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Kapstadt - Grenze Lesotho Lesotho Grenze Lesotho - Kapstadt

Lesotho 2000

 

 

vom 03.Februar bis 17.Februar

 

 

 

unsere Tour rote Linie:

Donnerstag, 3. Februar 2000

Wir sind nach einiger Verzögerung nun nach Lesotho aufgebrochen. Die Surferei hat uns völlig in ihren Bann gezogen. Bei Wind, ging ich Windsurfen, war kein Wind, waren wir Internetsurfen.  Lesotho  hat etwa 1.860.000 Einwohner auf einer Fläche von 30.335 Quadratkilometer, also so groß wie Belgien. Nennt sich amtlich „Kingdom of Lesotho“, seine Majestät  König Letsie III regiert. Es fanden 1993 freie Wahlen statt, 1994 wollte er das Parlament auflösen. Demonstrationen der Anhänger, des Premierministers Mokhele, verhinderten dies aber. Mit Ende der Apartheid 1994 in Südafrika, haben sich mit Lesotho die politischen Beziehungen normalisiert. Der Sani wurde gestern gepackt und es geht heute gegen 10.30 Uhr los. Wir fahren auf der N1 über Paarl, umfahren den Hugenottunnel, indem wir den Du Toitskloofpass nehmen. Auf dem Weg zum Pass begegnen wir einer Horde wilder Paviane. Ein letzter Ausblick auf das Weinland bevor wir die Passhöhe überfahren. Wir passieren Worcester und De`Doorns, beides größere Dörfer im sehr fruchtbaren Hexrivervallei gelegen, überqueren den Hexriverpaß und tauchen ein in die große Karoo. Die Karoo ist hier sehr flach, da und dort sind mal rechts, dann wieder links größere Erhebungen, wie die Witteberge und die Swartberge , welche gleichfalls die Grenze zur kleinen Karoo bilden. Links zeigen sich die Komsberge an die sich der Ort Beaufort West anschließt. Dieses Gebiet, welches nach Süden hin von einem schönen Tafelbergmassiv gerahmt wird, ist  Naturschutzreservat. Hier soll die Karoo in ihrer Ursprünglichkeit erhalten bleiben. Leider wird annähernd die ganze Karoo bewirtschaftet, so dass Sie durch Überweidung an Ursprünglichkeit verloren hat. Beaufort West ist der Hauptort der großen Karoo und ist das Zentrum für die Zucht von Merinoschafen. Der Herzchirurg Christiaan Bernard, er hatte die erste Herztransplantation im Kapstädter  Hospital vorgenommen, wurde hier geboren. Wir fahren kurz hinter Beaufort West links ab, den Rosesberg Pass hinauf und finden unmittelbar am Karoo Nationalpark einen schönen Platz für die Nacht.

 

Freitag, 4. Februar 2000

Die Nacht war kühl, es hat sich Morgentau gebildet, so dass unser Zelt nass wurde. Langsam spielt sich die Routine wieder ein und alles findet  seinen Platz in unserem Auto. Um 9.15 Uhr brechen wir zur Weiterfahrt auf. Als wir den 25 km langen  Weg  zurück, über den Moltemo- und Rosenbergpass  zur N1 fahren, sehe ich eine  schöne Felsformation und bitte Uwe zu halten. Mit ausgeschaltetem  Motor rollen wir bis mir die Perspektive gefällt noch eine Kurve weiter. Da steht vor mir, ich bin völlig überrascht, ein Gefährt. Zwei Esel mit Fohlen, einem Karren vorgespannt, der beladen ist und zwar ganz offensichtlich  mit dem ganzen Hab und Gut der Familie, samt Frau und Kindern.

Ein kleiner Welpe kommt auf mich zugelaufen, ich bücke mich und locke ihn, nehme den Strick und führe ihn zum Karren. Hier hebe ich das kleine Hundchen hoch und reiche es den beiden Kindern. Die Frau blickt mich sehr nachdenklich an, nickt dankend. Der Mann treibt die Esel an aber das Fohlen steht quer gegen die Brust der Zugtiere, so geht es also nicht. Eine kleine Nervosität ist entstanden wohl wegen uns Zuschauern.

Das Fohlen wird an die Seite der Eselmutter geschoben und langsam kommt das Gefährt ins rollen. Der Vater hebt noch den alten Hund und ein etwa drei Monate altes Kätzchen auf den Wagen. Mit scheuen Blicken der Kinder  auf  uns und begleitet vom Gegacker der Hühner, zieht die Familie den Pass hoch. Wohin fragen wir uns und für was.

Genaugenommen ist die N1 die Hauptverbindungsstrecke zwischen Johannesburg und Kapstadt und zieht sich endlos anmutend durch die große Karoo. Die Karoo  war anfangs  nur flach, ab Beaufort West wird sie von Tafelbergen gesäumt. Die Straße führt über Richmond und Hanover, hier sehen wir eine Pferdezuchtfarm, wie kann es anders sein, natürlich für Hanoveranerpferde.

In Colesberg holen wir uns noch Geldnachschub  und zweigen ab, um westlich des Gariep Dams entlangzufahren. Bei diesem Damm handelt es sich um ein Staubecken  für den Orangefluss, an das sich ein Naturschutzgebiet anschließt. Der Tag ist wunderbar warm und sonnig.  Zwischen Eukalyptusbäumen finden wir einen herrlichen Platz unmittelbar am Wasser gelegen. Mit Einbruch der Dunkelheit verziehen wir uns ins moskitosichere Zelt, um uns vor diesen Plagegeistern zu schützen.

 

Samstag, 5. Februar 2000

Hier am Staubecken des Gariep Dams erscheint uns die Vegetation der einer Savanne ähnlich. Überall ausblühendes  Gras. Diese Gegend wäre an sich Ideal für die Viehzucht. Grüne Wiesen soweit das Auge reicht. Wir bemerken trotz der immer grüner werdenden Landschaft kein Anzeichen von Ackerbau und Viehzucht.  Von Schafen, die in dem hohen Gras kaum zusehen sind, mal abgesehen.

Um 7.00 Uhr sind wir schon aufgebrochen. Weiter  geht es über Venterstadt, Betbulie, dem Staubecken flussaufwärts entlang. Wir erreichen Aliwal North  mit den heißen Quellen. Da unsere Arthritis- und Rheumaerkrankungen noch nicht soweit fortgeschritten sind, haben wir auf ein Bad in den sulphathaltigen heißen Quellen verzichtet.

Wir beschränken uns auf letzte Einkäufe und füllen die Ersatzkanister 6x20 Liter. Nun halten wir uns weiter in  Richtung Lady Grey, biegen dort kurz vorher links ab, fahren über Sterkspruit bis zum Grenzübergang Südafrika / Lesotho. Bereits auf der südafrikanischen Seite sind wir in eine wunderschöne, von Tafelbergen gesäumte Landschaft eingetaucht. Es wird immer grüner. Wir fahren stetig  höher. Was uns sehr erstaunt, ist die Tatsache, dass selbst die Bevölkerung hier im Easterncape Staate sehr bescheiden lebt. Überall sehen wir schon die für Lesotho typischen Stroh gedeckten Rundhütten. Der Weg ist nun nicht mehr geteert und die Piste wird schlecht. In der Ortschaft Sterkspruit werden Erinnerungen an die Souks in Marocco wach. Lautes lärmendes Durcheinander, es gibt alles wenn man nur weiß wo. Es ist kein weißes Gesicht mehr zu sehen. Schließlich treffen wir dann am Ende der schlechten Piste auf die Grenzstation Tele Bridge. Die Südafrikanische Grenze, ein sympathischer junger Mann unterbricht seinen Flirt  auf der Terrasse und kommt ins Office um unsere Pässe zu stempeln. Fragt nach woher und wohin, mehr obligatorisch als echt interessiert. Am Fahrzeug empfängt uns ein ungewöhnlich großer Afrikaner, mit Pistole am Gürtel und in Uniform. Will wissen was in den Tanks auf dem Dach ist und in den Kartuschen im Auto. Beim Durchblättern der Pässe fällt mir auf, das die Stempel nicht auf den richtigen Einreiseseiten sind, spreche ihn an. Wir gehen zurück, er unterhält sich mit dem Bediensteten, der schon wieder mit dem Mädchen redet. Hin und Her. Die Situation ist sonderbar aber sie versprechen dass es kein Problem für uns gibt. Wir ziehen weiter, über die Brücke nach Lesotho. Tief durchatmen und ins Office. Die Dame kommt von der Terrasse nimmt unsere Pässe in Empfang und wandert ziellos im Büro, welches sehr spärlich ausgestattet ist umher. Ich sehe mir das an, derweil befragt uns ein schmächtiger Afrikaner mit zerrissenem rosa Hemd, Lederkappe, Jeans,  Pistole im Hosenbund  nach dem woher und wohin. Ich frage dann die Dame was ist, ach so, sie sucht ihren Kugelschreiber. Als sie einen geliehen bekommt, sind wir schnell abgefertigt. Es war kurz vor Feierabend, die Beamten waren allesamt gut drauf und wenn der Kugelschreiber greifbar ist geht die Abfertigung ganz flott. Die Dame öffnet uns per Hand die Schranke, wir passieren. Der Mann mit Pistole und Lederkappe winkt, lächelt. Blendend weiße Zähne über einem rosaroten Hemdkragen, lässig offene Knöpfe, nix Krawatte.  In Lesotho fahren wir von Moyeni, „Platz des Windes“/ Quthing auf der A4 bis kurz vor Patlong,  zunächst auf asphaltierter Straße entlang dem Senqufluß. Er bildet  zusammen mit dem Makhalengfluß den Orangefluß. Beide Flüsse entspringen in Lesotho. Der Makhaleng kommt vom Bushmannspass und fließt westlich entlang am Thaba Putsoa Gebirge. Er wird gespeist von vielen zum Teil unbenannten Gebirgsbächen. Der Senqu, fließt östlich der Thaba Putsoa Berge und wird vom Senqunyanafluß und vom Lambanefluß genährt. Auf dem Weg zum Treffen mit dem Makhaleng schließen sich auch ihm viele muntere Bäche aus den Bergen an.  Wir folgen der sich windenden Straße durch das fruchtbare Tal, links und rechts an den sich nach oben reckenden Bergen wird im Terrassenanbau Landwirtschaft betrieben. Das Land ist überwiegend Landwirtschaftlich genutzt. Nur 22% der Lesother sind im Dienstleistungsbereich und in der Industrie tätigt. Heute ist Samstag und uns fällt auf, dass die Frauen alle sehr hübsch gekleidet sind. Sie könnten  auch als adrett gekleidet in jeder größeren Stadt auftreten, von dem hier  unverzichtbaren  Sonnen– und Regenschirm einmal abgesehen. Wir verlassen dann den Senqu, überqueren den Quthing, hier an der Brücke geht soeben eine Hochzeit zu Ende, bunt, anders, aber wohl sehr lustig. Der Lebefonyane Pass erwartet uns, er zieht sich endlos nach oben auf ca. 2.500 Meter. Der Sani , so nennen wir unseren Nissan – Sani  Allrad , wird wieder sehr heiß und wir machen besser zur ergänzenden Kühlung des Motors die Heizung an. Ab der Passhöhe bewegen wir uns nun permanent über 2.000 Meter Höhe. Einige Kilometer hinter Mphaki hört die asphaltierte Straße auf. Es ist 17.00 und wir werden langsam müde. Überall Menschen.
 


Es ist schwer einen geeigneten Platz zum Übernachten zu finden. Letztlich schauen wir von einem Balkon  auf ein mit  Felssäulentürmen umgebenes Tal hinunter.  Eine traumhafte Lage, die Sonne verabschiedet sich, Berge und Täler zeigen sich in weichem gelb. Der ideale Platz zum Übernachten. Es ist angenehm warm und windstill. Rundherum am Horizont bauschen sich Quellwolken in die Höhe.


Die Ruhe vor dem Sturm? Tatsächlich, kaum zu Abend gegessen, nimmt der Wind stetig an Stärke zu. Auch die Wolken gewinnen ein bedrohliches Maß an Höhe.  Unser Dachzelt ist schon komplett aufgebaut. Bevor der Wind das Überdach vollends herunterfegt, bauen wir dieses Teil vorsichtshalber ab. Wir vernehmen  erstes lautes  Donnergrollen und die Blitze zucken immer in kürzeren Abständen über den Himmel. Bevor der Wind möglicherweise noch Orkanstärke annimmt, bauen wir vorsichtshalber  unser Dachzelt ab und verharren so einige Stunden im Auto. Das Gewitter zieht schließlich vorbei und der Wind legt sich, so dass wir doch noch in unserem Zelt nächtigen können. Gute Nacht.


Sonntag, 6. Februar 2000

Die Nacht war kurz. Gemütlichkeit ist angesagt, so dass wir schließlich erst gegen 9.00 Uhr weiterfahren. Es stellt sich die Frage ob wir eine, mit dem Auto befahrbare, Verbindung zu den Wasserfällen von Semonkong, die höchsten hier, finden. Wir finden tatsächlich den Wegabzweig wie in der topographischen Karte, Maßstab 1 : 500.000 eingezeichnet, obwohl hier nichts beschildert ist. Zum Thema Verkehrsschilder kann ich nur sagen völlig unzureichend im ganzen Land. Das einzige was hier gut beschildert ist, sind die Wege zu den Schulen. Unser Weg gestaltet sich  sehr schlecht. Als wir danach fragen, ob es möglich ist nach Semonkong zu fahren, sagt man uns, es sei unmöglich, da der Fluss zuviel Wasser führt. Also drehen wir wieder um und fahren auf der vorherigen A4 weiter. In einer starken Steigung müssen wir 1 Std. warten, da hier ein Sattelzug stecken geblieben ist. Die ungeduldigen Sothos sind schon dabei, an dem Sattelzug vorbei talwärts den Weg etwas zu verbreitern. Wir müssen auch mit anpacken, sind wir doch schließlich Mitnutznießer dieser Aktion. Jeder hilft mit, auch die Frauen. So richtig ernst genommen wird der selbst ernannte „Leader“ dieser Baumaßnahme aber nicht. Zäh und schleppend, mit viel umherschauen wie es hier üblich ist, beim Arbeiten, geht es voran.  Schließlich entlarvt sich die ganze Sache als eine sonntägliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, da, als gerade das erste Fahrzeug diese Passage passierte,  das zur Hilfe gerufene Abschleppfahrzeug ankam. Unter lachen und klatschen der Zuschauer wird der Sattelzug zur Seite gezogen. In kürzester Zeit verteilen sich die Menschen wieder in die Fahrzeuge und alle gehen ihren Weg. Daheim angekommen werden sie was zu erzählen haben. Für uns geht es weiter über Sekeke, Tebellong bis kurz vor den Ramatselisos Zollübergang. Überall  sehen wir kleine Dörfer mit den für Lesotho typischen Rundhütten. Hier und da schleichen sich aber auch schon Häuser in rechteckiger Form mit ein. In den Ecken sollen angeblich gerne die Geister wohnen. Es erstaunt, dass sich die Bevölkerung hier fast ausschließlich auf den Maisanbau konzentriert. Hier und da werden Aprikosen- oder Opuntienfrüchte feilgeboten.
 


Bei WP 23 fanden wir einen schönen Rastplatz vor. Bei WP 24 nach links Richtung Tsoelike abzweigen. Unser Übernachtungsplatz,  wir befinden uns auf einer  Anhöhe in ca. 2.000 Meter Höhe, ziemlich genau auf der Grenze zu Südafrika. Umgeben von Bergen campieren wir hinter einem großen Felsen, umgeben von saftigen Weiden. Der Windschatten tut uns gut, wieder mal beginnt es zu regnen.

Montag, 7. Februar 2000

Die Nacht über hatte es durchgehend geregnet. Die Hoffnung auf schönes Wetter ist zerplatzt. Im Unterland auf südafrikanischer Seite hängt dick der Nebel. Auch befinden sich in den höheren Hemisphären Wolken. Schließlich fahren wir gegen 9.30 Uhr weiter. Die Straße ist nahe der südafrikanischen Seite gut ausgebaut, so dass wir auf über 2.000 Meter Höhe über die Gebirgszüge der Drakensberge nur so dahin schweben. Der Zollübergang Ramatselisosgate ist bald erreicht. So ziehen wir flott weiter bis Sehlabathebe. Dort nehmen wir an der Gabelung den Abzweig nach links. Die Straße wird schlechter. Wir quälen uns mit dem Sani auf den Matebeng Pass. Gerade zum richtigen Zeitpunkt sind wir hier um eine phantastische Bergblumenblüte zu erleben. Den ganzen Pass hoch begleitet uns  die gelbe Blütenpracht. Vereinzelte tief rote  Flecken aloenähnlicher Blüten unterbrechen die satte sonnenfarbige Decke, die sich auf den Berg gelegt hat. Ein kleines munteres Bächlein speist alle mit dem nötigen Nass. Viele der Bauern sind heute mit den Ponys unterwegs, wie wir erfahren kontrollieren sie die Pässe. Die Basuthoponys sind kleine genügsame, den Berge gewachsene Tiere.

Zum Teil tragen sie aufwendiges Sattelzeug, die Besitzer sind  sehr stolz und lassen sich gerne fotografieren, natürlich auf Anfrage.  Dann sitzen sie auf und  die Reiter ziehen weiter durch das leuchtende Gelb in Richtung Gipfel auf 3.000 Meter Höhe. Oben angekommen haben wir von der Passhöhe einen sehr schönen  Ausblick auf beide Seiten.  Das Wetter hat sich sehr zu unserem Gefallen gebessert. Nach Norden sehen wir ins Tal des Senqu hinab. Der Weg bis zum Fluss, welchem wir, seit wir in Lesotho sind, dauernd begegnen, gestaltet sich dann etwas schwieriger als erwartet. Mehrmals müssen wir Flussbetten durchqueren und an den stark ausgewaschenen Stellen schon  gut beobachten wo und wie wir am besten diese Problemzonen überwinden. Kaum das Tal des Senqu erreicht, steigt der Weg wieder stark nach oben an. Gedanken an den Übungstrail im Hexrivervalley werden wach. Da sind wir aus Vergnügen steile Berge rauf geholpert und runter gerutscht, jetzt ist es ernst und niemand kommt zu Hilfe, wenn ein Problem auftaucht.  Die Dörfer, die wir jetzt durchfahren besitzen noch ihre volle Ursprünglichkeit. Die Mauern bestehen aus Holzästen und Lehm, ein paar Steine dazwischen.

 


Die Dächer sind mit Stroh gedeckt, warm und behaglich sieht das alles nicht aus. In Lesotho ist es kalt im Winter.  Die Menschen hier sind arm, müssen aber nicht hungern. Kinder betteln nach Süßem. Sie haben wohl mit ihrer Bettelei nach „sweet“ Erfolg gehabt. Leider fruchtet die Bettelei nicht bei uns. Hier oberhalb des Senqu haben wir einen wunderschönen Blick auf das Tal und die umgebene Bergkulisse. Nach Sehonghong müssen wir abermals einen sehr steilen und schwierigen Anstieg nehmen. Ab Sehonghong plötzlich ein Steinhaus gedeckt mit richtigen Dachziegeln. Wie kommt das Material hier her. Dann auch noch ein Flugplatz. Die Frage klärt sich schnell. Der Weg von hier ab Richtung Thaba-Tseka ist gut ausgebaut. Wir können wieder so richtig rasen und finden an einem Fluss einen schönen Platz zum nächtigen.
 

Als wir beim Essen sind, finden sich auf der anderen Seite des Flusses Mädchen ein zum Holz sammeln und schauen immer wieder verstohlen zu uns herüber. Solange wir uns hier im Land aufhielten, nur nette Menschen die uns mit einem Lachen begegnen. So in etwa müssen wohl auch die schwarzen Menschen den großen Eroberern begegnet sein. Wollen wir es uns nicht mit ihnen verderben. 

 

Dienstag, 8. Februar 2000

Auch heute Morgen hat uns wieder ein Einwohner interessiert beobachtet. Was mögen das wohl für Wesen sein mit der hellen Haut? Nach Rührei mit Speck fahren wir gegen 8.00 weiter nach Thaba Tseka.

Wir diskutieren darüber, ob es wirklich sinnvoll ist die Straße so gut wie sie ist auszubauen. Was bringt es den Menschen hier? Je besser die Anbindung, desto mehr ändert sich der ursprüngliche Dorfcharakter. Wir hatten auf dem Weg vom Matebengpass hinunter wunderschöne Dörfer gesehen. Sämtliche Häuser waren aus Baumaterialien aus der Umgebung gebaut. D.h., Holzäste, Lehm, Stein und Stroh. Wir waren fasziniert. Oder sehen wir alles nur bei heiterem Sonnenschein durch die Touristenbrille? Für uns schaut es sich schön an, für die Menschen hier bedeutet es vor allem im Winter ein hartes und bescheidenes Leben. Was denken die Menschen hier, wenn sie uns gut ausgestattet hier durchfahren sehen? Was hilft den Menschen wirklich? Werden sie durch Anteilnahme an den neuen Errungenschaften unserer Welt doch nur verdorben? Was werden die Kinder machen wenn sie die Schule absolviert haben? Werden dann die alten abgelegenen Dörfer aussterben? Ist dies dann ganz einfach der Werdegang unserer heutigen Zeit? Wie auch immer, die Antwort wissen wir nicht. Nur eines ist klar, welchen Weg auch immer dritte Weltländer gehen, ob mit oder ohne Entwicklungshilfe, die Gewinner und Verlierer stehen heute schon fest. Die hochindustrialisierten Länder mit ihren multinationalen Konzernen werden die Sieger sein. Coca Cola lässt jetzt schon grüßen. Thaba Tseka ist kein schmuckes Städtchen mehr. Das Dorfbild ist geprägt von viereckigen Steinhäusern, Blechhütten, vielen Ladengeschäften und natürlich, wie kann es anders sein, Müll.
 


Hier und da verlieren sich noch die ursprünglichen Rundhütten. Sind die Menschen jetzt glücklich? Weiter geht es in Richtung Maseru. Der Karte und dem Führer nach geht es auf der A3 über 5 Pässe nach Westen. Wir überqueren die Pässe Mokhoabong, Cheche. Weiter sollte es über die Pässe Blue Mountain, Molimo Nthuse und Bushman`s Pass gehen. Wie eine Fata Morgana erscheint plötzlich vor uns eine 1a – asphaltierte Straße. Sind wir völlig falsch? Sind wir etwa schon nahe Maseru. Dann ein Polizeiposten. Unsere Daten werden aufgenommen. Wir erfahren, dass wir uns im Gebiet des Mohaledamms befinden. Also werden wir diesen vorher noch besichtigen. Es handelt sich um eines der größten Staudammprojekte der Welt. Pretoria zahlt, bekommt dafür Wasser und Lesotho den Strom. Wir sind überwältigt. Wie Spielzeuge fahren die Riesenlaster im Tal herum um vor der Staumauer reichlich Steine aufzuschütten. Die Mauer selbst steht noch völlig am Anfang. Straßen wurden bereits rundherum angelegt, die Stromleitungen wurden auch schon aufgestellt, allerdings geht der Strom noch in die andere Richtung. Aussichtspunkte für Interessierte wurden geschaffen und ein Infozentrum vom Feinsten besteht auch bereits, allerdings ist das Gebäude innen noch völlig leer. Aufgestaut werden soll der Senqunyane, ein Zufluss zum Senqu. In 2 Jahren soll alles fertig sein. Wir fahren weiter die nunmehr bestens asphaltierte Straße und sind froh, dass wir noch ein ruhiges Plätzchen finden. Der Staudamm schafft Arbeitsplätze bis hin zur Prostitution. Die Stimmung der Menschen ist ganz anders hier als wir es bisher erlebt haben.  Ein spontanes winken oder lächeln ist hier selten. Eindeutige Gesten von einigen halbwüchsigen Burschen lassen mich sicher werden, hier möchte ich als Frau nicht alleine unterwegs sein.

 

Mittwoch, 9. Februar 2000

Die Nacht brachte ein Gewitter mit reichlich Regen. Am Morgen ist es noch bedeckt  und die letzten Reste der Regenwolken hängen träge über den Höhenzügen. Vor dem Frühstück taucht ein Hirte samt Pferd auf, der seine Kühe sucht. Wir können ihm nicht helfen. Gegen 7.30 Uhr fahren wir weiter. Die 2 folgenden Pässe überfahren wir im Eiltempo und schweben hinab  in das Caledon Low Land. Mehr Menschen, mehr Landwirtschaft. Auch können wir wieder so richtig volltanken für 2,65 Rand der Liter Superbenzin. Die Landeswährung sind eigentlich Malotti, aber bedingt durch die Zollunion mit Südafrika kann alles mit dem Südafrikanischen Rand bezahlt werden.  Maseru, die Hauptstadt von Lesotho mit ungefähr 120.000 Einwohner hat nichts Besonderes zu bieten.  Althergebrachte Läden und neu erbaute moderne Geschäftshäuser. Große stattliche Bankgebäude, neben einem noch im Aufbau befindlichen Touristenzentrum.

Dazwischen die Sothos, die wie gewohnt seit vielen Jahrzehnten, ihre Waren und Erzeugnisse vom Land zum Tausch beziehungsweise Verkauf in die Stadt bringen. Es wird sich in einigen Jahren zeigen wer das Geschäft macht. Mehr als 40% der erwerbstätigen Männer arbeiten als Gastarbeiter in den Minen  von Südafrika.  Der Vorstadtbereich ist durchzogen von Kleingewerbe, armseligen Hütten und Müll. Überall wird getan und gemacht. Die Kontrolle über eine gut strukturierte wachsende Stadt hat hier niemand. Das Chaos hat freien Lauf . Wir sind und fühlen uns wirklich wie in Schwarzafrika. Über die A1 wollen wir nach Norden auf das Dach von Afrika. Es geht nach Teyateyaneng, bedeutet „ Schneller Sand“, Leribe und Butha - Buthe. Butha - Buthe heißt übersetzt  „ Ort wo man sich niedergelassen hat“. Hier gibt es noch einen lebendigen Markt. Wir erwerben zur Freude aller um uns herum eine Musikkassette mit traditioneller Musik.

Ab jetzt nähern  wir uns langsam dem Maluti Massiv. Wir überqueren den Moteng Pass, fahren an der New Oxbow Lodge vorbei. Hier befindet sich mit 2 km Länge die längste Langlaufloipe vom südlichen Afrika. Das Skigebiet verfügt über keinen Lift, sonder die Sportler werden via 4x4 Fahrzeug wieder nach oben geschafft.

Es folgt der  3.000 Meter hohe Mahlasela Pass, es ist leicht windig und recht kalt. Wir packen uns warm ein, machen ein Lagerfeuer,  bauen das Zelt auf  und hoffen für morgen auf besseres Wetter, zumindest mehr Wärme in den tieferen Regionen.

 

Donnerstag, 10. Februar 2000

Die Nacht über kam ein heftiger Wind mit viel Regen auf. Am Morgen regnet es immer noch und es ist sehr nebelig. Wir sehen die Hand vor Augen nicht. Es erübrigt sich  bei solch einem Wetter weiter zu fahren, denn wir wollen doch die
 

Gegend sehen. Also beschließen wir zu bleiben, harren also den ganzen Tag hier oben aus. Über Radio SAFM hören wir, dass im Norden und Osten von Südafrika heftige Regenschauer niedergingen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wir verbringen die Zeit mit lesen und kurzen Spaziergängen in den Schauerpausen. Auch die folgende Nacht regnet es weiter, wir hoffen, dass unser Dachzelt dicht bleibt.

 

Freitag, 11. Februar 2000

Am Morgen regnet es immer noch. Es ist aber etwas wärmer geworden. Für einen kurzen Moment können wir ein Stück blauen Himmel erblicken und durch die Wolkendecke hindurch die Sonne erahnen. Für Pietermaritsburg und Durban werden auch für heute Regenschauer erwartet. Wir wollen aber nicht noch einen Tag hier  ausharren und verzichten somit auf den Ausblick vom Dach Afrikas. Wir überfahren weitere 3 Pässe mit Passhöhen weit über 3.000 Meter. Als wir dann unterhalb von  3.000 Meter kommen, haben wir wieder etwas Sicht, wenn auch unter der Wolkendecke. Die Bewölkung reißt auf, wir freuen uns als sich die Sonne endlich wieder blicken lässt. Die Hirten sind auch bei diesem schlechten Wetter mit ihren Herden unterwegs. Sie tragen eine Schafswolldecke um die Schultern und einen ein Meter langen Stock als Hirtenstab. Je nach Kälte wird die Decke fester gewickelt oder bei Wärme eben lose und locker gehangen. Darunter tragen die Männer meistens nur Tücher zu kurzen Hosen geschlungen und mit großen Sicherheitsnadeln festgesteckt. Dazu obligatorisch lange Socken bis zu den Knien reichend und Gummistiefel. Diese Bekleidung sieht unwahrscheinlich gut aus und ist aus mehreren Gründen praktisch. Die Burschen und jungen Männer sind sich ihrer Wirkung sehr wohl bewusst und tragen diese traditionelle Hirtenkleidung mit Stolz. Die älteren Männern sind meist mit langen Hosen bekleidet. Von hier kommt die  Wolle der Mohairziegen .
 


Wir wollen eine Querverbindung zum Katse Damm fahren, zumal es jetzt auch wieder beginnt abzutrocknen. Wir kommen bei einem Hirtenlager vorbei und erleben, dass diese Menschen hier unter erbärmlichen Umständen hausen. Ein Rudel Hunde begrüßt uns wild bellend  und in die Autoreifen beißend. Die beiden halbwüchsigen Burschen betteln um Zigaretten, einer pinkelt ungeniert in meine Richtung. Als er merkt das ich zur Seite sehe, macht er sich richtig seinen Spaß daraus mir sein Genital zu zeigen. Die Beiden kichern und lachen warum auch immer. Wir fahren weiter bergauf,
 


dann wird  der Weg immer miserabler, am Himmel bilden sich bereits schon wieder schwarze Wolken, so dass wir beschließen besser umzukehren. Wir haben zwar einen Geländewagen, nur ist die Gefahr, dass wir uns hier festfahren bei all dem Matsch, vor allen Dingen sollte es wieder beginnen zu regnen, sehr groß. Auf Hilfe können wir hier absolut nicht rechen. Also wieder zurück, vorbei an den Hirten und weiter über die asphaltierte Straße Richtung Mokhotlong. Kurz hinter Mapholaneng begegnet uns eines der wenige Verkehrszeichen auf unserer Reise.
 

Es weißt uns den Weg nach Thaba Tseka, also biegen wir rechts ab. Auch hier handelt es sich um einen 4x4 Wheel Drive. Diese Querverbindung beginnt weitaus besser wie die zuvor. Das Wetter zeigt sich jetzt von seiner schönsten Seite, die Gewitterwolken weit im Rücken,  winden wir uns immer weiter die Berge hinauf.


Bei einer kurzen Rast werden wir wie Marsmenschen von 4 Afrikanermädchen  betrachtet. Der Weg schlängelt sich immer weiter hoch. Über uns braut sich ein Gewitter zusammen. Es blitzt und donnert. Dann ergießt sich der Regen. Wir wollen den Berg hoch und uns strömt auf dem Weg der überflutete Bach entgegen mit seinem schwarzes Wasser. Überall wird von dem starken Wassermassen Mutterboden mitgerissen. Es schüttet was das Zeug hält. Der Weg wird immer schlechter und fürchterlich glitschig. Es ist schon spät am Tag. Dann verfranzen wir uns auch noch mitten in dem überschwemmten Dorf, dessen Hütten wie Schwalbennester am Hang kleben. Wir müssen ein Stück umkehren. Die Kinder beobachten unser tun. Sie lachen, winken, betteln, den Ernst unserer Situation nicht erkennend.  Wir fahren auf der glitschigen Erde den nun stark ausgewaschenen Weg  immer weiter hinauf. Der Geländewagen rutscht in die tiefen Fahrspuren, die Vorderachse setzt mehrmals auf, alle Räder drehen in dem Schlamm durch. Nach mehreren Anläufen passieren wir schließlich diese schmierige, steile und stark nach unten abfallende Stelle. Eine Kurve, was kommt danach? In diesem Moment sehen wir rechts vom Weg eine Plattform, wo wir den Wagen gut parken können. Auch haben wir uns mittlerweile vom letzten Ort ziemlich weit fortbewegt. Am gegenüberliegenden Hang ist ein Hirtenlager. Wir sind genervt. Es regnet noch leicht. Wir haben größte Zweifel, dass wir noch auf dem richtigen Weg sind. Müssen wir umdrehen, fragen wir uns? Wie wieder runter in diesem Schlamm. Das Gewicht des Fahrzeugs drückt gnadenlos und schnell rutscht man mal den Hang hinab. 5 km schwieriges Gelände hinter uns, 35 km Ungewissheit vor uns! Nach vorne oder lieber wieder zurück? Keine schöne Denkaufgabe auf dem Weg ins Bett. 

 

Samstag, 12. Februar 2000

Die Nacht über haben wir recht gut geschlafen. Sicherlich hat dazu beigetragen, dass der Regen die Nacht über aufgehört hatte. Die Sterne fingen so richtig an zu funkeln. Am Morgen werden wir noch weit vor Sonnenaufgang von einem Hirten geweckt, der mit seinen Kühen spricht und die Kühe mit ihm. Wir würden gerne verstehen was er so alles mit seinen Kühen spricht, da der Redefluss kein Ende nimmt. Dann kommen 2 weitere Hirten hinzu. Alle nähern sie sich dem Marsmobil. Dann entdecken sie die zwei gr...  , nein weiße Marsmenschen in ihrem Zelt und sie beobachten uns annähernd eine Stunde. Sie sind andauernd am tuscheln und kichern. Wir wüssten gerne was sie wohl untereinander erzählen. Bei wolkenlosem Himmel geht die Sonne auf, das ist dann doch wichtiger als wir. Die Hirten wenden sich für die Minuten des Sonnenaufgangs der
 

 


östlichen Richtung zu. Die zwei Marsmenschen bewegen sich aus ihrem Marsmobil. Jede unserer Handlungen wird bis ins Detail betrachtet. An Austreten ist jetzt nicht zu denken. Also erst frühstücken. Wir hatten auf dem Markt von Bhuta Bhute die Tonbandkassetten mit afrikanischer Musik aus Lesotho gekauft und legen eine Kassette ein um zu sehen wie die Hirten reagieren. Sie fangen spontan an zu tanzen. Wir sind fasziniert. Eine lockere Atmosphäre entsteht, es ist richtig schön. Zwischendurch werden Kühe zur Ordnung gerufen, die zu weit in die Maisfelder vordringen und die Hunde ermahnt, die zu nahe an unsere Vorräte kommen. Erst als wir wirklich anfangen aufzubrechen kommen sie näher, wollen anfassen und fragen nach Geschenken. Da es offensichtlich ist, das wir nun gehen, ziehen die Hirten singend und pfeifend mit ihren Tieren ab. Sie verstehen es auch hervorragend mit den Basothoponys umzugehen. Sie reiten ohne Sattel genauso gut wie mit.
 

Gabi geht dann den Weg weiter nach oben zu Fuß, um zu sehen wie es mit dem Streckenverlauf aussieht. Dann lokalisieren wir mit Hilfe des GPS unsere Position auf der Karte. Wir sind nun doch der Überzeugung auf dem richtigen Weg zu sein. Auch verläuft der Weg  wieder etwas besser wie gestern. Also beschließen wir weiter zu fahren, in die ungewisse Richtung, dies bei schönstem Wetter.


Wir erreichen eine Passhöhe und der Weg ist zunächst  in einem guten Zustand. Was wir aber vermissen sind Reifenspuren von anderen Fahrzeugen. Die Antwort warum es so ist, folgt umgehend. Der Weg wird dramatisch schlechter. Uns plagen Zweifel. Sollen wir nicht doch besser wieder umdrehen. Der Karte nach müssen wir am Schluss noch kurz vor Thaba Tseka den Fluss welcher vom Katsedamm abfließt überqueren. Was wenn der Wasserpegel zu hoch ist? In jeder Ortschaft wird gebettelt. Dann treffen wir auf ein Dorf, es wird wieder gebettelt mit einer von uns noch nicht erlebten Heftigkeit und keiner will uns  so recht den Weg durch das Dorf weisen. Schließlich gelingt es uns dann doch den richtigen Weg zu finden. Es geht brutal steil am Berghang hinunter. Mit einem Weg hat das nichts mehr gemeinsam, heftige Regenfälle haben hier ein übriges getan. Für  Maßnahmen, die Strecke passierbar zuhalten, fühlt sich wohl keiner zuständig. Hin und wieder setzt das Fahrzeug auf. Wir bewegen, mehr schaukelnd und hopsend, als fahrend, das Auto Meter für Meter über die großen Steinblöcke hinab. Die seelische Anspannung steigt, die Situation ist sehr gefährlich und uns wird klar, hier gibt es kein zurück mehr. Was tun wir, wenn wir unten  nicht durchkommen und womöglich wieder Regen einsetzt. Wie sieht der Fluss am Ende des Tales aus? Fragen auf die uns Niemand eine Antwort geben kann.  Jetzt müssen wir zweimal ein tieferes Flussbett durchfahren, wir räumen die dicken Steine zur Seite. Leichtfertig  wollen wir die Ölwanne nicht aufs Spiel setzten. Es geht mehr schlecht als recht weiter. Immerhin nähern wir uns im Gegensatz zu vorher wieder Thaba Tseka, doch sind noch 30 km zu bewältigen. Nach schwierigsten Passagen auf immer noch sehr schlüpfrigen Wegen treffen wir dann an mehrere Gebäude in denen sich weiße Menschen befinden.
 


Es ist auch schon lange her, dass ich mich so gefreut habe ein Auto in fahrbereitem Zustand zu sehen.  Wir fühlen uns Beide unglaublich erleichtert, es handelt sich um die von Amerikanern geleitete Missionsstation Bobete. Wir werden zu einer Cola  eingeladen und bekommen das Gelände gezeigt. Wir haben uns zwar jetzt wieder verfahren aber der Pater, der gar nicht wie ein solcher aussieht, erklärt uns den Weg. Er ist ganz neu und noch nicht in unserer Karte eingezeichnet.  Wir machen uns frohen Mutes wieder auf den Weg. In sanften Serpentinen führt die Straße nach unten zum Fluss den wir noch überqueren müssen. Es ist völlig unmöglich anzufangen hier Steine wegräumen. Das Wasser ist zu tief und  die Strömung viel zu stark. Uwe hat das Gefühl, dass vor lauter Angstschweiß der Wasserpegel noch mehr ansteigt. Der Sani hoppelt dramatisch durch das Wasser. Es ist tiefer als es  auf den ersten Blickt erschien. Dann geht das Auto auch noch aus mitten im Fluss, springt Gott sei Dank wieder an, so dass wir die Flussdurchquerung  fortsetzen können. Gut wieder auf dem Trockenen gelandet, dass war schon mehr als wir uns so vorgestellt haben. Jetzt ist das Schlimmste geschafft und wir kommen auf die Verbindungsstraße zwischen Katsedamm und Thaba Tseka. Der Katsedamm, ein riesiges Projekt enttäuscht uns.  Aber ehrlich gefragt, was hätte uns nach diesem Tag, der angefüllt war von  Anspannung und Aufregung, noch vom Hocker gerissen.  Auf einem eingezäunten Platz einer Missionsstation können wir übernachten und sind froh einmal wieder rechtzeitig einen ruhigen Platz gefunden zu haben.   

 

Sonntag, 13. Februar 2000

In der Nacht fing es wieder an zu regnen. Glücklicherweise lockerte die Bewölkung am Morgen wieder auf, so dass wir im freien in Ruhe frühstücken konnten. Der netten Dame von der Mission ließen wir eine Tüte mit Lebensmitteln und 2 T-Shirts da. Wir fahren über Thaba Tseka in Richtung Mokhotlong, den “Ort des kahlköpfigen Ibis“. Der Senqu lässt sich ohne Schwierigkeiten überqueren. Auf dem Weiterweg wird uns heute so richtig bewusst, wie hartnäckig und frech die Kinder betteln. Give me sweet, give me money, give me ..., und dies in einem lauten aggressivem Ton. Es flog auch schon ein Stein. An der Weggabelung Mokhotlong / Sanipass biegen wir gleich rechts zum Sanipass ab, da wir noch ausreichend Benzinvorräte dabei haben. Wir durchfahren einen wunderschönen Canyon. Dann zwei Hirten auf Pferden vor uns. Damit die Pferde nicht scheuen fährt Uwe extra etwas langsamer. Erst machen die beiden Hirten kein Platz, dann deuten sie an etwas zu rauchen haben zu wollen. Es gibt aber nichts. In der schweren Steigung, der Sani ist kein Porsche, reitet der Hirte wieder an uns vorbei und schneidet uns den Weg ab und das Thema rauchen wird erneut gedeutet. Diese unglaubliche Hartnäckigkeit der Burschen erstaunt uns. Wir fahren weiter, sie lassen nicht locker, also nehmen wir das Duell auf. Irgendwann muss das Pferd verschnaufen und wir setzen die Fahrt wieder gemütlicher fort. In Lesotho wird auch Marihuana angebaut und nach Südafrika geschmuggelt. Ob die Reiter Zigaretten haben wollten oder aber uns was zum rauchen anbieten wollten wissen wir nicht. Am Sanitop soll sich ein Chalet befinden. Dort ist aber nur ein Laden mit Waren speziell für die Hirten hier oben. Also decken wir uns mit einer typischen Schafwolldecke und Satteltaschen ein. 1 KM weiter soll sich das Chalet befinden. Als wir aus dem Laden kommen können wir vor lauter Nebel nur noch 10 Meter weit sehen. Also tasten wir uns langsam weiter. Plötzlich ein geschlossenes Tor vor uns. In einem Nebengebäude fragen wir wo wir uns befinden. Es ist das Zollamt und die Beamten haben völlig vergessen, dass sie im Dienst sind. Im TV läuft ein Fußballspiel. Es spielt Kamerun gegen Tunesien. Es steht 3:0. Trotzdem haben sie die Zeit uns den rechten Weg zu dem Chalet zu weisen.
 

Dort ist es recht gemütlich und einen Platz zum Stehen für den Sani gibt es auch. Der Name unseres Wagen beruht eben genau auf diesem Pass. Wir bauen das Zelt auf. Wir können in einem der Häuser kochen. Es ist schön geheizt. Wir sind froh hier zu sein, denn draußen fängt es an in Strömen zu regnen.

 

Montag, 14. Februar 2000

Trotz anhaltender Schauer bleibt alles im Dachzelt trocken. Glücklicherweise hört es am Morgen  auf zu regnen. Ursprünglich wollten wir auf den Ntabana Ntlenyana, dem höchsten Berg mit 3.482 m im südlichen Afrika, gehen. Doch der Boden ist viel zu durchnässt, wir beschließen den Sanipass zur Südafrikanischen Seite hin abzufahren. Die Passstraße ist nicht besonders anspruchsvoll, landschaftlich aber ist es hier wunderschön. Die Drakensberge zeigen sich hier von ihrer typischen Art mit den runden Säulenbergen. Wir merken sofort, dass wir uns wieder in Südafrika befinden. Alles sehr gepflegt und ordentlich. Auch tauchen jetzt wieder viele Lodges auf. Das Sanipasshotel wartet sogar mit einem Golfplatz auf. Der Ort Underberg ist ein reiner Touristenort. Weiter geht es über Kokstadt, wo wir noch so einiges einkaufen. Uns fällt auf, dass es der vorwiegend schwarzen Bevölkerung hier gar nicht so schlecht geht, oder haben wir soviel anderes gesehen? Wir wollen zum Mkambati Nature Park an der Wildcoast. Wir fahren von der Provinz Kwazulu Natal in die Provinz Eastern Cape und begeben uns in das Gebiet der ehemaligen Transkei mit seiner Hauptstadt Umtata. Es war schon seit 1963 unabhängiges Homeland der Khosas. Hier sollte man besser bei Nacht nicht mehr mit dem Auto unterwegs sein. Die Gegend ändert sich zunehmend. Die Zäune verschwinden und das ganze Land ist zersiedelt. Überall vorwiegend Rundhütten und nur noch klein angelegte Felder auf denen überwiegend Mais angebaut wird. Kühe und Ziegen, alles läuft frei umher. Eigentlich befinden wir uns auf einer Autobahn. Das ist nicht das Südafrika wie wir es vom Westerncape kennen. Strom gibt es fast nirgends. Wir nehmen auch davon Abstand zum Nkambati Naturepark zu fahren. Er gilt zwar als Geheimtipp, doch soll sich dort lediglich ein Kiosk und ein Campingplatz befinden. Wir fahren nach  Port St. Johns, es liegt auf unserer Route nach Hause. Es soll der Haupttouristenort an der Wildcoast sein. Auf dem Weg dort hin nur Schwarze.  Die Vegetation wechselt schlagartig, wir sind im tiefsten Tropenwald. Einzelne Hütten verstreut in den wild bewachsenen Hügeln. Der Ort selber bietet einen recht trostlosen und beklemmenden Eindruck. Es ist schon recht spät und wir nehmen gezwungenermaßen mit einem schlechten Campingplatz vorlieb. Es regnet wieder. 

 

Dienstag, 15. Februar 2000

Heute ist uns das Wetter wieder gut gesonnen. Als wir aufstehen, scheint die Sonne. Die Nacht war laut. Wir befinden uns quasi in den Mangrovenwäldern von Port St. Johns und so allerlei Vögel haben ihr Konzert die ganze Nacht über gegeben. Wir gehen an den Strand der Wildcoast. Hier sieht es in etwa so aus wie die Küste der sogenannten Gardenroute. Auch herrscht hier subtropisches Klima vor. Warum sich trotzdem nur wenig Feriengäste hier her verirren liegt daran, dass alles, fast überall in der ehemaligen Transkei eher schmutzig wirkt und es letztlich meist auch ist. So hält uns hier nichts und  wir fahren weiter nach Umtata, in die Hauptstadt der Transkei. Auch hier ist deutlich, dass man sich in Afrika befindet.
 


Nur Schwarze und eine reges Treiben auf der Straße. Allerdings sind auch hier schon die großen Unternehmen wie Woolworth, Shopright, Spar und all die Franchaisenehmer der großen Ketten vertreten. Auch Nelson Mandela kam aus dieser Gegend. Wir fahren die N2 nach East London. Das Land ist völlig zersiedelt. Weit zerstreut sehen wir die Rundhütten der Xhosas. Obwohl es sich hier um fruchtbares Land handelt wirft es keinen effizienten Ertrag ab. Im Gegenteil, die Transkei könnte nicht auf eigenen Beinen stehen. Die Orte Idutywa und Butterworth bieten das gleiche Bild. Als wir nach East London kommen ändert sich das gesamte Landschaftsbild. Alles ist gepflegt. Wir sehen wieder große Farmen. East London ist eine ordentlich strukturierte Stadt mit einem großen Hafen an der Mündung des Buffelflusses. Auch Daimler Crysler produziert hier. 15 KM danach finden wir an der Küste bei Kidd`s Beach einen geeigneten Platz für die Nacht. Es bläst ein starker Westwind.          

 

Mittwoch, 16. Februar 2000

Die Nacht über haben wir ein brüllen oder röhren vernommen. Handelt es sich um irgendwelche Meeressäuger? Am Morgen stellen wir fest, dass das Brüllen von Kühen verursacht war. Auf der R72 geht es nach Port St. Albert. Obwohl wir in dem Gebiet der ehemaligen Ciskei fahren, sieht es hier im Gegensatz zu der Transkei gepflegt aus. Die Küste ist von Sandstränden gesäumt. Überall befinden sich gut erschlossene Badebuchten. Der gesamte Bereich wird wohl nicht von der schwarzen Bevölkerung organisiert. Port St. Albert ist ein wunderschöner Badeort. An Port Elisabeth, der Autostadt, fahren wir mehr oder weniger nur vorbei. In Jeffreysbay machen wir kurz halt und betrachten die Surfer beim Abreiten der längsten Linkswelle der Welt. Wir fahren dann durch den Tsitsikamma Park über die N2 weiter, besichtigen einen großen 600 Jahre alten Yellowwoodbaum. Kurz vor einer Mautgebührenstelle überqueren wir eine Brücke auf der die tiefsten Bungeejumpingsprünge gemacht werden können. Leider sind wir heute schon zu spät. Zeit sich nach einem Übernachtungsplatz umzusehen. Wir sind sehr bequem und übernachten auf einem Topcampingplatz kurz vor Plettenbergbay. 

 

Donnerstag, 17. Februar 2000

Früh am Morgen  besuchen wir den wunderschönen Strand und sehen eine milchige weiße Sonne aus dem Indischen Ozean aufsteigen. Weiter geht’s über Knysna, Wilderness, George, Mosselbay. Jetzt verlässt die Straße die Küste und zieht sich ins Landesinnere. Überall nur Getreidefelder. Ist das die Kornkammer Afrikas? Dann erreichen wir die Ebene der Kapstadt Region. Zur linken Seite nur Slums in der Umgebung des Flughafens. Wir hatten die letzten 2 Wochen so vieles gesehen und fragen uns, was macht es so erstrebenswert für die schwarze Bevölkerung, hier in den Randbezirken einer Großstadt in Blech- oder schäbigen Holzbehausungen zu wohnen. Stehen alle diese Menschen in Arbeitsaufgaben? Vorwiegend  wohnen hier Xhosas, durch deren Gebiete wir vorher gefahren waren. Was macht die Lebensqualität aus. Oder stellt dies lediglich eine Übergangslösung dar. Satteln sie dann um in ein Haus aus Mauern mit Strom und sanitärer Anlage? Die Zeit wird es zeigen.

 

Von einem Unbekannten Dichter aus Südafrika

Wenn ich zur Welt komme, bin ich schwarz

Wenn ich aufwache, bin ich schwarz

Wenn ich krank bin, bin ich schwarz

Wenn ich in die Sonne gehe, bin ich schwarz

Wenn ich friere, bin ich schwarz

Wenn ich sterbe, bin ich schwarz

Aber Du!

Wenn du zur Welt kommst, bist Du rosa

Wenn Du aufwachst, bist Du weiß

Wenn du krank bist, bist Du grün

Wenn du in die Sonne gehst, bist Du rot

Wenn Du frierst, bist Du blau

Wenn Du stirbst, bist Du grau

Und Du wagst es, verdammt noch mal mich einen Farbigen zu nennen.
 

Kapstadt - Grenze Lesotho Lesotho Grenze Lesotho - Kapstadt

 

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