischfluß. Unüberbrückbares Hinderniss

 

Dann endlich sind wir am Fischfluss und staunen nicht schlecht. Da gibt es kein Hindurchkommen. Die Brücke ist zerstört und auf einer Breite von 200 Metern wälzt sich ein dunkelbrauner, wilder Strom an uns vorbei. Das also sind die wateraffairs, abgerissene Äste und ausgespülte Bäumstümpfe treiben in schneller Fahrt flussabwärts zum Orange. Die Mündung befindet sich in Sichtweite und das kostbare für Namibia so wichtige Nass fließt ungenutzt in Richtung Atlantik.

Der Fischfluss entspringt im östlichen Naukluft Gebirge, und legt auf seinem Weg hierher an die Einmündung in den Orange, 650 Kilometer zurück.   

Für uns geht es hier nicht weiter. Darauf zu warten, dass sich der Wasserspiegel des Flusses senkt, ist zu unsicher. Das kann länger dauern als wir überhaupt im Land bleiben wollen. So kommt nur der Rückweg in Frage und wir passieren wieder die einsame Farm am Orange. Der Besitzer hat sich die unendliche Mühe gemacht um aus alten flachgelegten Ölfässern einen Zaun zu bauen der recht schön aussieht. Er betreibt einen Campingplatz, bietet Abenteuer mit Pferden und verkauft was die Natur hier wachsen lässt, heute sind es Mangos.

Mittags schlagen wir das Lager auf. An dem schönen Platz, der uns heute Früh schon so begeistert hat. Vom Wasser umgeben steht das Auto auf einer großen Steinplatte.

 

Traumplatz am Orangeriver

 

Wir lauschen den Stromschnellen, beobachten die Reiher und nehmen ab und an ein kühlendes Bad im Fluss. Später am Abend fühlen wir uns beobachtet. Zwei Kinder kommen, ein drittes treibt eine Herde Ziegen vorbei. Der größere Junge fragt, was mit unseren Ziegen ist. Wir antworten wahrheitsgemäß, dass wir keine haben. Das Thema wechselt zur Schule und den weiteren Geschwistern. Nachdem sich so ein nettes Gespräch entsponnen hat, frage ich die Kinder, ob ich sie fotografieren darf. Wir haben viel Spaß, doch mittendrin wird es ihnen dann zu langweilig und sie sausen davon. In diesen Momenten sind auch wir versucht den Kindern etwas zu schenken. Aber wir tun es nicht. Das hat gute Gründe.

   
   
   
Völlig zwangloses Fotografieren mit Kindern 
 

Die Sonne geht wenig spektakulär unter und langsam kommt Wind auf. Dieser Wind findet auch etwas, woran er die ganze Nacht zieht und zerrt. Ständig klappert es rund um das Zelt und ich schlafe sehr schlecht, während Uwe schnarcht. Erst gegen Morgen ist Ruhe, Wind- und Schnarchtechnisch gesehen.

 

Montag 06.02.2006

 

Leise rauschen die Stromschnellen. Dauerbeschallung fast wie an der Autobahn, meint Uwe. Vögel zwitschern, reglos verharren die Reiher, den Blick fest auf das Wasser geheftet. Die Steinplatte wärmt uns am Morgen die Füße mit der Restwärme des gestrigen Tages. Die Sonne klettert über die Berge und schickt die ersten Strahlen in das Tal am Orange. Die Luft erwärmt sich wieder langsam und dann und wann streicht eine leichte Brise durch das Tal. Ein letztes kühles Bad im Orange untermauert das Gefühl, dass wir hier nicht mehr weg möchten.

   
First Class unterm Sternenhimmel mit Pool und Gegenlaufströmung
 

Knappe 90 Kilometer sind es nach Ai –Ais.

Zurück durch die Schlucht des Gamkap erreichen wir die C 10 und die stößt später auf die Piste nach Ai –Ais. Für Namibianische Verhältnisse ist das Land grün. Lange Zeit durchfahren wir das riesige Gebiet der Aussenkehrfarm und bewundern die Tatkraft und den Mut mit dem hier Wein angebaut wird. Bis zu 2000 Menschen finden hier in der Hochsaison Arbeit. Sie wohnen in einfachsten Strohhütten.

Die Piste führt auf den letzten Kilometern durch eine schöne, hüglige Mondlandschaft und um so überraschter ist man dann plötzlich von dem Anblick der schönen Schwimmanlage am Fischfluss. Die Quellen wurden beim Schafe hüten von einem einheimischen Nama entdeckt. Ai – Ais, dass bedeutet in der Sprache der Khoikhoi so viel wie kochend heiß. Schwächezonen in der Erdkruste, sowie die tektonischen Strukturen des Canyons sind der geologische Ursprung der Quellen. Diese Störungszonen erlauben es, dass das aufgeheiztes Grundwasser Aufstiegswege findet. Auf seinem Weg durch verschiedene Gesteinsschichten wird das 60 Grad heiße Wasser mit allerlei Mineralien angereichert, und so entspringt eine Thermalquelle. Das Wasser wird den Besuchern in einer Schwimmhalle und einem Pool abgekühlt zur Verfügung gestellt. Trotzdem gleicht der Aufenthalt im Pool einem zu heiß geratenen Bad. Wir hören Badegäste sprechen „the water is not hot, it`s too hot“. Es ist sehr angenehm nach dem Baden in der Sonne abzukühlen, doch vielleicht auch nur in dieser Jahreszeit.

   
Heißer Pool In heißer Umgebung
   

Der Fischriver fließt am Campingplatz vorbei und führt auch heute noch viel Wasser.

Wir erschlaffen sichtlich unter der glühenden Sonne und dem heißen Wasser. Dunkle Wolken tauchen auf und unser Tagesziel sollte eigentlich Hobas sein. Wir machen uns auf den Weg dort hin und schon kurze Zeit später verdichten sich die Wolken und es schüttet wie aus Kübeln. Die Straßen sind sofort überspült und das Wasser sucht sich emsig den Weg nach unten. So entstehen schnell kleine Gräben, die in kürzester Zeit zu tiefen Rinnen werden. Am Aussichtspunkt auf die bekannteste aller Schleifen des Canyons sind wir von Gewittern umgeben. Das Regenwasser sammelt sich auf dem Hochplateau und möchte sich in kleinen Fällen über die Kante hinunterstürzen zum Fischfluss.

   
Das Wasser fliegt zurück Traumsonnenuntergang leider zu dieser Zeit nur vom Hobascamp aus
   

Das gelingt aber nicht, denn der heftige Aufwind treibt das Wasser in einem hohen Bogen wieder zurück auf das Hochplateau. Einige Zeit beobachten wir das fliegende Wasser, dann wird uns kalt und der 10 Kilometer weite Rückweg nach Hobas steht an. Der Campingplatz bei Hobas ist teilweise unter Wasser, aber wir finden einen bewohnbaren Platz. Der Regen lässt nach und ein schönes Abendrot verzaubert die Gegend.

Wir beschäftigen uns mit der besonderen geologischen Situation des Fischriver Canyons. Sie besteht darin, dass es sich um einen Canyon in einem Canyon handelt. Der obere breite Canyon entstand durch eine Absenkung. In diesem breiten Tal, grub sich der Fluss immer tiefer und schuf so den schmaleren, tiefen Canyon. Tiefergehende geologische Details später. Der Fischfluss Canyon ist nach dem Grand Canyon in den USA der zweitgrößte Canyon der Welt. Bis zum Ende der Schlucht bei Ai- Ais ist der Canyon 90 Kilometer lang und an der breitesten Stelle 27 Kilometer breit. Die Höhe beträgt bis zu 549 Meter und wer den Abstieg vom Hikerpoint in die tiefe Schlucht wagt, sollte unbedingt reichlich zu trinken mitnehmen. Wir haben es 1999 gemacht. Der Canyon kann auch in einer Viertagestour durchwandert werden.

 

Dienstag 07.02.2006

 

Blauer Himmel strahlt über Namibia. Wir brechen zeitig auf und verlassen als Erste den Platz. Kurz vor dem Hauptaussichtspunkt in den Canyon geht ein Weg links ab, der zu den Schwefelquellen und einigen weiteren Aussichtspunkten entlang des Canyons führt. Eine gigantische Mäanderschlinge reiht sich an die nächste, es scheint fast als führt der Weg des Flusses um die Umlaufberge wieder zurück. Die Mäanderschlingen entstehen durch eine stark vorherrschende Seitenerosion, dies ist besonders im flachen Gelände der Fall.

Zu diesen Mäanderschlingen/ Flussschleifen gibt es eine Sage.

 

Mittagsrast an der Canyonabbruchkante

 

Der letzte Drache in Namibia ist von Jägern aufgespürt worden. Es ist ein großes und mächtiges Tier. Voller Kraft wehrt er sich und versucht zu entkommen. Wild peitscht er mit dem Schwanz, um die Jäger auf Abstand zu halten. So flieht der Drache immer tiefer in die Wüste und lässt dabei diese Kriechspur zurück ... und da sie ihn nicht gekriegt haben lebt er heute noch. Der  heiße Wind, der uns über die Haut streicht, ist vielleicht der Atem des schlafenden Drachens.

 

Mäanderschlingen

 

Drachen begegnen wir nicht, aber wir sind begeistert und freuen uns darüber diesen Weg eingeschlagen zu haben. Einige Hartmannsche Bergzebras rennen erschreckt davon und ein Springbock sucht eilig das Weite. Der viele Regen hat die Vegetation aus dem Ruheschlaf erweckt und wir entdecken Blumen und Gräser die wir bisher noch nie in Namibia gesehen haben.

Das Rauschen der Wassermassen dringt zu uns herauf, wir haben ein zweites Frühstück vor uns und blicken in den Canyon. Uwe träumt davon, mit dem Schlauchboot von Seeheim nach Ai – Ais, in dem schokoladenbraunen Wasser durch den Canyon zu fahren. Vielleicht ein anderes Mal.

Die Schwalben sind echte Überflieger, haarscharf flitzen sie an uns vorbei. Die Luft zischt durch ihre Flügel, wenn sie ganz knapp vor unseren Köpfen, gerade noch die Kurve kratzen. Hier vom Rand des Canyons können wir sehr gut den geologischen Werdergang dieses Naturwunders verfolgen. Das Wasser des Fischflusses hat bei der Entstehung des Canyons erst die letzten 50 Millionen Jahre mitgewirkt. Davor herrschten hier andere, gewaltige Kräfte.

Die ältesten Gesteine die im Canyon angeschnitten werden stammen aus einer Zeit vor mehr als 1,5 Mrd. Jahren. Es sind Felsen des Namaqualand –Metamorphit-Komplexes, sie werden vor 880 Mio. Jahren aufgrund von tektonischen und magmatischen Aktivitäten von Dolerit-Gängen durchschlagen. Diese Dolerit–Gänge sind als grauschwarze, langgestreckte, schmale Gänge sehr gut zu erkennen. Sie enden abrupt und durchbrechen nicht die obere, dicke Sedimentschicht. Diese Schicht entsteht Jahrmillionen später. Die Zeit vergeht, es werden Gebirge abgetragen und das Meer flutet über die Gegend, die Nama-Sedimente lagern sich ab. Diese Vorgänge finden vor etwa 350 Mio. Jahren statt. Auf dem Boden des Meeres lagern sich verschiedene Sedimente ab, wie eine flache Schicht aus Konglomerat kleinster Kiesel, es folgen Sandstein, Schieferton, Kiesel und Kalkstein türmen sich bis zu 150 Meter darüber auf. Die Ablagerungen erfolgen in mehreren Phasen. Dies kann an den unterschiedlichen Färbungen in den Gesteinsschichten der Sedimentablagerung beobachtet werden.

Die für ganz Namibia wichtige Gondwana-Vereisung beeinflusst die Bildung des Canyons ebenso, wie das endgültige Auseinanderbrechen des Gondwana Kontinents vor 120 Mio. Jahren. Von nun an geht alles relativ schnell, die Fließgeschwindigkeit des Fischflusses veränderte sich und er leistet in den letzten 50 Mio. Jahren ganze Arbeit, was wir beim Blick in 549 Meter Tiefe beobachten können.

Es gibt die Möglichkeit bei der Fischriverlodge mit dem Auto zum Grund des Canyons zu fahren. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen und machen uns auf den Weg dort hin. Auf der C12 queren wir einen schwach Wasser führenden Fluss. Hier befinden sich die Gräber zweier Deutscher, die hier als Mitglieder der Schutztruppen im Namakrieg 1903-1906 gefallen sind. Unweit von hier ist die zerstörte Bahnstation Holoog. 

Dann folgt bald der Abzweig nach Springfontein und Fischriverlodge. Ein Schild weist darauf hin, das die Lodge geschlossen ist, wegen Renovierungsarbeiten. Wir sind auf die Lodge nicht angewiesen und wollen sowieso zum Camp am Fluss. Also los geht es, nach mehr als 20 Kilometern erreichen wir die Lodge. Der Chef ist nicht da, aber wir dürfen mit ihm telefonieren und erfahren gleich zwei Hiobsbotschaften auf einmal. Der Weg in den River soll gesperrt sein, weil vom Naute Damm weiter Wasser abgelassen wird und Camping auf der Lodge, die nicht mehr als eine Farm ist, soll 200 Namibia Dollar kosten. Wir sind sprachlos. Es hängt doch neben dem Telefon eine Preisliste, wo zu lesen ist, dass Camping auf der Farm 35 Namibia Dollar pro Person ausmacht. Nepper, Schlepper, Touristenfänger, wir verhandeln und bekommen die Übernachtung zu 35 pro Person. Wir ärgern uns dann aber richtig und verlassen ohne dieses günstige Angebot in Anspruch zu nehmen die Lodge. Die Staatlichen Parks in Namibia haben ihre Preise um 25 % erhöht und somit ziehen die privaten Unternehmer natürlich nach.

 

Mittwoch 08.02.2006

 

Die Gewitter, die sich am gestrigen Abend noch aufgebaut haben, sind alle an uns vorbei gezogen. Wieder ein wolkenloser blauer Himmel. An der C37 liegt die Roadhaus-Lodge und die Roadhaus Canyon Lodge. Beides wunderschöne Anlagen unweit der Straße. Sehr deutsch geprägt, da die Urunternehmer zwei Deutsche/Bayern waren.

 

Canyon Roadhouse Riverlodge

 

Die Canyon Lodge umfasst einen Teil des Gebietes von Gondwana Canyon Nature Park und bietet ein super Programm von Wanderungen bis zu Rundflügen. Übernachtungen sind möglich im Haupthaus, in der Canyon - Village, in der Mountain Lodge und in den kleinen Bungalows mitten in den herrlichen Felsen. 70 % der Produkte, die auf den Tisch kommen, sind hausgemacht. Wir genießen einen starken Kaffee und fahren weiter durch die Gamkapschlucht zum Orange, wo wir schon zur Mittagszeit wieder auf der schönen Steinplatte im Wasser stehen und den Tag ausklingen lassen.

 

Donnerstag 09.02.2006

 

Sehr früh treibt es Uwe heute aus den Federn. Zurück nach Südafrika steht auf dem Programm. Ein bisschen Nervenflattern baut sich auf. Bleibt nur zu hoffen, dass die Einreise nach Südafrika nach unseren Wünschen verläuft. Wenn es ungünstig läuft, dann bekommt Uwe nur ein Visa für 10 Tage. Mit diesem Visa kann er sich dann erneut bei der Homeaffairs vorstellen und wird genau so wenig erreichen, wie vorher mit dem Versuch die verpassten Frist von 4 Wochen ungeschehen zu machen. Im günstigsten Fall bekommt er ein Visa, welches solange Gültigkeit hat, wie sein Flugticket. Eine gute Stunde dauert die Fahrt zur Grenze, die schöne Landschaft entlang des Orange kann uns gar nicht so sehr fesseln. Problemlos passieren wir die Namibianische Grenze und treten mit Beklemmung bei den Südafrikanischen Behörden ein. Die Dame blättert schnell durch den Pass zum abgelaufenen Visa, fragt danach wie lange Uwe bleiben will und verlangt das Flugticket. Dieses studiert sie ausgiebig, um dann endlich von der Etikettenrolle ein Visa abzuziehen und es in den Pass zu kleben. Ein schneller Blick über den Tresen und ich kann einen Blick auf das Visa erhaschen, aber kann nichts lesen. Erst als wir den Pass in der Hand haben, ersehnen wir, dass das Visa  gültig ist bis zum Tag des Abflugs. Wir atmen auf, unsere Blicke sprachen Bände und etwas was nur wir hören, sind die große Steine die uns vom Herzen poltern. 

Auf der Hauptverkehrsader N 7 machen wir uns auf den Weg nach Kapstadt.

Die größte Stadt des Namaqualandes ist Springbok. Die Stadt entsteht 1852 als mit dem emsigen Abbau in einer nahe gelegenen Kupfermine begonnen wird. Die Landschaft ist sehr hügelig und karg. Zur Zeit der Wildblumenblüte im September ist die Gegend ein Blumenmeer. Wir kommen in die Weidegebiete und nach flüssiger Fahrt erreichen wir die grüne Gegend um Clanwilliam. Das ist einer der zehn ältesten Orte Südafrikas und neben Wein, Obst und Gemüse wächst hier in diesem Tal auch der wohlschmeckende, vitaminreiche Rooibostee. Aus dem Tal führt die Straße einen langen Anstieg hoch, auf den Pikenierskloovpass. Obwohl wir langsam fahren steigt die Temperaturanzeige vom Landy zügig in den roten Bereich. Dieses Problem begleitet uns nun schon seit der letzten Reise und wir kommen nicht dahinter, warum. Also heißt es langsamer werden und die Brummis vorbei lassen und an der nächsten Parkbucht raus. Kochendes Wasser brodelt aus dem Kühlwasserbehälter als Uwe vorsichtig aufschraubt. In der Werkstatt wurde die Technik schon einmal geprüft, mit dem Ergebnis, Kühler, Anzeige und Thermostat sind in Ordnung, es könnte also nur die Luftzufuhr an sich sein. Wir amüsieren uns sehr, als wir das Nummernschild, vielleicht hat es einen Spoilereffekt, abschrauben. Wir hoffen mit diesem Eingriff die aerodynamische Form des Landrovers zu durchbrechen und etwas mehr Wind auf den Kühlergrill zu bekommen. Die Zusatzscheinwerfer dürfen erst noch dran bleiben. Früher befand sich schließlich auch noch ein wuchtiges Ersatzrad auf der Motorhaube, das für einige Verwirbelungen gesorgt haben dürfte. Startfrei zur Probefahrt. Mit Vollgas jagt Uwe den Landy die nächsten Steigungen hoch und die Temperatur verhält sich völlig normal. Schon zum zweiten mal an diesem Tag ist Uwe sehr erleichtert.

Die Sonne senkt sich nach Westen und wir erreichen gesund und munter Kapstadt, unseren Ausgangsort.    

 

 

Roadbook / Waypoints WGS 84, Positionsformat: hddd°mm.mmm

Waypoints

Breite

Länge

Anweisung

003

S 28°19.866

O 17°23.610

Rechts ab Richtung Ai-Ais 4x4 Track

004

S 28°17.482

O 17°24.655

Camp 01

005

S 28°16.364

O 17°24.940

Abzweig nach links in den Garampcanyon

006

S 28°15.419

O 17°24.412

Durchfahrt Zaun

007

S 28°16.447

O 17°22.117

Rechts ab wieder weiter auf Gravelroute nach Rosh Pina

009

S 28°05.587

O 17°10.497

Fish - Fluß

008

S 28°14.125

O 17°20.415

Camp 02

010

S 28°12.649

O 17°26.286

Gatter Außenkehr und Grenzeck

011

S 28°09.780

O 17°35.746

D 316, dort links

012

S 27°37.230

O 17°42.877

Campside Habas, Camp 03

013

S 27°43.134

O 17°36.081

Südl. Viewpoint zum Canyon

015

S 27°34.390

O 17°45.116

Abzweig zu optionaler Campside / Bush

017

S 27°18.578

O 17°49.201

Farm Springfontain

018

S 27°18.349

O 17°52.739

Camp 4

019

S 27°39.817

O 17°46.837

Canyon Roadhouse Lodge

020

S 27°47.096

O 17°39.912

Abzweig zum Fishfluß (Durchfahrt verboten)

021

S 27°48.877

O 17°37.161

Absperrung des Tals mit einem Drahtseil

008

S 28°14.125

O 17°20.415

Camp 02 und 05

 

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