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Kapstadt -> Grenze Namibia Namibia Grenze Namibia -> Kapstadt

Namibia 2002

 

Orange, Kaokoveld, Namib, Fishriver

 

vom 05.03.02 bis 05.04.02

  

 

Teilnehmer: Rosemarie Scharf, Werner Scharf und Uwe Scharf

 

Unsere Route: 

meine / unsere Route hoch bis zum Kunene

Dienstag, 5. März 2002

 

Nach einer langen Kitesaison, ich war vom 13. Oktober an in Kapstadt und dazwischen für einen Monat über Weihnachten und dem Jahreswechsel zuhause, bin ich heute von Kapstadt aus in Richtung Norden nach Namibia aufgebrochen. Der Sommer, so hat es den Anschein, neigt sich hier im südlichen Afrika dem Ende entgegen. Selbst für Kitesurfer wie mich, die  normalerweise mit dem Wind haushalten können, gab es die letzten Tage keinen Wind mehr. Also höchste Zeit zu einem neuen Abenteuer aufzubrechen! Dirk aus Norddeutschland, den ich  über Andreas aus dem Allgäu kennen gelernt hatte, wird mit mir bis Windhoek fahren. Er ist Windsurfer und hatte erst recht keinen Wind mehr hier in Mothercity, wie man auch zu Kapstadt sagt. Wohl weil so ziemlich alles, was die Besiedelung Afrikas durch die weiße Bevölkerung anbelangt, hier seinen Ursprung nahm. Ein Rückflugticket Windhoek - Kapstadt hatte er sich für den 12.03 besorgt. Der Landy war dann so gegen Mittag fertig geladen und es konnte los gehen. Die Fahrt führte an einem schönen sommerlichen Tag in Richtung Weinberge. Wir bewegen uns von dicht besiedeltem  Gebiet in das Niemandsland der Cedarberge. Ab Wellington, ein schönes Städtchen am Rande der Berge mit seinen vielen Weinhängen schlängeln wir uns den Bainskloof hinauf. Auf der anderen Seite führt das enge Sträßchen durch ein schönes Tal, zum Tal hin durch weiß getünchte Felsen gesichert, zur Querverbindung Worcester - Ceres. Nach Ceres den Michallspass hinauf. Ceres lebt vom Obstanbau und vor allem der Versaftung eben dieser Früchte. So wundert es auch nicht, dass uns, als wir uns den Guidopass hinaufbewegen, LKW an LKW, voll belanden mit Früchten aus dem Citrusdal entgegen kommen.

   

Wir aber biegen von der Verbindungsstraße zu den Obstanbauplantagen ab, wollen wir doch die Cedarberge durchfahren. Noch ca. 20 km auf einer Gravelroute, nachdem wir auch die letzte Farm  hinter uns gelassen haben, halten wir inmitten  großer Felsbrocken. Die Sonne steht sehr tief und  leuchtet eines der letzten fruchtbaren Täler, umgeben von den für diese Gegend typischen Felspyramiden, aus. Auch einen See mit einem an seinem Ufer liegenden, für Südafrika typischen, kapholländischen Haus können wir sehen. Die Zeit zum braaien, wie man hier in Südafrika für grillen sagt, ist gekommen.

erstes Camp in den Cedarbergen

 

   

Mittwoch, 6. März 2002

 

Die Nacht war angenehm ruhig und wurde nur durch das Quaken der Frösche an den umliegenden Teichen hin und wieder gestört. Das Morgenlicht ist noch gut als wir in die Cedarberge aufbrechen. Das Gebirge heißt so, weil sich dort eben auch hier und da  Zedernwälder befinden. Außerdem finden sich hier aber auch reichlich groß behaarte Spinnen, Schlangen und Skorpione.

   

Wer da durch die Sträucher streift sollte dann schon etwas aufpassen. Gabi und ich hatten dort schon Bergwanderungen zum Wolfsbergarch, ein großer von der Natur geschaffener Rundbogen und zum Malteserkreuz, eine riesige allein stehende Felssäule, gemacht. Im Abend- und Morgenlicht wirken die rötlichen sandsteinfarbenen Felsen besonders intensiv. Mit viel Fantasie kann man viele durch die Natur modellierte Gebilde an den Felsklötzen erkennen. Der Weg führt von einem Pass zum nächsten. Dazwischen befindet sich dann meist im fruchtbaren Tal eine Farm.

 

Über Eselbank nach Wuppertal

   

Einen schönen 4x4 Track nehmen wir über Eselbank, einem ganz kleinen Dorf, nach Wuppertal. Wuppertal wurde durch die Rheinische Mission gegründet. Der Ort lebt primär vom Rooibostee, einer typischen südafrikanischen Teesorte. Die Mission gibt es immer noch und um sie herum reihen sich die typischen Kapholländischen Häuser, weiß getüncht, grüne Fensterrahmen und mit Rieddächern versehen. Einfach nur schön in dem schmucken Tal inmitten der Cedarberge. Der Hunger naht und wir entschließen uns zu einer Mahlzeit in Calvina, dem Hauptort der Schafzüchter für die hier typischen Merinoschafe mit ihren schwarzen Köpfen . Der Ort ist nach dem Schweizer Reformator Johannes Calvin benannt. Hier merkt man nichts mehr von der Großstadthektik wie sie in Kapstadt vorherrscht. Die Landschaft ist recht öde. Die paar Büschel, die in dem trockenen Lande noch wachsen fressen gerade noch die Schafe, wenn überhaupt. Auf den staubigen Pads bewegen wir uns weiter in Richtung Pofadder. Ein heftiger Wind geht und wir beschließen bei lausigen Temperaturen neben der Pad stehen zu bleiben und dort zu übernachten.

 

Donnerstag, 7. März 2002

 

Neben der Pad übernachtet. Trotzdem wurde die nächtliche Ruhe durch kein Fahrzeug mehr gestört. Über flaches Land führt die Pad weiter in Richtung Norden. Hier und da ein paar ausgetrocknete Vleis. Sie sind meist mit einer Salzkruste überzogen. Sieht bei dem grellen Sonnenlicht fast wie eine Eislauffläche aus. In Pofadder könnte man sagen, hier liegt der Hund begraben. Trotzdem und gerade deswegen ist es hier so schön. Man lebt hier vorwiegend von der Schafzucht und vom Kupferbergbau. Ein kurzes Stück in ca. 270° auf der asphaltieren N14, um dann nach Pella abzubiegen. Hier beginnt das Namaqualand und die Landschaft wird immer grandioser. Aus der flachen, platten Gegend tauchen wir in eine Berglandschaft ein. Von Pella erwarten wir nicht all zu viel. An der einzigen Zapfsäule im Ort gibt mir der Inhaber sehr detaillierte Informationen über den 4x4 Track entlang des Orangerivers, dem längsten Fluss Südafrikas welcher gleichzeitig die Grenze zu Namibia bildet. Zum Schluss legt er mir noch nahe das Museum der Mission zu besuchen. Schon aus lauter Höflichkeit sage ich zu.

   

Als wir zur Missionsstation einbiegen, sind wir völlig von den Socken. Da liegt in einer  landschaftlich sicherlich reizvollen, aber auch völlig unwirtlichen Gegend eine von Dattelpalmen umsäumte wunderschöne katholische Kirche. Liebe Gabi, hier müssen wir die Kerze aus Dankbarkeit für unsere gelungene Afrikadurchquerung anzünden. Das Museum hat leider zu, so dass wir weiter hinunter zum Orange fahren. Ein wirklich schöner 4x4 Track führt ein Trockenflussbett hinunter zum Fluß.

Missionskirche Pella im Nichts

 

   

Drum herum nur kahle Berge. Unten das kühlende Nass in der Gluthölle. Einziges Problem, wie kommen wir ans Wasser? Während es oben keinerlei Vegetation mehr gab, ist der Flusslauf nur so von Cameldornsträuchern gespickt. Die kratzen dann auch sehr arg an dem schönen British Racinggreenlack des Landrovers. Schließlich münden wir dank eines Trockenflussbettes doch an den Orange wo wir, umgeben von herrlicher Landschaft, ein idyllisches Plätzchen direkt am Wasser erhaschen.

 

Grüne Band des Oranjeflusses

 

Freitag, 8. März 2002

 

Diese Nacht leider nicht so gut geschlafen. Nein, dass bisschen Lärm der Stromschnellen und das Platschen durch die hüpfenden Fische hat uns nicht gestört. Vielmehr war es einfach in dem Glutofen auch die Nacht über viel zu warm. So kommen wir auch erst um 9.15 Uhr weiter. Der Weg führt jetzt wieder aus dem Tal herauf durch das Nichts. Als wir über eine Kuppe fahren, sind wir total verblüfft über das, was wir sehen. Da ist doch tatsächlich ein Farmer dabei, die Wüste zu begrünen. Wir fahren zu der Farm und sind doch sehr erstaunt, was hier von den Südafrikanern auf die Beine gestellt wurde. In dieser kargen Gegend baut man Dattelpalmen und Wein an. Und das richtig professionell. Die Weintrauben wurden bereits geerntet und gerade sind die Datteln dran. Alles, von der Bestäubung bis zum Verpacken in für den Export vorgesehenen Verpackungen wird auf der Farm verrichtet. Hygiene wird groß geschrieben. Daher bekommt auch jeder von uns bei der Führung eine Haube auf den Kopf.

 

Arbeiter beim sortieren der Datteln und die Dattelplantagen

 

Da laufen wir dann rum wie die Arbeiter der Chipproduktion bei IBM. Man erklärt uns alles sehr gut, zeigt uns dann später auch noch die Dattelplantagen. Sehr erstaunt hat uns, dass solch eine Palme am Tag 1.300 Ltr. Wasser säuft. Natürlich haben wir uns auch gleich vom Erzeuger Datteln mit genommen. Sind sehr groß und schmecken zuckersüß. Von der Karstenfarm, sie liegt auf Kleinpella fahren wir wieder runter nach Witebank um von dort am Fluss entlang nach Goodhouse zu fahren.

 

Schwarze Linie zeigt die Route am Oranjefluß entlang

 

Schließlich endet der Weg an einer riesigen Kuhle umgeben von Tamarisken. Auch können wir keine Spuren mehr ausmachen. Also beschließen wir zurück an den Platz zu fahren, wo wir vorher zur Abkühlung ein Bad im Orange nahmen. Hoffen wir, dass wir morgen über das Flussbett einen Ausgang heraus aus dem Tal finden.

 

Ein Platz zum übernachten am Fluss

 

 

Samstag, 9. März 2002

 

Die Nacht war wieder unangenehm warm. Der Hoffnung auf Abkühlung unterlag die Angst weggeschwemmt zu werden, stehen wir doch direkt im Mündungsbereich eines Trockenflussbettes. Deswegen vermutlich auch nur ein paar Tropfen Regen vom Himmel. Die Vermutung, dass der 4x4 Wheel Track das Trockenflussbett hinauf führen muss, erweist sich als richtig. Der schlechte Weg führt schließlich auf die Zugangsstraße nach Goodhouse. Goodhouse ist eigentlich nur eine Ansammelung von verstreut liegenden, unschönen Häusern. Hier und da ein paar Äcker und eine Reihe von Bewässerungspumpen. Wir fragen uns, wofür all der Aufwand? Soll hier vielleicht eine Bewässerungsinfrastruktur für Großbauern wie die der Karstenfarm geschaffen werden? Dann eine große Kläranlage. Wo kommen bloß die Abwässer her? Als wir dann auf die Landkarte sehen, dämmert es uns. Es wird nicht irgendein Wasser geklärt, bevor man es in den Orange einleitet, nein hier funktioniert scheinbar alles anders herum. Man entnimmt dem Fluss dass Wasser, klärt es und versorgt damit unter anderem die Hauptstadt des Namaqualandes, Springbock. Aus dem Tal heraus führt die Verbindungsstraße nach Springbock an Dattelplantagen vorbei. Auch sind hier wieder die Dattelpalmen mit den Auffangnetzen in der Erntezeit von Januar bis April geschmückt. Dann wieder ein interessanter Trial durch eine enge Schlucht hinunter zum Orange. Dort machen wir an einer Mine Halt, um uns einen der Klunker einzustecken, obwohl dies nicht erlaubt ist.

 

Achtung Diamantendiebstahl

 

Unten angekommen, finden wir einen schönen Platz direkt am Wasser um Mittag zu essen und zum Abkühlen im Nass des Orangerivers. Leider ist dem Flusslauf entlang kein Weiterkommen möglich. Also müssen wir fast den ganzen Weg wieder hinauf. An einer Wegegabelung halten wir uns westlich und es hat den Anschein, dass wir schon wieder auf dem Weg nach unten sind. Es braut sich ein starkes Gewitter zusammen und wir sind unschlüssig, ob wir das Trockenflussbett in solch einem Moment hinunter fahren sollen.

 

Da braut sich schon wieder was zusammen

 

Schließlich beschließen wir, besser auf einem schön gelegenen Plateau zu übernachten und das Wetter abzuwarten. Die Entscheidung erweist sich als richtig, da es eine Stunde später zu stürmen und zu regnen anfängt. Wir hoffen für den morgigen Tag wieder auf besseres Wetter, wollen wir doch das Trockenflussbett hinunterfahren.

 

Namaqualand einfach nur wunderschön

 

 

Sonntag, 10. März 2002

 

   

Die erste Hoffnung vom Vorabend hat sich erfüllt, am Morgen hat der Regen aufgehört. Hier und da noch ein paar Wölkchen, doch die Sonne lässt sich auch schon sehen. Ein Hirte treibt seine Schafe über die wunderschöne Ebene, welche  von rötlichen Felspyramiden aus Granit gesäumt ist. Wir können unsere Tour weiter fortsetzen. Ich hatte ja meine Bedenken ins Tal hinab zu fahren. Sollte es dann zu einem starken Regenschauer kommen wären wir in großer Gefahr, bewegen wir uns doch in mitten eines Flussbettes.

Spiel mir das Lied vom Tod - Landschaft

 

   

Die zweite Hoffnung ist die, dass der Weg hoffentlich nicht wie der Vorherige in einer Sackgasse endet, und wir dann wieder das ganze Stück zurück müssen. Bis Violsdrift, dem südafrikanischen Grenzposten nach Namibia sind es ca. 40 KM Luftlinie. Nur kurz verläuft der weitere Weg nördlich in Richtung Orange und schwenkt dann nach Westen in Richtung N7. Ein wunderschöner 4x4 Track durch die für das Namaqualand typische Landschaft. Überall die rötlich oder bräunlich bis fast ins Schwarze hinein schimmernden Felspyramiden. Man kann sich wirklich fragen, wer hat denn wohl so schön säuberlich die runden Felsblöcke übereinander zu einer Pyramide aufgehäuft? Die doch eher spärliche Vegetation umfasst vereinzelte Kakteen, Köcherbäume und viele Arten sukkulenter Pflanzen. Sollte man hier in den Monaten August / September durchreisen besteht die Möglichkeit, die für diese Gegend so typische Wildblumenblüte mit zu erleben. Wir jedenfalls sind dann doch ganz froh, dass das unscheinbare Sträßchen auf die N7 mündet. Dann noch 10 Minuten via Teerstraße und wir sind am Grenzposten. In Namibia muss man jetzt 70 Rand Straßenbenutzungsgebühr bezahlen. Zahlen wir gerne, wenn man sieht, in welch ausgezeichneten Zustand die Gravelroutes in Namibia sind.

   

So sind wir dann auch schon 1 Stunde später in Ai Ais, das so bekannt für seine heißen Quellen ist. Es liegt am Ausgang des Fishrivercanyons, dem zweittiefsten nach dem Grand Canyon in der USA. Dort sprudelt 65° heißes Thermalwasser aus der Erde. Dies wird dann reichlich abgekühlt ins Swimmingpool geleitet. Die größte Badewanne die ich kenne. Das hat den Effekt, wenn man aus dem Wasser kommt, ist es einem momentan trotz weit über 30° Lufttemperatur, zu kalt.

 

Ein heißes Bad in Ai - Ais

   

Zum späten Nachmittag, ein Plattfuß schleicht sich noch auf dem Weg dahin ein, besichtigen wir den Canyon vom Mainviewpoint aus bei Hobas. Ein Gewitter braut sich zusammen, was eine schöne Stimmung erzeugt.

 

Fish - River Canyon, der zweit tiefste nach dem Grand Canyon

 

Hier Regen, dort Sonnenschein. Später dann ein Regenbogen. Ein schöner, wenn auch kurzer Sonnenuntergang. Alles ist in Rot getaucht. Treffen dort ein Schweizer Paar, Petra und Peter mit ihrem Landcruiser. Sie wollen im November mit dem Landcruiser zurück nach Deutschland fahren. Im Dunkeln verlassen wir den Park, um neben dem Straßenrand zu campieren. Zum Glück ist das Unwetter schon weiter gezogen. Gute Nacht Namibia.

 

Montag, 11. März 2002

 

Die Nacht blieb an unserem Platz am Straßenrand trocken. Der Weiterweg nach Seeheim gestaltet sich insofern als problematisch, da uns 2x4 Fahrzeuge entgegen kommen mit der Nachricht, dass eine Weiterfahrt recht schwierig sei. Also nehmen wir alle einen kleinen Umweg über den Nautedamm. Neben dem Damm eine große Farm, mitten in der Halbwüste mit Dattelpalmen und Wein. An der Lodge in Seeheim, sie ist wunderschön und herrlich versteckt gelegen nahe am Fischriver, machen wir Halt für einen Kaffee. Der Regen der vergangenen Tage hat auch hier so seine Verwüstungen angerichtet. Weiter ein Stück auf der Teerstraße, über die man auch das Städtchen Lüderitz erreichen kann. Dort hat ja die Deutsche Kolonialgeschichte des ehem. Deutsch Süd West ihren Anfang genommen. Für Lüderitz bleibt aber keine Zeit mehr. Wir biegen nach Norden ab. In Bethanie besichtigen wir das Schmelenhaus. Er war Deutscher, missionierte für die Englische Mission, und baute hier eine Mission auf. Ach ja, der Reifen, welcher uns gestern fast wegen Druckverlust aus der Kurve driften ließ, den ließ ich auch noch im Ort reparieren. Man fragt dann noch nach dem Druck, und ich sage 3,5 bar. Der reparierte Ersatzreifen wird dann wieder am Heck des Fahrzeugs montiert. Wir setzen die Fahrt weiter fort nach Helmeringshausen. Dann plötzlich das Unfassbare. Es tut einen lauten Knall!  Glasscherben fliegen durch das Auto. Was ist passiert? Ist die Frontscheibe geplatzt? Nein, sie hängt noch heil im Rahmen. Als wir ängstlich nach hinten sehen, dämmert es uns. Die Scheibe, welche auf unserem Schoß liegt kam von hinten mit einem gewaltigen Druck samt Heckscheibenwischer daher geschossen. Der Reifen war geplatzt und die Druckwelle hat solch eine Wucht erzeugt, dass eine Seitenscheibe mit geborsten ist. Der Himmel ist beschädigt, der Duschsack hat Löcher, eine Reisetasche hat Risse und wir hatten viel Glück, dass wir von den Splittern nicht bösartig getroffen wurden.

 

Noch mal Glück gehabt. Der Ersatzreifen ist explodiert und hat zwei Scheiben durchschlagen

 

2 Stunden waren wir mit Räumen und sauber machen und dem notdürftigen Verkleben der Fenster beschäftigt. O.k., der Reifen war  schon leicht beschädigt, aber ich habe den leisen Verdacht, dass man einen viel zu hohen Druck erzeugt hatte, bzw. das Luftdruckgerät nicht einwandfrei war.

   

Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass 3,5 bar solch eine Explosion erzeugen können. Auf der Weiterfahrt treffen wir dann noch Alexander, einen eingeschworenen Österreichischen Landroverfahrer aus Kapstadt und Griechenland. Schließlich machen wir dann doch noch reichlich Kilometer bis hinter Maltahöhe. Ein spektakulärer Sonnenuntergang begleitet uns.

Da Sonneschein, dort Regen

 

   

Dort ein Regenguss, dort steht die Sonne tief, hier ein Regenbogen und die Wolken ergeben ein wunderschönes Abendrot. Namibia in der Regenzeit, immer wieder grandios und faszinierend.

 

tolle Abendstimmung

 

Dienstag, 12. März 2002

 

Ein reichlich stressvoller Tag. Um 8.00 Uhr weiter auf der Pad nach Klipprand, wo wir auf die Teerstraße nach Windhoek treffen. Kurz vor Rehobot treffen wir auf den Tropic of Cabricorn, dem Wendekreis des Steinbocks.

 

Wendekreis des Steinbocks

 

Im Südafrikanischen Beginn des Frühjahrs steht hier die Sonne genau im Zenit. Wir befinden uns ab jetzt in den Tropen. In Rehobot, der Hauptstadt der Baster, welche Nachfahren Südafrikanischer Farmer und Namafrauen sind, können wir einer Versteigerung von Jungrindern beiwohnen.

   

Um 12.30 sind wir in Windhoek, der Hauptstadt in Namibia. Hier gilt es für mich einige Dinge zu erledigen. Ersatzreifen besorgen, Scheiben erneuern lassen, Ladegerät in Ordnung bringen, Internetkaffee, Dirk zum Eros Airport bringen. Schließlich bin ich dann ganz froh, die wichtigen Dinge weitestgehend erledigt zu haben und auf der Campsite das Lager zu beziehen. Schön ist es immer, dem Deutschen Radiosender zu lauschen.

Tierversteigerung bei den Rehobots

 

   

 

Mittwoch, 13. März 2002

 

Um diese Zeit eine Stadt im Grünen

 

Heute sind meine Eltern in Windhoek gelandet. Wir wollen die nächsten 3 Wochen mit einander verbringen. Schwerpunktmäßig werden wir das Kaokofeld bereisen. Gegen 8.00 Uhr treffen wir uns bei Caprivi Carhire. Meine Eltern haben bereits den gebuchten 4x4 Leihwagen übernommen. Dann machen wir größere Einkäufe bei Pick und Pay, werden wir doch die nächsten 10 –14 Tage keine großen Möglichkeiten mehr haben, Lebensmittel zu besorgen. Schließlich besorgen wir noch bei einer Metzgerei zum braaien Zebra, Springbock, Oryx und Rindfleisch, um dann schließlich gegen 15.00 Uhr die Stadt zu verlassen. Auf halbem Weg zwischen Okahandia und Otjewarango machen wir an der Farm vom Bruder des Autovermieters Halt, um dort unser Lager zu beziehen. Es ist eine eher kleine Farm mit 5.000 ha Fläche, rund 350 Rindern und 130 Schafen und noch so allerlei anderes Kleingetier. Hier geht alles noch recht gemächlich zu. Für uns ein schöner Platz, um alles für die große Reise klar zu machen. Die Müdigkeit holt uns alle ein, so dass wir schließlich zeitig in die Falle gehen und bei dem betörendem Generatorgeräusch einschlafen.

 

Donnerstag, 14. März 2002

 

Am Morgen werden wir zum Glück nicht von dem töftöf des Generators geweckt, sondern von so allerlei Tierklängen, befinden wir uns doch auf einer Animalfarm. Ein völlig relaxter Morgen, so dass wir schließlich gegen 10.00 Uhr aufbrechen. Wurden wir von so allerlei Vogelgezwitscher geweckt, entdecken wir jetzt auch eine Reihe dieser gefiederten Tiere. Falken, Störche, Tokkos, Adler, Marabus über der völlig grünen Dornbuschsavanne.  In Otjewarango machen wir die Kraftstofftanks und Reservekanister voll. Von Otjewarango fahren wir nach Outjo. Dort lesen wir “ Etoschahotel“. Vielleicht das letzte Hotel für die nächsten 10 Tage? Bevor der Magen später rebelliert, beschließen wir, ein vorerst letztes mal, Essen zu gehen. Ob das was verspricht, Etoschahotel? Als wir dort eintreffen, sind wir überwältigt. Wir fühlen uns fast wie zu Hause. Ein Österreichisches Pärchen hat es in den Süden Afrikas verschlagen. Erst bereisten sie die südlichen Länder Afrikas und seit 3 Jahren betreiben sie den Gastbetrieb. Alles ist mit viel Liebe im Österreichisch – Afrikanischen Stil eingerichtet. Wir essen Oryx mit Blaubeersoße. Dann noch einen richtig guten Apfelstrudel mit Sahne.

   

Dieses Hotel können wir jedem weiter empfehlen. Als wir dann Outjo verlassen, sehen wir im Ort die ersten barbusigen, Himbas. Sie tragen lediglich einen Lendenschurz und viel traditionellen Schmuck. Die Haut ist mit Butterfett, gemischt mit pulverisiertem Roteisenstein eingerieben. Welch ein Kontrast, waren wir doch gerade noch in dem schmucken Hotel Österreichisch – Afrikanisch essen! Kurz hinter Korixas, dem Hauptort des Damaralandes, geht die Teerstraße in eine Pad über, wie man hier in Namibia zu den nicht geteerten Routen sagt.

Gleicher Platz wie auf unserer Afrikadurchquerung

 

   

War es den ganzen Tag über bedeckt, bessert sich das Wetter auf der Fahrt gegen Westen. So kann man dann auch die rot schimmernden Granitberge, oder auch Elefantenberge, da sich hier und da Elefantenhaufen befinden, sehen. Auf einem Plateau schlagen wir unser Lager auf. Ein schöner Sonnenuntergang. Gegen Norden braut sich ein Gewitter zusammen. Die Braaistelle ist hergerichtet. Es gibt Springbock und dazu Folienkartoffeln. Hoffen wir nur, dass uns das umherziehende Gewitter nicht das schöne Feuer wieder ausmacht.

 

Aussichtskanzel mit Elefantenbergen drum herum im Damaraland

 

Freitag, 15. März 2002

 

Gott sei Dank blieb der befürchtete nächtliche Regen aus. Ein paar Tropfen auf das Dach des Zeltes, das war’s. Ein wunderschönes Morgenrot begrüßt uns. Wir verlassen das schön gelegene Plateau um nach einer kurzen  Fahrt die Felsmalereien in Twyfelfontein zu besichtigen.

 

 

Die mit Blut und Straußenfedern angefertigten Tierzeichnungen stammen von Buschmännern. Gravuren, welche in den Sandstein hereingeritzt wurden sind bis zu 2.000 Jahre alt. Bei den Zeichnungen handelt es sich vorwiegend um die Darstellungen von Tieren. Ein Farmer, der sich an dieser Stelle niederließ, zweifelte sehr an, ob die Quelle ausreichend sei. Er verkaufte sein Farmland wieder. Daher der Name Twyfelfontein. Wir verlassen die roten Granitbergpyramiden und halten uns in Richtung West. Überall stehen Mopane- und Moringowälder, das Lieblingsfressen der Dickhäuter. Ob wir die zu Gesicht bekommen? Wir nähern uns einer Gewitterfront und sind froh, dass die Straße hinter Palmwag dann doch eine andere Richtung nimmt und wir die schwarze Wand umfahren können. Es hat die vergangenen Wochen viel geregnet und das Land ist völlig grün. Zu unserer Verwunderung sehen wir Springböcke, Oryxantilopen, Strauße, Zebras und Giraffen. Wohl gemerkt, wir befinden uns nicht in irgend einem dieser Wildparks. Ich bekam den Tipp unbedingt die Khowaribschlucht zu besichtigen. Ein vergeblicher Versuch, da die durch den Canyon abgehenden Reviere, so sagt man hier, wenn Wasser durch ein Trockenflussbett fließt, ein Befahren unmöglich gemacht haben. Also weiter in Richtung Sesfontein, ein ehem. Deutsches Fort, welches heute als Lodge genutzt wird. Wir biegen aber kurz davor ab nach Norden Richtung Opuwo. Auf einer leichten Hochebene an den Ostflanken der Berge gelegen finden wir einen Platz zwischen Mopanebäumen. Wir sind recht froh das nasse Holz zum brennen zu bringen, wollen wir doch unser Abendessen zum Braai herrichten.

 

Nähe Seesfontain

 

Samstag, 16. März 2002

 

Die Nacht über regnete es etwas. Am Morgen ist schon wieder alles trocken. Unsere Route führt weiter nach Norden auf einen Pass hinauf. Die eintönige Vegetation der Mopane geht in einen afrikanischen Mischwald über, der aus Kalahari Christmas Tree, Baobabs, Cameldorn und Mopanebäumen besteht. Der Weg schlängelt sich durch einen Canyon, der eher einer parkähnlichen Anlage gleicht. War es am Morgen noch grau kommt jetzt auch die Sonne zum Vorschein und das Licht ist wieder gut zum Fotografieren. An einem Hererodorf, deren Hütten viereckig und bunt angemalt sind, bleiben wir stehen. Gleich darauf kommen die Kinder. Eine gute Gelegenheit zum fotografieren. Dann gesellen sich noch 2 stolze Hererofrauen mit ihrer altviktorianischen Tracht dazu.

 

 

Stolze Hereros

 

Auf dem Weiterweg hält uns ein nettes Himbamädchen an. Sie fragt, ob sie und ihre beiden Geschwister mit uns mitfahren können. Ihr Name ist Tschinia. Wir können ihren Wunsch nicht abschlagen, haben doch auf der anderen Seite die Gelegenheit sie zu fotografieren. Sie ist ganz traditionell bekleidet.

 

Tschinia und ihre beiden Geschwister

 

Viel Schmuck, viel Haarpracht, lediglich einen Lendenschutz und den Körper mit rötlich gefärbter Butter eingerieben. Sie packen ihre Sachen zusammen. Decken, ein Kürbis für Wasser, eine Dose  mit dem rötlichen Fett, alles das kommt in eine große Ledertasche. Ihre beiden Geschwister kommen auf die Ladefläche in den Toyota und Tschinia fährt im Landrover mit. An 3 großen Baobabs stellt sich Tschinia vor diese, so werden erst die gigantischen Ausmaße dieser afrikanischen Baumriesen gut sichtbar. Noch vor Opuwo, der Hauptstadt des Kaokolandes setzen wir Tschinia und ihre beiden jüngeren Geschwister ab. In Opuwo werden die Kraftstoffreserven wieder aufgefüllt. Weiter nach Norden und hinter einem größeren Flussbett campieren wir schließlich. Ein Unglück kommt selten alleine. Mein Eltern holen sich den ersten Plattfuß, bei mir leckt einer der Reservetanks. Hatte ich ja schon vorher so viel Pech mit den Scheiben, bekommt die Frontscheibe, als ich das Dachzelt aufbaue einen ordentlichen Sprung, weil ich mich an ihr mit dem Knie abstützte. Wenn wir schon bei den Weisheiten sind, dann hoffe ich ja nur, dass alle guten Dinge 3 sind, die Anzahl unserer Unglückfälle. Das Feuer brennt so vor sich hin und auf der Glut werden wir uns heute Oryx zubereiten.

 

Sonntag, 17. März 2002

 

Am Morgen bekommen wir Besuch von einem nicht mehr ganz astreinen Himba. Mit T-Shirt und einem Schiffchen auf dem Kopf, welches die Haarpracht bedeckt. Leider nimmt die Zivilisation in Form von T-Shirt und irgend welchen Plastikmüll eben auch bei den Himbas Einzug. Wir brechen auf zu den Ruacanafällen. Lt. Iwanovskireiseführer lohnt sich ein Besuch nicht, weil der Hauptteil des Wassers im Kraftwerk verschwindet. Wir fahren aber trotzdem, haben wir doch davon gehört das der Kunene jetzt zur Regenzeit Hochwasser hat. Der Weg zum Fluss gestaltet sich recht einfach. Rechts die Zebraberge, die doch tatsächlich wie ein Zebra aussehen. Die Erosion hat in Streifen das Erdreich herunter gerissen. Der Basalt wurde  freigelegt und der Berg hat ein Muster wie ein Zebra. Schließlich treffen wir auf den  Grenzfluss zu Angola. Der Weiterweg gestaltet sich dann allerdings doch etwas schwieriger und vor allem länger als gedacht. Hier und da ein paar Ansammlungen von Hütten. Schließlich fahren wir über eine Bergkuppe und haben einen Blick auf die Ruancanafalls.

 

Ruancanafalls in voller Pracht (Meist aber keine Fälle,da Wasserkratfwerk)

 

Einerseits sind wir in unserer Meinung bestätigt, dass reichlich Wasser die Fälle herunter kommen muss, anderseits sind wir enttäuscht als wir die Powerstation und den Staudamm oberhalb der Fälle sehen. Im Reise know how lese ich, keine Fälle zum anfassen. Sollten wir uns mit dem Anblick aus so weiter Ferne zufrieden geben, würde sich der Besuch allerdings wirklich nicht lohnen. Wir finden dann aber doch noch einen wunderschönen View Point und sind sehr glücklich. In Ruacana kommt ein platter Reifen zur Reparatur. Dann noch mal an die Fälle bei einer kleinen Mittagpause und dann wieder den ganzen Weg zurück. Wir fahren dann über ein Sodalitbergwerk und nehmen einige der wunderschönen blauen Steine mit. Schließlich treffen wir wieder an dem Platz ein, den wir am Morgen verlassen haben. Dem Feuer hauchen wir auch wieder Leben ein.

 

Himbasippe mit Sack und Pack an unserem Camp

 

Die Kühe am Fluss gehen und die Himbas kommen. Himbas, eine völlig andere, noch in ihren Ursprüngen existierende Kultur. Das wollten wir ja auf unserer Reise erleben. Doch jetzt wird das ganze doch etwas anstrengend. Die ganze Sippe gesellt sich zu uns und beobachtet unser Tun. Sie sind hungrig und jeder hat irgend welche Gebrechen. Wir stellen schnell fest, wenn wir hier erst mal anfangen, dem einem oder anderem zu helfen, wir werden nie zu einem Ende kommen. Also ist es besser, gleich rechtzeitig „nein“ zu sagen als nie jedem gerecht zu werden. Mit anbrechender Dunkelheit fallen wir dann erst einmal alle in die Stühle und müssen auf den anstrengenden, aber auch recht interessanten Tag anstoßen. Die Himbas amüsieren sich über uns und erkennen dann doch, das sie uns jetzt besser alleine lassen. Das Feuer brennt und wir können zum Filetsteak übergehen.

 

unsere Route im Kaokofeld

 

Montag, 18. März 2002

 

Die Sonne geht gerade auf und der erste Himba samt Sohn steht auch schon parat. Wir werden genauestens beäugt. Als wir bei unserer allmorgendlichen Toilette sind, tauchen von der anderen Flussseite wieder all die Himbas auf, die uns gestern Abend verlassen haben. Diesmal aber mit Sack und  Pack.

 

Die Himbas wollen an den Kunene und suchen eine Mitfahrgelegenheit

 

Es ist eindeutig, dass sie alle, so um die 8 Personen, mit uns mitfahren wollen. Sie halten aber respektvoll Abstand als wir beim frühstücken sind. Als dann schließlich die Fahrzeuge zur Abfahrt bereit sind, fragen wir wo sie denn überhaupt hin wollen. Sie wollen an den Kunene, von dem wir gestern kamen. Also  in die entgegen gesetzte Richtung wie wir. Da fällt uns ein Stein vom Herzen, denn wir hätten sie niemals alle mitnehmen können. Sie freuen sich zum Abschied über ein Päckchen Tabak und Streichhölzer, und wir dürfen noch mal im morgendlichen Licht fotografieren. Schließlich fahren wir wieder nach Epembe zurück, um dann über Okongwati an die Epupafalls zu fahren. Okongwati entpuppt sich als ein recht schwieriger Durchgang, hat es hier wohl die letzte Nacht heftig geregnet. Nur mit Mühe kommen wir durch den Schwemmsand der noch völlig nassen Flussbetten. Glücklicherweise wird der Weg dann wieder besser und ohne große Mühe kommen wir gegen 13.30 Uhr an den Epupafällen an.

 

Epupafalls (die vielleicht schönsten Fälle)

 

Auf einer Campside parken wir die Fahrzeuge unmittelbar an den Fällen unter riesigen Palmen. Dann braut sich leider ein Gewitter zusammen und das Licht wird schlecht zum Fotografieren. Die Fälle sind für mich persönlich zumindest jetzt zu der Zeit die Schönsten, die ich bisher gesehen habe.

 

Epupafälle und Umgebung

 

Überall Baobabs und Palmen. Dazwischen ergießt sich das Wasser. Es scheint wie im Paradies. Die Campside wird von Himbas geführt. Wohl eine der wenigen Dinge, an denen sie am Tourismus verdienen. Wir zahlen gerne den Eintritt, das Waschen der Wäsche, für Feuerholz und geben eine Spende für die Erhaltung der Umwelt. Heute machen wir unser Braaifeuer mit Palmwedel und auf dem Rost landen heute dicke Zebrasteaks. Wie sagt doch der Südafrikaner. It`s lecker!

 

Dienstag, 19. März 2002

 

Heute sollte es ein anstrengender Tag werden. Nach dem wir uns nochmals von möglichst allen Seiten die wirklich wunderschönen Wasserfälle angesehen haben, brechen wir gegen 10 Uhr auf. In Okongwati wieder die gleiche Situation. Wir müssen wieder das breite, aber annähernd schon trockene Flussbett, überqueren. Bei der Polizeistation von Okongwati erkundigen wir uns, ob man zur Zeit über den Van Zyls Pass fahren kann. Wir ernten eher ein Schulter zucken. Man rät uns, am besten mal eben rüber zu fahren und wenn der Weg nichts sei, dann können wir ja wieder umdrehen. Also befolgen wir den, wie wir meinen, guten Ratschlag. Afrika währe nicht Afrika, würde uns jemand präzise Auskünfte geben. Schließlich benötigen wir für eine Passage von ca. 70 km  ca. 5 Stunden. Wir kreuzen Flussbetten, durchfahren stark ausgewaschene Trials, nehmen starke An- und Abstiege und schlängeln uns zwischen Cameldornbäumen hindurch. In Akauwa an einem Wasserturm kommen all die Himbas an unsere Fahrzeuge. Es wäre an sich wieder eine sehr gute Gelegenheit zum Fotografieren. Doch wir sind dessen mittlerweile doch recht müde geworden und fahren weiter. Schließlich nehmen wir einen ehem. Himbaplatz unter Beschlag. Wir vernehmen Donnergrollen und nach einer Stunde setzt der Regen ein.

 

Mittwoch, 20. März 2002

 

Ein noch anstrengenderer Tag wie gestern. Kaum setzen wir am Morgen unsere Fahrt nach Otjitanda fort, es sind ja nur noch ein paar Kilometer, wird der Track so richtig Material mordend. Die Regenzeit hat auf dem an sich schon schlechten Pfad so ihre Spuren hinterlassen. Sehr tiefe Auswaschungen. Der Weg wurde wohl zum reißenden Bach.

 

 

 

Mensch und Material sind gefordert. Höchste Konzentration ist unabdingbar. Nach 2 Stunden erreichen wir Otjitanda, ein Dorf, welches aus vielleicht 10 Rundhütten im Kreis, umgeben von einem äußeren Kral, besteht. Wir halten weiter Kurs nach Süden, später Süd Ost, Richtung Opuwo bis wir nach ca. 25 km einen unscheinbaren Abzweig nach Orupembe nehmen. Während der Weg jetzt etwas besser wird, droht Unheil von oben.

 

 

Haben sich die vergangenen Tage die Gewitter immer spät am  Nachmittag zusammen gebraut, ist jetzt gegen Mittag schon der Himmel tief schwarz. Dazu gesellt sich noch ein ordentlicher Sturm. Das Gewitter umkreist uns. Hier und da gehen Blitze nieder, gefolgt von einem Donnergrollen. Müssen wir uns jetzt auf das Schlimmste gefasst machen? Froh sind wir, dass wir von dem Vorhaben, jetzt mitten in der Regenzeit über den Van Zyls Pass zu fahren, Abstand genommen haben.

   

Genau dort geht starker Regen nieder. Das Gewitter zieht schließlich nach Norden ab und es gehen nur ein paar Tropfen nieder. Der Weg schlängelt sich über Hochebenen mit einer schönen Vegetation. Zwischen Mopane gesellen sich Moringobäume, kleine Baobabs und viele andere schöne verknorpelte Bäume, welche wir nicht kennen. Ganz selten begegnen uns Himbas. Wir sehen aber viele Kühe und Esel. Man könnte glauben, sie sind hier z. Zt. völlig alleine und deren Hirten, bzw. Besitzer sind, wie es sich für Halbnomaden gehört, unterwegs.

 

 

Der Weg wird schließlich immer besser und schlängelt sich zwischen grün roten Tafelbergen auf Orupembe zu. Mit einem schönen Blick auf eben diese Tafelberge beziehen wir unser Camp.

 

Unsere Route hoch und zurück ins Kaokafeld

 

Donnerstag, 21. März 2002

 

Wieder eine trockene und ruhige Nacht. Heute ist Independenceday. Namibia ist der jüngste Staat in Afrika und feiert heute 12 Jahre Unabhängigkeit. Von vielleicht einigen Minderheiten abgesehen, ist wohl eher der Großteil der Namibianer Stolz auf sein Land. Die Mehrheit, etwa 50 % stellen die Ovambos. Ovamboland ist nördlich von Etoscha gelegen. Aus ihnen hatte sich auch die Swapo rekrutiert. Sie wurden auch von Fidel Castro ausgebildet. Bekämpft wurden sie von der Unita und den Südafrikanern. So verwundert es auch nicht, dass Peter Müller Straße, er war der ehem. Bürgermeister von Windhoek durch Fidel Castro ersetzt wird. Nur dass keine Missverständnisse aufkommen, hier geht es um Straßennamen.

Wir befinden uns im Kaokofeld in dem ca. 6.000 Himbas, einige Hereros und evtl. noch einige Damaras leben. Das Kaokofeld ist etwa so groß wie die Schweiz und man kann sich vorstellen, dass es nicht verwundert, wenn wir den ganzen Tag annähernd niemanden begegnen. Was uns heute viel mehr begegnet sind riesige Vögel. Adler steigen vor uns auf. Dann hopsen Sekretäre durch die Springbockgräser. Und später kreuzen unsere Pad im rasenden Tempo die Strauße. Orupembe entpuppt sich auch nur wieder als eine Ansammlung von ein paar Hütten. Dort noch ein Windrad, welches Wasser in einen großen Behälter nach oben befördert. Wir nehmen Kurs in Richtung Süd West. Waren wir die gesamte Zeit doch nur durch Wälder im Kaokoland gefahren, fehlen jetzt vollständig die Bäume. Doch das Land ist grün. Es soll wohl eine Woche zuvor sehr heftig hier oben geregnet haben. So verwundert es auch nicht, dass wir auf den Flächen tausende von Oryxantilopen und Springböcken sehen. Die Pad schlängelt sich über zum Teil sehr raues Wellblech über das Flussbett des Khumib hindurch und weiter runter zum Hoarusib, der jetzt noch Wasser führt. Dort sollen wohl am Morgen Elefanten gesehen worden sein, wie uns ein Brunnenbauer bei Purros sagt. 

 

 

In Purros selbst wohnen z. Zt. nur ca. 15 Himbas.  Der Brunnenbauer hat am Fluss eine solarbetriebene Wasserpumpe installiert. Scheint die Sonne, pumpt sie schön brav und leise Wasser nach oben. Kommt ein Wölkchen, bleibt sie fast stehen. Eine gute Gelegenheit die Wasservorräte aufzufüllen. Nach Osten fahren wir das Flussbett des Gomadommi herauf. Aus dem Tal heraus kommen wir auf eine wunderschöne Hochebene. Überall hochgewachsenes Gras, hier und dort gelbe Blumen, roter Sand und alles in sehr gutem Sonnenlicht. Dann kommen runde Felder ohne Bewuchs. Warum, weiß keiner so genau. Meterioiteneinschläge, oder frühere Termitenfelder, oder eine Pflanze die dort Gifte hinterlassen hat? Die Gelehrten rätseln noch. Für uns ist es Zeit nach anstrengender Fahrt eine Nachtpause einzulegen. Inmitten einer grünen Wiese, rechts und links kleine Bergkuppen und neben dran eine zerfallene Hütte. Genug Brennmaterial für den heutigen Abend.

 

Freitag, 22. März 2002

 

Habe die Nacht über schlecht geschlafen. Irgend was ist mir gestern auf den Magen geschlagen. Ob es das Essen war, ich weiß nicht. Um die Sesfontein Lodge ist so allerlei angesiedelt. Die Lodge beschäftigt eine Reihe der umliegenden Anwohner. Die Piste wird jetzt doch wieder eher zur Rennbahn. Wir überlegen, ob wir nicht zur Hobatere Lodge fahren sollen. Sie liegt auf der Westseite des Etosha Parks. Ein Nightgamedrive nahe des Westteils des Etoshaparks, vielleicht gar nicht so schlecht? Dazwischen liegt ein Weg von ca. 100 km, größtenteils durch die Khowaribschlucht.

 

 

Wir machen es schließlich davon abhängig, ob man überhaupt nach dem starken Regen in die Schlucht einfahren kann und ob dort schon Fahrzeugspuren sind. Spuren können wir dann ausmachen und das Revier führt nicht mehr viel Wasser. Bei den Spuren handelt es sich um ein 4 x 2 Gefährt. Was das ist, dazu komme ich noch später. Man sagte mir, in dieser Schlucht würde man mit sehr großer Sicherheit Elefanten und Giraffen sehen. Daraus wurde es leider nichts, da das ganze Land grün ist und es überall Wasser gibt. Es ist zu vermuten, dass das Wild vorzugsweise diese Schlucht benutzt, auf dem Weg vom Etosha in die Kaoko- und Damararegion. Der Weg gestaltete sich als überaus abwechslungsreich, schwierig und langwierig. Dank GPS blieben wir immer auf dem richtigen  Pfad, wenn auch manchmal fast keiner mehr auszumachen war. Als wir aus der Schlucht kommen, löst sich auch das Rätsel des 4 x 2 Gefährts. Es war kein Geländewagen vor uns auf der Pad, sondern ein von 4 Eseln gezogenes Gespann. Dann haben wir eine Deseacontroll zu durchfahren. Ein riesiger Zaun führt wohl zur Eindämmung von Tierseuchen durchs ganze Land. Irgendwann am Spätnachmittag erreichen wir die C35. Noch 10 km und das Hobaterecamp ist erreicht. Eine Campsite nur für uns alleine, nein, wir müssen den Platz mit den Fliegen und Moskitos teilen.

 

Samstag, 23. März 2002

 

Am Morgen versuchten wir Einlass auf der Westseite des Etoshaparks zu bekommen. Das Permit kann man angeblich ohne Probleme in Windhoek erhalten.  Wir haben aber keines, also können wir auch nicht in den Park. Also weiter nach Kamanjab, einem Versorgungsort hier in der Region. Hier tauchen dann auch eine Reihe Offroader auf, die hier nochmals ihre Tanks reichlich füllen. Die Tanks im Landrover sind noch reichlich gefüllt, so dass ein Nachtanken nicht nötig ist. In Kamanjab ist bereits Torrabay, gelegen an der Küste, beschildert. Nach Westen geht es über den Grootbergpass. Eine wunderschön angelegte Straße schlängelt sich auf 10 km Länge zwischen Tafelbergen hindurch. Hier und da Hinterlassenschaften der Dickhäuter. Doch leider bekamen wir keinen zu Gesicht. Je näher wir uns der Küste nähern, desto karger wird die Landschaft. Kurz vor dem Gate zum Skelettencoastpark sehen wir noch Springböcke und Strauße.

 

 

Im Park selber dann nur noch sandsteinfarbene Berge und Steine ohne jegliche Vegetation. Die Niederschlagsmenge beträgt hier nur so um die 5 mm im Jahr. Überleben können nur solche Pflanzen, die sich ihre Feuchtigkeit aus der Luft holen. Fast jeden Morgen gibt es hier durch den typischen Küstennebel Tau. 50 KM von der Küste entfernt barbarische Hitze, an der Küste selbst Kühlschranktemperaturen. Das alles macht der kalte Benguelastrom, der von der Antarktis kommt, möglich. Wir jedenfalls packen unseren warmen Sachen aus.

 

Sonntag, 24. März 2002

 

Vom hier typischen Küstennebel blieben wir verschont. Im Hinterland gab es Wetterleuchten. Hatten wir uns gestern Abend doch recht warm eingepackt, können wir jetzt schon wieder die kurzen Hosen auspacken, denn die Sonne lässt sich schon wieder sehen. Erster Anlaufpunkt ist Cape Cross.

 

 

Hier hatte der Portugiese Dias auf der Suche einer Passage nach Indien ein Kreuz gesetzt. Beeindruckend ist der Swell der sich hier aufbaut. Riesige Wellen von 5 Meter Höhe rollen hier herein. Es wäre ein wunderschöner Tummelplatz für Surfer, ist aber ein Tummelplatz für Seehunde. Zehntausende dieser possierlichen Tiere tummeln sich hier. Es erscheint einem wie das Blöken auf einer Schafsweide. Doch es sind doch Hunde mit Schwimmflossen. Warum bellen die eigentlich nicht? Es ist einfach schön dem Treiben der Tiere zuzusehen. Dann schließlich fahren wir die triste Küste weiter in Richtung Süden an Hentiesbaai und Wlotzkasbaken mit seinen bunten Häusern und den jeweiligen Wasserspeichern vorbei bis wir im ehem. südlichsten Badeort Deutschlands eintreffen. Heute ist Sonntag und es war schon auffällig, welch seltsame Riesenkäfer uns entgegenkamen. Nennen wir sie mal Sonntagskäfer. Sie haben so um die 4 fünf Meter lange Fühler. Schon vom Weitem kann man sie erkennen. Schließlich entpuppen sich diese Käfer als Fahrzeuge mit Angeln, die vorne als Statussymbol eingesteckt sind. In Deutschland fährt man eben den Stern auf der Motorhaube, hier die Angel. Swakopmund heißt soviel wie Mündung des Swakop, der hier nämlich unterirdisch ins Meer mündet. Wieder einmal dürfen wir uns wie in Deutschland fühlen. Schon auf dem Weg dorthin wurde im Radio das Hafenkonzert aus Hamburg übertragen. In Swakopmund spricht man Deutsch. Überall Häuser aus der Wilhelminischen Zeit. Auch neue Häuserzeilen werden im alt Wilhelminischen Baustiel errichtet. Viel Fachwerk und steile Blechdächer auf denen kein Schnee liegen bleiben kann, sollte es hier welchen geben. Hier gibt es aber nur Sand. Wir schlendern raus zur Jetty, der Landungsbrücke, die heute keinen Zweck mehr erfüllt, ist doch das Areal völlig versandet.

 

 

Man kann sich gut vorstellen, was es für die Menschen bedeutete, die hierher in diese unwirtliche Gegend übersiedelten. Erst die lange beschwerliche Reise, dann nur Nebel und das Getöse der Brandung, was ein Anlanden unmöglich machte. Irgendwann dann erscheinen ein paar Häuser mitten in dieser unwirtlichen Wüste. Welch ein Alptraum! Wir jedenfalls übernachten auf dem Campingplatz von Langstrand, ein Platz mit allem Komfort.

 

Montag, 25. März 2002

 

Die Asphaltstraße schlängelt sich zwischen Dünen und Meer weiter nach Walfishbay. In dieser Bucht wurden frührer tatsächlich reichlich Walfischfang betrieben. Die Zeiten der Walfischjägerei sind vorbei. Walfischbay gehörte zur Krone und hat einen natürlichen Hafen. Später wurde es unter Verwaltung der Kapkolonie gestellt. So wurde diese Südafrikanische Exklave als eine gute Geste dem neuen Staat Namibia 1994 übergeben. Damit erreichte Walfishbay erst so richtig einen Aufschwung. Wir fahren durch die Stadt, die einen recht ordentlichen und sauberen Eindruck macht, obwohl sie eine Hafenstadt ist. Es geht weiter am Salzgewinnungswerk vorbei die Lagune hinaus bis aufs offene Meer. Jetzt könnten wir zwar weiter nach Sandwichharbour, nehmen aber davon Abstand, da der Gezeitenwechsel nicht optimal ist. Schließlich kehren wir bei der Bäckerei Probst ein zum Mittagsmahl.

 

 

Am Nachmittag kommt dann ein relativ starker Südwind auf und das Kitematerial kommt in der Lagune zum Einsatz. Es ist Flut und die Lagune ist mit Wasser gefüllt. Es macht Spaß hier über die Mikrowellen zu surfen. Gegen 5.00 Uhr fahren wir auf der C34 raus bis zum Vogelfederberg. Ein runder Granitfelsen im Nichts. Während an der Küste ein frischer Wind ging, geht hier eher ein Wind auf heißester Haarföhnstufe. Das Feuer für den Braai ist anbereitet.

 

Dienstag, 26. März 2002

 

Der Schakal, welcher gestern so unbekümmert an unserem Lager umherschweifte, blieb auch die Nacht über nicht weit von unserem Lager entfernt. Die C34 geht’s weiter nach Osten zunächst noch über vegetationsloses Land, später mit Entfernung von der Küste wird es immer grüner. Dann weiter durch den Kuiseb Canyon, der notgedrungenen Wahlheimat während des zweiten Weltkriegs von Henno Martin und Hermann Korn. Es waren Deutsche, die  sich der Internierung durch die Engländer mit ihrer Flucht in die Wüste entzogen haben. 2 Jahre verbrachten sie hier im Kuiseb, der nur in der Regenzeit Wasser führt. Jetzt sieht man auch schon die ersten roten Sanddünen. Sie sind mit einem zarten Grün durchsetzt. Dann durchfahren wir das Trockenflussbett des Gaub. Auch er muss viel Wasser mit sich geführt haben, da sich an der Überführung des Flusses viel Treibholz gestaut hat. In Solitär, wo es keine Edelsteine gibt, machen wir Rast. Diese Gaststätte mit Tankstelle hat irgendwie immer eine tolle typisch Namibische Wild West Atmosphäre. Schließlich durchfahren wir das Gate zum Sossusvlei. Das Permit wird gelöst und auf asphaltierter Straße geht es hinunter in die Lehmsenke. Bei großen Regenzeiten kommt es vor, dass das Revier des Tsauchab, welches durch den Sesriem Canyon führt, abkommt. Der Flusslauf ist von den Dünenkämmen abgesperrt.

 

 

So staut sich das Wasser, was früher einmal in den Atlantik mündete, mitten in der Namibwüste. Ein sicherlich spektakuläres Schauspiel. Wir haben nicht das Vergnügen. Trotzdem ist es wunderschön. Neben dem Sossusvlei befindet sich das Deadvlei. In diesem Todesvlei sind die Cameldornbäume völlig vertrocknet. Hier kommt kein Leben spendendes Wasser mehr hin, da sich auch hier ein Dünenkamm dazwischen geklemmt hat. Die Namib gilt als die älteste Wüste mit den höchsten Sanddünen. Schließlich müssen wir wieder zurück bis zur Campsite wo wir einen Platz unter einem Cameldornbaum beziehen.

 

Mittwoch, 27. März 2002

 

Die Campsite am Sesriem war mal wieder besonders günstig. Als wir uns das Permit für den Sossusvlei besorgten konnte man uns noch keine Campsite zuweisen, da die Plätze alle ausgebucht waren. Als wir dann im Dunkel zurück kamen, war das Office bereits geschlossen und mehrere Plätze waren nicht belegt. Am Morgen sehen wir uns den Sesriemcanyon, durch den der Tsauchab fließt ,an. Der Canyon heißt so, da man 6 Ochsenriemen benötigte um an das Wasser zu kommen. Unten ist es angenehm kühl und die Tauben, die dort umher fliegen, machen interessante Geräusche. Schließlich fahren wir die Pad so nah wie möglich an der Namib entlang nach Süden. Als wir dann die D0707 nehmen, sind wir voll auf begeistert.

 

 

Das Licht und die Farben scheinen irreal. Überall das Grün in all seinen Schattierungen. Im Kontrast dazu das Rot der Sanddünen. Und die Berge mal im Rotgranit, dann im tiefschwarzen Basalt. Das alles unter einem stahlblauen Himmel. Die Sonne brennt und lässt alles Flimmern, das Gemsbockgras weht im Wind. Die Fotografierwut kennt einfach keine Grenzen mehr. Als wir auf die Tirasberge zufahren biegen wir links ab zur Koiimasisfarm. Koiimasis ist ein Buschmanswort und heißt soviel wie, Ort wo sich Leute treffen. 

 

 

Ein Geheimtipp, den wir in Walfishbay erhalten haben. Eine wunderschön gelegene Campsite in einem Talende gelegen. Die Farm ist 18.000 ha groß und wird von einem Deutschstämmigen Ehepaar, Anke und Wulff, geführt. Ihre beiden Kinder gehen in Windhoek in die Deutsche Schule. So wachsen die Kinder bereits dreisprachig auf. Deutsch als Muttersprache, Englisch als Internationale Sprache und Afrikans als Umgangssprache auf dem Land.

 

 

Sie haben das Land vor 18 Jahren mit samt einer seit 5 Jahren unbewohnten Farm erworben. Wie uns Wulff berichtet, er lebte 5 Jahre in Kapstadt und hatte auch dort seine Frau kennen gelernt, war besonders der Anfang für sie sehr schwer. Das Hauptproblem galt dem Wasser. Heute hat er bereits mehrere Brunnen auf seinem Areal geschaffen, aber keiner weiß, ob sie immer Wasser abgeben. So war vor 3 und 4 Jahren trotz Regenzeit der Niederschlag hier ausgeblieben. Das Vieh verhungert und verdurstet. In der Not hatte sich, nach dem ein Großteil seiner Viehbestände schon verendet war, Wulff in Südafrika Land gepachtet und das Vieh dort hin umgesiedelt. Das Paar ist sehr erfinderisch und führt ihre Farm im Einklang mit der Natur. Heute haben sie sich 4 Stützpfeiler geschaffen. Da sind die Rinder, dann die Strauße, Sittich- und Papageienzucht und jetzt kommt der Tourismus hinzu. Wir dürfen auf dem Bakkie zu einem Farmdrive mitfahren. Wir bekommen eine Menge gezeigt und erklärt. Ich wusste noch nie, dass Strauße ja richtig gefährliche Tiere sind. Wir können die Strauße bei ihrem Imponiergehabe beobachten. Wenn die Eier eine gewisse Zeit angebrütet worden sind ,werden sie dann unter Beobachtung künstlich weiter ausgebrütet. Später attackiert uns doch tatsächlich ein Straußenhahn. Zum Glück befinden wir uns auf der Ladepritsche. Das Geschäft florierte zu Clintons Zeiten mal dermaßen, dass die Amerikaner für Straußeneier 400 US $ bezahlten.

 

 

Da leistete er sich sogar den Luxus und ging auf Staußeneiersuche mit dem Ultraleichtflieger. Die fetten Jahre sind jetzt aber vorbei. Die Strauße werden nach ca. 14 Monaten geschlachtet. Das Leder geht nach Mallorca, das Fleisch an umliegende Restaurants. Ein Hobby von den beiden sind die Pferde. Ein Teil der Pferde stammt aus der Rasse von Wolff, der Schloss Duwisib erbaut hatte. Die Pferde sind wild und müssen gezähmt werden. Und das erfolgt hier nicht in Rodeomanier, sondern nach Pferdeflüsterart. Zum Sonnenuntergang geht’s dann noch raus zum Köcherbaumwald. Schließlich erhalten wir Springbocksteaks und Brennholz zum Braai. Ein schöner Tag geht zu Ende.

 

Donnerstag, 28. März 2002

 

Bevor wir zur Weiterfahrt aufbrechen, haben wir die Farm besichtigt. Begrüßt werden wir von 3 niedlichen Erdmännchen. Sie gehören zu den Honigdaxen und sind völlig zahm und immer auf der Lauer, ob von oben Böses droht. Nicht unweit von hier ist ein Nest eines  sogenannten Kaffernadlers. Das Wort sollte nur hier besser nicht verwandt werden, ist doch ein Kaffer ein böses Schimpfwort für einen schwarzen Afrikaner. Auf der Farm steht so allerlei altes Gerät herum. Eine Schmiede so ganz im Freien unterm Cameldornbaum. Die Strauße sind je nach Alter in verschiedenen Gattern untergebracht. Man kann die Strauße bis zu einem Jahr nur schwer nach Geschlecht unterscheiden. Eigentlich sehen alle aus wie junge Weibchen. Und neugierig sind sie auch, schnappt doch einer glatt nach meinem Objektiv. Nur schade, dass in diesem Nahbereich keine Scharfeinstellung mehr möglich ist.

 

 

Wir verlassen die Farm auf dem gleichen Wege wie wir gestern kamen, um dann auf der D0707 nach links in Richtung Süd abzubiegen. Im Westen die Ausläufer der roten Sanddünen der Namib. Nur das Licht ist heute nicht so gut. Woran es gelegen hat, dass es gestern so gut war, ich weiß es nicht. Auf der Teerstraße die Lüderitz mit Keetmanshop verbindet geht es bis nach Seeheim, um dort bei einer Lodge zu einem Kaffee halt zu machen. Sie liegt schön versteckt im Canyon. Der Fishriver und ein Zufluss aus dem Nautedamm führen beide noch Wasser. Daraus lässt sich schließen, dass die Dämme bis zum bersten gefüllt sind. Auf einer Riggebene nahe dem Fishrivercanyon übernachten wir.

 

Freitag, 29. März 2002

 

Die Nacht war recht kalt, so um die 10 ° Celsius. Sehr angenehm bei der Fishriverbesichtigung. Er gilt als der zweittiefste Canyon und es ist immer wieder eindrucksvoll. Ich hatte ihn ja schon auf der Hochfahrt besichtigt. Treffe am Viewpoint eine Züricherin. Sie war 98 / 99 mit einem VW – Bus über Marokko, Mauretanien, Senegal, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Ghana, Togo, Niger, Nigeria, Kamerun, Zentralafrika, Kongo, Angola, Namibia nach Südafrika gereist. Wir jedenfalls haben uns dann alle ein Bad in Ai Ais gegönnt, um uns den Staub von der Pad vom Leib zu waschen. Kommt man dann aus dem angenehm temperierten Wasser, glaubt man doch glatt, draußen ist es zu kalt bei um die 34° Celsius Lufttemperatur. Schließlich fahren wir den 4x4 Track in Richtung Orange um auf dem Weg dort hin ein letztes mal in der Wüste Halt zu machen. Meine Eltern werden morgen die Rückreise nach Windhoeck antreten und ich werde zurück nach Kapstadt fahren. Ein letztes mal sind wir zusammen in der Wüstenei am Lagerfeuer. 3 recht angenehme Wochen, die wir mit einander verbrachten.

 

Samstag, 30. März 2002

 

Durch das Trockenflussbett des Gamkabrivers treffen wir auf den Orangeriver. Steil ragen links und rechts die Felswände auf.

 

 

Bloß nicht hier sein wenn es regnet, schießt es jedem von uns durch den Kopf. Der Orange ist der Grenzfluss zu Südafrika und führt das ganze Jahr über Wasser. An einer künstlich geschaffenen Oase, hier wird Namibianischer Wein angebaut, führt die Pad vorbei bis nach Nordoewer. Ein Nest, gelegen am Grenzübergang zu Südafrika mitten in der Wüste. Genau hier von Violsdrift aus, wie auch am Kunene in Sendlingsdift, setzten damals die Dorstmanntrekker, auf ihrem Weg von Transwaal nach Angola über. Noch einmal voll tanken, dann trennen sich unsere Wege. Meine Eltern zurück nach Windhoek, ich weiter in den Süden nach Kapstadt.

   

So holt mich, genau dann, wenn man gar nicht mehr daran denkt, auf der Teerstraße der N7 dann doch noch ein Plattfuß in Höhe des Clanwilliamdamms inmitten des fruchtbaren Citrusdals ein. Schließlich erblicke ich schon aus 100 km Luftlinie den Tafelberg von Kapstadt. Er ist umhüllt von dem bei Südostwind typischen Tafeltuch. Je näher ich komme, desto unwirklicher erscheint alles. Jetzt zum Sonnenuntergang türmt sich der Tafelberg mit samt seiner Wolke zu einem Riesen auf. Überall viele Menschen, viel Verkehr und viel Wind. Es erscheint einem wie eine Weltuntergangsstimmung.

 

 

 

Kapstadt -> Grenze Namibia Namibia Grenze Namibia -> Kapstadt

 


 

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