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Kapstadt -> Grenze Botswana Botswana bis Grenze Simbabwe Simbabwe bis Grenze Südafrika Südafrika bis Kapstadt Diashow

 

Botswana – Simbabwe- Südafrika

 12.11.2007 – 11.12.2007

Umgestürzter Baobab

 

 

Unsere Tour (blaue Linie)





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Roadbook Kgalagadi NP






















 

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Informationen beziehen wir aus diversen Reiseführen, dem Internet sowie aus öffentlichen Nachrichtenquellen, Fernsehen, Radio, Zeitung

 

Rückblick:

Nachtflug nach Kapstadt. Wenn ich in die Finsternis zum Fenster hinaussehe, kann ich Afrika, den dunklen Kontinent unter mir nur erahnen. Ich hangele mich an Gedankenlianen entlang der geplanten Tour. Was haben wir vor?

 

 

Ich bin gespannt, freue mich und finde keinen tiefen Schlaf. Nicke ich ein, träume ich von riesigen Baobabs, weiten einsamen Landschaften und wilden Tieren. Erste Lichter tauchen tief unter mir auf, wir überfliegen Windhuk, die Hauptstadt Namibias. Dann wird es auch schon langsam Tag und die Sonne erhebt sich über den Horizont.

 

Wende Dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter Dich (Südafrika)

 

Unsere Tour durch Südafrika (blaue Linie)

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Montag, 12. November 2007

 

Riedvlei - Sandpipercrescent – Brandvlei

 

Das mühsame, aber auch sehr anregende Packen für die Reise bringt Erinnerungen an die großen Forscher David Livingstone und Stanley mit sich. Aber im Besonderen denke ich an die Dorslandtrekker.

Nach ihnen ist eine Ausfallstraße in Kapstadt benannt, die Vortrekkerroad. Die holländischstämmigen Buren verlassen die Kapprovinz in den Jahren ab 1835, nachdem die Engländer dort immer mehr das Sagen haben. Die  Pioniere wollen in Ruhe ihr stark religiös geprägtes Leben führen und lenken in großen Trecks, die voll beladenen Ochsenwagengespanne nach Osten und in das Landesinnere.

Oranje Freestate und Transvaal erfahren so die Gründung. Die Gebiete sind ausgelaugt, in Folge der Völkerwanderungen welche im Zusammenhang mit der Difaqane, dem „Zeitalter des Zermalmens“ stehen. Als in den neu besiedelten Gebieten das erste Gold gefunden wird ziehen die Engländer nach. Viele Buren verlassen daraufhin 1874 die Republiken. Ein Treck reist weiter in das heutige Botswana, damals Betschuanaland. Der Name  "Dorslandtrekker" erklärt sich aus der Weiterführung des Trecks. Die Buren durchqueren die trockene Kalahari, eben das Durstland, daher der Name, der aus dem Afrikaans stammt, Dorslandtrekker. 1880 gelangen sie über den Kunene nach Angola, ab 1885 kommen die ersten Familien schon wieder nach Namibia zurück.

Das Vortrekker Monument in Pretoria spiegelt ihre Geschichte wieder. Auf dem Rückweg werden wir dort vorbeischauen.

 

Endlich ist alles eingeräumt. Ich bemühe mich erfolglos morgens um 9 Uhr Botswana Pula auf der Bank zu bekommen. Die Pula können wir mit etwas Glück auch in Ghanzi am Automaten ziehen. Botswana ist zwar ein Nachbarland von Südafrika, aber die Währung muss geordert werden und ist erst am folgenden Tag abzuholen. Die neue Startbatterie für den Landrover ist im Handumdrehen eingebaut, somit sind wir fast startklar. Für die Buschküche fehlen noch Obst und frisches Gemüse. Mit jeder Tomate und Ananas die in das Auto wandert, sinkt es weiter in die Knie. Voll bepackt verlassen wir Kapstadt nach Norden in Richtung Malmesburry. Einige Äcker sind schon abgeerntet, zwischen den Stoppelfeldern, vermehren sich die grünen Flächen, der Wein erobert unaufhaltsam diese Region.

Hinter Malmesburry bleibt die Umgebung immer noch erstaunlich grün, auch hier hat der Anbau von Wein große Fortschritte gemacht. Auf der rechten Seite liegen die Swartruggens, dieser Gebirgszug erstreckt sich über viele Kilometer. Die höchste Erhebung der Swartruggens reicht bis auf 1660 Meter.

Die Getreideernte ist hier in vollem Gange, eine Armada von fünf Mähdreschern säbelt das gelbe Korn nieder. Auf den abgeernteten Äckern weiden Schafe. Die Tiere sind schon auf den kommenden Sommer eingestellt und haben einen scharfen Scherenschnitt hinter sich. Jede Rippe zeichnet sich an den schlanken Körpern der Schafe ab.

Auf der linken Seite befindet sich eines der großen Zementwerke von PBC. Der Zement reicht nicht aus um die Bedürfnisse der kommenden Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika zufrieden zustellen. Die Baumassnahmen für die Stadien laufen auf Hochtouren und Zement wird derzeit in großen Mengen importiert.

Dem hügeligen Swartland schließt sich der Pikenierskloofpass mit 519 Meter Höhe an. Dann geht es wieder bergab, wir rollen hinunter in das Tal. Vor einer Kehre regelt ein Polizist den Verkehr. Ein LKW hatte ein Bremsenproblem und der Fahrer musste seinen Lastzug nach links in die Felsen setzten. Die Laster für den Fernverkehr in Südafrika sind mit einer Länge von 25 m etwas länger als in Deutschland.

Rechts der Straße fließt der Olifantsfluss, er ist hier für die Bewässerung zuständig. Dieses lebenswichtige Nass entspringt in der Nähe von Ceres, versorgt über viele Kilometer ein ganzes Tal mit Wasser und macht es fruchtbar. Was dem Westerncape der Wein, ist dem Citrustal das Obst.

   
Getreideernte Clanwilliamdamm
   

Der Clanwilliam Staudamm ist randvoll, das Wasser läuft über die Staumauer. Hinter Clanwilliam zweigt die Straße ab nach Calvina. Schnell finden wir uns auf einer staubigen und rotsandigen Schotterpiste wieder, sie führt auf den Pakhiuspass. Bevor der Staub in alle Ecken kriecht, müssen die Fotokameras staubdicht verpackt werden.

Der Weg führt in die Cedarberge, deren höchste Erhebung misst 2027 m, der Name rührt aus der Zeit, als es noch zahlreiche Zedern gab. Ein ideales Wandergebiet. Mehr unter "Wandern in den Cedarbergen 2001“.

Die Landschaft ist einzigartig, wie von spielenden Riesen gestapelt, balancieren die schweren Steine mit Leichtigkeit aufeinander. Die überhängenden Brocken ringen augenscheinlich mit der Erdanziehung und können jeden Moment durch einen Windhauch zu Fall gebracht werden. Die Schwerkraft würde damit siegen, es ist aber nicht so, schon lange liegen sie unverrückt an derselben Stelle. Mächtige Kräfte haben große Felsen in der Mitte gespalten, fabelhafte Wesen und unheimliche Fratzen lachen uns aus den Gesteinbrocken entgegen.

Uwe wird auf der Passhöhe von der Müdigkeit übermannt und überlässt mir das Steuer vom Landy. Die schmale Piste führt in weichen Serpentinen in das Tal hinunter. In der Ferne tauchen Tafelberge auf, in deren Schluchten sich die Strasse verliert. Die Berge wachsen rechts und links nach oben, der Weg führt immer tiefer in das Tal hinein. Die grüne Oase Dorringboos liegt inmitten der Tafelberge. Die Piste führt über den Botterklofpass und durch hügeliges Terrain bis zur Verbindungstrasse Nieuwoudville - Calvina. Die einsame Region vor Brandvlei ist erstaunlich grün, die Strasse führt kilometerlang immer gerade aus.

An einem schönen Platz, den wir von früher kennen, parken wir hinter einem der Hügel. Die Erhebungen schimmern tiefrot im Abendlicht, sie bestehen aus rotschwarzen kugelförmigen Steinen. Diese Form der Verwitterung nennt man Wollsackerosion, mehr zur Geologie in unserer Reise „Namibia geologisch 2004“.

Die Wolken formieren sich zu einer wundervollen Stimmung, als die Sonne hinter dem Horizont verschwindet.

Der Abend ist perfekt, ein lauwarmes Lüftchen bläst und das Duschwasser ist tagsüber auf dem Dach angenehm warm geworden. Der Mond verabschiedet sich als schmale jungfräuliche Sichel im Westen, und schnell erstrahlen die Sterne des afrikanischen Nachthimmels in ihrer fantastischen Pracht. Der Wind streicht um das Auto, es ist ganz ruhig und Uwe schläft schon. Heute sind wir 600 Kilometer gefahren und ich ziehe mich nun auch in das Tausendsternehotel zurück.

 

Halte deine Freunde mit beiden Händen (Tschad)

 

Dienstag, 13. November 2007

 

Brandvlei – Upington – Kgalagadi Gemsbockpark - Nossob

 

Die Vögel fangen pünktlich zur Dämmerung mit ihrem Gezwitscher an. Es ist sehr kalt draußen und noch finster, ich decke mich schnell wieder zu und lausche hinaus in den anbrechenden Morgen. 6 Uhr 30, die Sonne erklimmt den Himmel. Schon auf der Leiter pfeift ein kalter Wind um meine Ohren und die Bettwärme wird mir mit einem Ruck vom Leib gerissen. Uwe sucht seinen Wollpullover, er droht zu erfrieren. Ich mache mich lustig und schimpfe ihn eine Memme, friere aber genauso, aber heute friere ich sehr tapfer. Eine Stunde später, wir sind gerade reisefertig, nähert sich ein Auto, dass kann nur der Farmer sein. Mit meinem liebenswürdigsten Lächeln gehe ich auf ihn zu und entschuldige mich sofort, weil wir hier anwesend sind. Die Farmer sehen es nicht gerne, wenn wild auf ihren Grundstücken gecampt wird. Sehr viel lieber haben sie es, wenn man auf die Anwesen fährt und sich mit einem Braai (grillen auf südafrikanische Art) verwöhnen lässt, von Deutschland und dem Leben das man dort führt erzählt. Der Chef ist mit seinem erwachsenen Sohn und zwei Arbeitern unterwegs. Das Gesicht des alten Herrn ist wettergegerbt, das Haar gebleicht, schlohweiß, der schlaksige Körper hager, ausgedörrt und sonnenverbrannt wie das Land um diese Jahreszeit. Der Sohn steht in der frischesten Blüte seiner Jahre. Er trägt das schwarze lockige Haar sehr kurz, der sanfte Blick aus den dunklen Augen kommt mir vertraut vor. Sein Körper ist durch die schwere Arbeit muskulös, wie eine griechische Götterstatue. Wir tauschen uns aus und die Stimmung ist sehr angenehm, andermal werden wir die Familie besuchen.

   
Brücke über den Orange bei Keimoes Alle Tanks werden gefüllt
   

In Keimoes tanken wir alle Kanister voll. Kurze Zeit später erreichen wir Upington. Der Ort wurde benannt nach Thomas Upington, er war Premierminister der Kapkolonie von 1884-86. Die erste Missionsstation entstand hier 1871, die Missionare schufen ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem am Orangefluss. Die Orange River Wine Cellars sind derzeit die größte Winzergenossenschaft in Südafrika und die zweit größte weltweit. Als zweit größte Fruchtdörre der Welt glänzt die South African Dreid Fruit Cooperative. Upington ist Mittelpunkt des Geschehens in dieser Region. Hier gibt es noch mal alles zu kaufen. Wir sind Oberoptimisten, diesmal wollen wir uns auf der Reise viel Zeit lassen und nach dem die Yogamatten erstmal daheim geblieben sind, kaufen wir hier zwei Neue.

   
Orangeriver Letzter großer Einkauf in Upington
   

Die Landschaft in Richtung Norden, zum Kgalagadi Transfrontier Park wird nur träge interessant. Als die ersten roten Dünenzüge der Kalahari einen attraktiven Kontrast zu den Salzpfannen liefern wird es schöner. Die rötliche Färbung des Sandes beruht auf einem hohen Eisenoxydgehalt. Charakteristisch für die Gegend sind die Windräder auf den weitläufigen Farmgeländen und die Siedelwebervögelnester an den Telefonmasten. Bis zu 300 Tiere leben in einem Nest, da ist immer Stimmung geboten.

Der Kgalagadi Transfrontier Park gehört zur Kalahari. Diese gilt geologisch gesehen mit 2,5 Mio km² als die größte zusammenhängende Sandfläche weltweit, sie dehnt sich über neun afrikanische Länder aus. Die Entstehungsgeschichte führt 135 Millionen Jahre zurück an das Ende des Mesozoikums.

Am Anfang steht ein Ende oder das Ende ist ein Anfang, wie oft in der geologischen Geschichte. Der Urkontinent Gondwana zerfällt langsam aber sicher, und die einzelnen Kontinente, auch Afrika werden geboren. Gewaltige Landmassen heben und senken sich, neben dem Tschad und dem Kongobecken entsteht auch das Kalaharibecken. Eine kilometerdicke Schicht aus Lava bedeckt zu dieser Zeit die Gegenden des südlichen Afrikas und es dauert lange bis Wind, Wasser, Hitze und Kälte die mächtigen Landmassen wieder einebnen. Das Kalaharibecken wird mit dem anfallenden Erosionsmaterial gefüllt, die Kalahari entsteht. Der Afrikanische Kontinent driftet während dieser Millionenjahre beständig weiter in den warmen Süden. Ein weiteres geologisches Großereignis ereignet sich vor 30 Millionen Jahren. Durch erneute tektonische Verschiebungen entsteht der Ostafrikanische Grabenbruch, das Rift Valley. Der Grabenbruch zieht sich vom roten Meer bis in das Südliche Afrika. Neben der Danakielebene und den Seen in Äthiopien entstehen damit einige der bekanntesten Seen in Afrika, der Turkanasee, der Viktoriasee, der Tanganikasee und der Malawisee. Natürlich passiert in dieser Zeit noch viel mehr spannendes auf der Erde. Doch dazu später mehr.

unsere Tour durch Botswana

 












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Wir sind gleich da, die Teerstrasse zum Eingangstor befindet sich nach wie vor im Bau und es staubt heftig. In Twee Riveren reisen wir aus Südafrika aus und in Two Rivers reisen wir nach Botswana ein. Das geht normalerweise zügig, aber der südafrikanische Beamte will heute alles ganz genau wissen und kontrolliert das Auto gründlich. Es dauert lange, so das wir erst um 16 Uhr 30 aufbrechen nach Nossob. Für die Strecke brauchen wir locker drei Stunden und das Tor dort schließt um 19 Uhr 30.

Eines von vielen verendeten Tieren (Elanantilope) Springböcke duellieren sich
   

Es sind nur wenige Tiere zu sehen. Erstaunt sind wir über die vielen Tierkadaver an der Piste. Es muss eine schwere Zeit für die Geschöpfe im Park gewesen sein und der Regen lässt immer noch auf sich warten. Die Sonne versinkt blutrot am Horizont, noch 50 Kilometer liegen vor uns, das ist nicht mehr pünktlich zu schaffen. Ehe wir einen Unfall bauen oder gar ein Tier überrollen, fahren wir langsam. Schnell wird es stockdunkel, kurz vor dem Tor kommt uns ein Auto entgegen. Es ist der Ranger von Nossobcamp und er war schon in ernster Sorge um uns und hat sich auf die Suche gemacht. Müde schlagen wir unser Lager auf.

 

Man wandert besser allein als in schlechter Gesellschaft (Senegal)

 

Mittwoch, 14. November 2007

 

Nossob – Kaa Gate Botswana

 

Es tropft wieder einmal Diesel aus dem Zusatztank unten links. Eine Schweißnaht ist nicht mehr dicht, hoffentlich hält sich das Tropfen in Grenzen, sonst bekommen wir mit unseren Plänen für Simbabwe, die vom Treibstoff abhängig sind, Probleme. Diesel ist in Simbabwe schwierig und nur sehr teuer auf dem Schwarzmarkt zu bekommen.

Nach ausgiebigem plantschen im Pool, starten wir in Nossob um 10 Uhr 30. Die Tiere im Park beschränken sich auf Springböcke und Oryxantilopen. Letztere sind wahre Temperaturkünstler. Sie vermögen es durch das Anheben der Körpertemperatur auf 44 Grad die Hitze des Tages besser zu ertragen. Sie können, wie auch die Steinantilopen, über Wochen ohne Frischwasser auskommen, wenn sie genügend Tsamamelonen und wasserhaltige Knollen finden.

   
Geier Sekretär
   

Das Nossobtal ist trocken, die Wasserstellen sind leer, kein dürrer Grashalm steht den Tieren noch zur Verfügung. Wir nehmen den Abzweig zum Kaa Gate, durchfahren das Flusstal und schon sind wir in Botswana. Bis zum Kaa Gate liegen 80 Kilometer Dünenschaukeln vor uns. Die Fahrspur ist weichsandig, nur kleine Richtungsweisungen sind notwendig um das Auto mühelos in der Bahn zu halten. Wie von Zauberhand gesteuert fährt der Landy durch den Sand. Uwe ist müde und nimmt den Beifahrersitz ein. Nun darf ich das weiche Fahrgefühl, wie durch Schnee zu gleiten, voll auskosten.

   
Unterm Kameldornbaum mit Siedelwebernest Grün auf rot, schöner Kontrast
   

Einige Antilopen preschen in den Busch davon. Um 17 Uhr erreichen wir das Kaa Gate und beziehen das Einzelcamp über der eingewachsenen Salzpfanne. Der Wildhüter Frederik erzählt, es wäre gut möglich, dass in der Nacht die Löwen kommen. Diese Versprechungen habe ich schon so oft gehört, dass ich sie gar nicht ernst nehme. Um 20 Uhr ist es dunkel, in der Ferne klagt eine Hyäne.

   
Durst löschen Richtung Kaagate Treffen an einem wirklich abgelegenen Platz
   

Dann nähert sich ein Auto, wer kommt da noch? Die Stimmen in der Dunkelheit kommen mir vertraut vor. Eine große Überraschung, es sind Alexandra und Willi aus Hinterstein, wo ich arbeite. Wir tauschen unsere Erlebnisse aus und verbringen einen gemütlichen Abend und um 22 Uhr 30 gehen wir schlafen.

Plötzlich dröhnt ein Mark und Bein durchdringendes Gebrüll aus dem Busch. Frederik hat also doch recht gehabt. Mein Herz klopft schneller, als ein anderer Löwe zurückbrüllt. Die rasselnden bronchialen Atemgeräusche des Löwen sind nahe am Ohr, Gänsehaut kriecht über meinen Rücken. Tief holt das Tier abermals Luft und schmettert seinen alleinigen Herrschaftsanspruch in die dunkle Afrikanische Nacht hinaus. Für diesen Moment verstummen die ewig zirpenden Zikaden und auch die nachtaktiven Vögel halten inne, um dem Nachhall des Löwengebrülls zu lauschen. Bis zum Sonnenaufgang wiederholt sich das Machtspiel der beiden Tiere, dann wird es ihnen wohl zu warm und Ruhe kehrt ein. Da zumindest ein Löwe in unmittelbarer Nähe ist, gerät das Frühstück etwas kurz. Später verabschieden wir uns von den beiden Hintersteinern, da wir in genau gegenläufigen Fahrtrichtungen unterwegs sind.

 

In der Einsamkeit hörst du die Stimmen der Selbsterkenntnis und der Sehnsucht. (Tibet)

 

Donnerstag, 15. November 2007

 

Botswana

Dumela heißt Guten Tag

Kaa Gate – Zutshwa – Hukuntsi - Buschcamp vor Kang

 

Wie ein Lidschlag scheint die Zeit im Anblick der Weltgeschichte. Viele Schlachten toben ab 1820 für 20 Jahre im südlichen Afrika. Da versinken aufstrebende Völker samt ihrer Kultur. Ganze Völkerwanderungen finden zur Zeit Shaka Zulus statt, große Königreiche zerfallen und neue Volksgruppen festigen ihre Positionen. Buren und Europäische Siedler dringen nach Norden vor und vertreiben die hier ansässigen Menschen in unterschiedliche Richtungen. Alle sind auf der Suche nach Neubeginn und Frieden.

1885 werden Teile Botswanas unter dem Namen Betschuanaland britisches Protektorat. Die Einheimischen Tswana suchen Schutz vor Cecil Rhodes und stellen sich unter die englische Krone. 1966 wird Botswana unabhängig, das Land ist etwa so groß wie Frankreich. Wir freuen uns sehr, wieder einmal nicht nur auf der Durchreise zu sein.

Der drahtige, flinke Motswana, Frederik ist hier der Stationsbetreuer. Er kümmert sich fürsorglich und versorgt uns noch mit bestem Trinkwasser. Seine Familie sieht er nur alle 4 - 6 Monate, denn sein Zuhause liegt auf der anderen Seite des Landes und der Weg dahin ist für ihn weit.

Die Temperatur klettert schon am Morgen nach oben. Leider funktioniert das neue Thermometer nicht und somit beschränken sich die Temperaturangaben weiterhin auf kalt, warm, heiß und sehr heiß.

Um 9 Uhr 30 reisen wir weiter nach Zutshwa. Waypoints finden sich im Roadbook.

   
Am Kaagate Wie im Märchenwald
   

Die einsame Landschaft ist mit tiefroten Sanddünen durchzogen. Weite ebene Flächen mit ansehnlichen Akazienbäumen lassen die Gegend wie einen gepflegten Park erscheinen. Wir fühlen uns an den Märchenwald erinnert. Als Uwe kurz hinter den Busch geht, stürzt sich ein großer Raubvogel vom Himmel. Die Luft zischt laut durch das Gefieder des Greifs, als das mächtige Tier im Sturzflug in Richtung Boden saust. Aber nicht auf Uwe, sondern auf ein junges Erdhörnchen. Das Tierchen schafft es gerade noch in seine rettende Erdbehausung. Uwe macht heute die Hitze zu schaffen, ich übernehme das Steuer. Es bereitet viel Freude mit dem Auto durch den Sand zu gleiten, es fährt sich wie im Tiefschnee. Uwe schläft, ich kann meine Gedanken schweifen lassen.

   
Wild- West- Romatik unter den Batswana (hier Sanpeople)
   

Die Hälfte aller Batswana (Motswana Einzahl) sind Anhänger des Christentums und der unterschiedlichsten Abspaltungen welche es mit sich gebracht hat. Die andere Hälfte verteilt sich auf die Naturreligion, diese Thematik ist sehr umfangreich und die mystische Weltanschauung einer Tswanagemeinschaft ist mehr als nur Ahnenkult. Später darüber mehr. Die mäßige Piste ab Tshane erfordert wieder die volle Aufmerksamkeit, die Landschaft wird immer weniger abwechslungsreich. Plötzlich wedelt etwas auf dem Autodach, die Haube vom Zelt löst sich und nur weil sie gesichert ist geht sie nicht verloren. Nächste Camping Alternative wäre die Tankstelle in Kang. Da wir wissen, dass der Platz nicht sehr attraktiv am Transkalaharihighway gelegen ist, schlagen wir 10 Kilometer vor Kang mitten im Busch unter einem großen Baum unser Lager auf. Die Zikaden gewöhnen sich rasch an unsere Anwesenheit und zirpen nach einer kurzen Pause weiter unermüdlich vor sich hin. Übrigens nur die Männer dieser Tiergattung veranstalten diesen Tinitus fördernden Gesang. Der Tag war sehr heiß.

 

Ein Kamel macht sich nicht über den Buckel eines anderen lustig. (Guinea)

 

Freitag, 16. November 2007

 

Kang – Ghanzi – Buschcamping 30 Km vor Xade

 

Mit dem Sonnenaufgang werde ich munter und eine Stunde später rollen wir auf dem Transkalahari Highway in Richtung Ghanzi. Auf dem Highway wurden früher die Rinder zum Schlachten nach Lobatse getrieben. Bester Zeitpunkt war dafür das Ende der Regenzeit. Damit war sichergestellt, dass die Tiere auf den fünf wochenlangen Trecks genug zu fressen fanden und nicht klapperdürr beim Schlachter ankamen. Für die Viehtreiber war es eine schwere Aufgabe die wertvollen Rinder in den Nächten vor Löwen und Hyänen zu schützen.

Das letzte Teilstück des Highways wurde 1998 eingeweiht und die Zeit der großen Rindertrecks ist vorbei. Von der Wildwestromantik scheinen aber die Cowboyhüte übrig geblieben zu sein, die nicht nur die Rinderbarone tragen. Heute stellt das Highway Teerband eine Ost - West Verbindung von Walfischbay in Namibia bis nach Maputo in Mosambik her. Wir rollen 270 endlose Kilometer auf dem Highway durch die Kalahari in Richtung Ghanzi.

 

Der Geldwechsel in der Bank nimmt 3 Stunden in Anspruch, alle stehen geduldig in der Schlange und kennen es gar nicht anders, Uwe geduldig mitten drin. Derweil warte ich im Auto und betrachte mit den herbeigeeilten Kindern die Fotos im Reiseführer.

Anschließend im Tourismusbüro werden wir auf später vertröstet, der zuständige Beamte macht Mittag. Um 15 Uhr haben wir unsere Buchung für den Zentral Kalahari Park immer noch nicht, da der Beamte keine Verbindung nach Gaborone bekommt. Das gesamte Buchungssystem für die Parks läuft über das Hauptbüro in Gaborone. Der „Doktor“ wie der sich nennt wird uns aber morgen am Gate erwarten und dann soll alles klar sein. Da wir ja schon einige Afrikanische Erfahrungen auf dem Buckel haben, kann ich ihm das jetzt fast nicht glauben. „Doktor“ schenkt uns zwar ein strahlendes zuversichtliches Lächeln, aber er zerstreut mit dem üblichen „no problem“ meine Skepsis nicht wirklich.

Modimo, der Gott aus dem traditionellen Glauben der Batswana wird es schon richten. Er, die allergrößte Kraft, niemals bildlich dargestellt, geheimnisvoll und als Schöpfer der Welt allgegenwärtig. Die Badimo, die leicht aufbrausenden Geister der Ahnen stehen vermittelnd zwischen den Menschen und Modimo. Persönliche Schicksale werden meist den Badimo zugeschrieben. Gesellschaftliche Katastrophen wie Hungersnöte oder Kriege gehen auf Modimos Konto. Religiöser Mittelpunkt und Verbindungsglied zwischen den Badimo und den Menschen ist der Kgosi. Nur er besitzt die spirituelle Kraft, Verbindung mit den Ahnen aufzunehmen. Später mehr zum Thema.  

Beim Kalahari Armshotel gibt es zwar eine kleine Campsite mit Pool, aber es geht doch nichts über eine Nacht im Busch, also betanken wir das Auto und fahren in Richtung Central Kalahari Park. Der Weg ist frisch gegrädert und flott geht es voran. Erst ab der Gabelung nach New Xade, führt die Piste die letzten 70 Kilometer durch tiefen weichen Sand, das kostet Zeit und Sprit. 30 Kilometer vor dem Parkeingang fahren wir rechts ab und stellen uns für die Nacht unter eine große Akazie.

   
Lecker sagen die Südafrikaner Weinprobe im Busch
   

Vor uns waren schon Kühe da, und wir müssen erst ausmisten. Die trockenen Fladen würden ein schönes Feuer abgeben. Feuer verjagt aber die wilden Tiere. Da wir es ganz gerne haben, wenn wir die Einsamkeit mit Tieren teilen können, bleibt das Feuer aus.

 

Eine gewaltige Wolkenkulisse baut sich auf und Blitze zucken in alle Richtungen über den Himmel. Das jährliche Regenmachen – gofethla pula – war/ist in einem trockenen Land stets eine bedeutende Zeremonie. Der Kgosi (Stammesoberhaupt) und ein traditioneller Heiler, bringen den Badimo (Geister der Ahnen) ein Opfer dar. Das Blut einer geschlachteten schwarzen Kuh wird mit Kräutern vermischt und auf den Boden gespritzt, bleibt der Regen aus, sind die Badimo nicht zufrieden und verlangen nach Besänftigung.

   
Blitze und im Hintergrund Ein Buschfeuer
Regen und Sturm blieben auch nicht aus!
   

Heute bleibt der Regen nicht aus. In der Ferne hat sich durch einen Blitz ein Buschfeuer entzündet, der Horizont färbt sich rot. Ringsherum braut sich ein wahrer Hexenkessel zusammen, aus allen Richtungen grollt der Donner und die Kalahari ist durch das Leuchten der Blitze wie von einem Scheinwerfer bestrahlt. Wir ziehen uns in das Dachzelt zurück und betrachten das Schauspiel von oben. Der Wind bläst heiß und erste Tropfen fallen. Das ausgedörrte Land lechzt nach Regen. Soweit das Auge reicht ist die Gegend flach wie ein gehobeltes Brett, wir stehen unter einer hohen, einsamen Akazie. Es interessiert mich gerade jetzt wieder besonders, ob ein Dachzelt ein faradayscher Käfig ist oder nicht. In diesen Gedanken versunken schlafe ich ein.

 

Heute liegt in aller Ewigkeit vor Morgen (Botswana)

 

Samstag, 17. November 2007

 

Xade – Xaka

 

Die Vögel veranstalten seit einer Stunde ein kostenloses Konzert, um 6 Uhr ist Sonnenaufgang. Das lange wogende Gras der Kalahari wird in ein schillerndes Licht getaucht. Noch 30 km bis nach Xade. Zweispurig führt die Piste durch schweren tiefen Sand, zwischendurch hilft nur die kleine Übersetzung weiter.

Die Landschaft hinter dem Eingang zum Park unterscheidet sich in nichts von der Landschaft zuvor. Nur der Weg ist ab hier einspurig. Die Kalahari ist eine Trockensavanne bewachsen mit Büschen, Akazienbäumen und weiten Grasebenen. Der 52 800 km² Central Kalahari Park (groß wie Dänemark) ist der größte
Park in Afrika und der zweit Größte der Welt. Erst 1990 wurde der einsame, ausgedehnte und isolierte Park für Touristen zugänglich. Seit 25 000 Jahren besiedelten nomadische Buschleuten die Gegend, 1961 wurde der Park gegründet um diese traditionelle Lebensweise zu erhalten. 1980 dachte die Regierung um, und die Buschleute sollten in die Gemeinschaft integriert werden. Die Situation endete im Jahr 2002, nach viel hin und her, für 700 Buschleute mit einer Zwangsumsiedelung nach New Xade. Ein aus dem Boden gestampfter Ort, außerhalb des Parks, über 70 Kilometer von Ghanzi entfernt. Dem friedlichen nomadischen Volk, das bisher vom Jagen und Sammeln lebte ist in New Xade dieser Lebensunterhalt untersagt. Der Weg zurück in den Busch scheint vorerst verschlossen, wenn auch 200 San in den Park zurückgekehrt sind. Sie leben in der Gegend um Molapo. Seit 2004 finden, zur Lösung der Situation, richterliche Anhörungen statt. Ein unbestreitbarer Vorteil ist, dass die Kinder durch die Möglichkeit des Schulbesuchs eine gewisse Chancengleichheit bekommen. Rechnen, Lesen und Schreiben sind Grundsätzlichkeiten, die zu lernen, keinem Menschen vorenthalten werden sollten.

   
Xadegate Schreiseeadler
   

Am Xade Gate werden wir tatsächlich schon vom „Doktor“ erwartet und bekommen einen heißen Tipp in Sachen Löwen. Das bedeutet aber eine einfache Stichfahrt von 70 km nach Xaka und diesen Weg morgen wieder zurück. Da es der einzige Platz ist, an dem sich derzeit Wasser findet, greifen wir diesen Abstecher auf. Die Fahrt, siehe dazu unser Roadbook, durch den tiefen Sand ist mühsam, die Piste führt durch halbhohen Savannenbusch. Dann und wann springen Buschböcke aus der Deckung und Erdhörnchen überqueren im letzten Moment den Weg. Die Tsamamelonen, welche vielen Tieren Feuchtigkeit spenden, sind alle schon gefressen. Das Land ist knochentrocken. Nur Wasserkünstler werden die Zeit überleben, wenn es nicht bald ausgiebig regnet.

Xaka, ist eine unauffällige, bewachsene Pan wie viele andere, nur hat sie ein randvolles Wasserloch und das bedeutet auch Tiere.

   
Erschwertes Wassersaufen Unser Platz in Xaka
   

Seit 10 Millionen Jahren leben Giraffen nur in Afrika. Eine Herde bestehend aus acht Tieren kommt neugierig näher. Während ich noch mit dem Geschirr klappere, stillen die langbeinigen eleganten Tiere ausgiebig ihren Durst. Zum Trinken müssen sie die Beine grätschen oder in die Knie gehen, der Hals ist zwar lang, aber nicht sehr biegsam, da er nur über 7 verlängerte Wirbelkörper beweglich ist. Der Moment der Wasseraufnahme birgt für sie Lebensgefahr, die gebleichten Knochen einer Giraffe unweit des Wasserlochs erinnern daran. Die große Gruppe wechselt sich ab mit wachsamen Schauen und Saufen. Eine Giraffe trinkt bis zu 50 Liter und kommt damit locker über die Woche. Wenn es darum geht wegzulaufen ist sie, obwohl ihre Bewegung wie Zeitlupentempo wirkt, bis zu 55 Kilometer schnell. Ein Junges ist mit dabei, 440 Tage wird es ausgetragen und es wiegt bei seiner Geburt schon 70 kg.

Geier sitzen auf den umliegenden Akazien und ein übler Geruch nach Verwesung dringt in meine Nase. Eine schwarze Hyäne und etliche Kudus kommen an die Wasserstelle, die Tiere sind sehr nervös und verschwinden bald wieder. Mit Fotokamera, Stativ und Fernglas ziehen wir uns in das Dachzelt zurück und warten auf die Löwen. Der warme Wind wird stärker und treibt eine Gewitterwalze auf uns zu. Vor sich her schiebt sie eine gigantische Wolke aus Staub und Sand. Gerade noch rechtzeitig bringen wir die Kameras in das Auto und verschließen das Zelt. Das heftige Gewitter kreist 2 Stunden über dem Tal, begleitet von sintflutartigem Regen. Irgendwann schlafe ich darüber ein. Löwengebrüll weckt mich auf, es ist stockdunkel, der Regen hat aufgehört und Sterne funkeln am Himmel. Da ich jetzt erst mal wieder wach bin, vertiefe ich mich noch mal in das traditionelle Heilwesen. Ein wichtiger Punkt waren/sind die gegensätzlichen geheimnisvollen Wesenheiten vom Baloi und vom Ngaka.

Ein Baloi lebt als unauffälliges Mitglied in der Gesellschaft. Mit seinen Zauberkräften arbeitet er im geheimen und nur negativ. Er manipuliert auf Wunsch von Jemand, die Badimo (Ahnengeister) eines anderen Menschen und dadurch kann dem Einzelnen Unglück und Krankheit widerfahren.

Sind die Badimo und damit man selbst Opfer eines Baloi geworden, tritt der traditionelle Heiler der Ngaka in Aktion. Der Ngaka tritt immer positiv auf, er ist das Gegenteil des Baloi. Die hauptsächliche Aufgabe vom Ngaka ist die Ursache der Blockade oder des Unbehagens der Badimo und damit das seines Patienten heraus zu finden.

 

Ein großer Kopf ist eine schwere Last (Nigeria)

 

Sonntag, 18. November 2007

 

Xaka Pan  –Piper Pan

 

Bei Sonnenaufgang fahren wir aus der Pfanne. Löwenspuren finden sich auf dem Weg, rechts unter einem Busch neben der Straße liegen zwei Mähnenträger. Die mächtigen Tiere stehen auf und ziehen sich etwas zurück, sie beobachten uns fortwährend.

   
   
2 Mähnenträger in Xaka beobachten uns
   

Nach vielen Fotos und einige Stunden später, fahren wir weiter nach Xade und von dort zur Piper Pan. Die Piste wird besser und führt durch niedrigen Busch. Die Kalahari ist hier gut zu überblicken und ihre gigantische Weitläufigkeit tritt hervor. Das Wasserloch an der Piper Pan ist leider trocken. Einige Springböcke, Oryxantilopen, ein Gnu, viele Vögel, ein Hase, mehr ist nicht zu sehen.

Die Vielfalt der Flora ist beeindruckend und jedes Pflänzchen scheint einen Wirkstoff in sich zu tragen. Die Ngaka ya ditshotswa, die Herbalisten können nach zweijähriger Ausbildung 450 Heilpflanzen anwenden. Unter den Heilern gibt es verschiedene Richtungen. Ein Dingaka berät in allen wichtigen Fragen des Lebens, eingeschlossen ist neben der Symptombehandlung auch die Vorbeugung von Erkrankungen. Eine weitere Variante der Heiler ist der Diviner (Ngaka ya ditaola), er wirft Knochen um die Diagnose zustellen, dazu bedarf es aber einer spirituellen Gabe. Von den Ahnen ausgesucht und mit einer umfassenden Ausbildung versehen, nimmt die Disangoma einen besonderen Platz ein. Sie versteht sich auch auf Heilungen im Trancezustand.

 

Während wir zu Abend essen wächst am Horizont ein graues mächtiges Wolkengebilde in den Himmel und wird vom Wetterleuchten erhellt. Kurze Zeit später brüllen in weiter ferne Löwen.

 

Gott schuf das Meer, wir das Schiff. Gott schuf den Wind, wir die Segel. Gott schuf die Windstille, wir die Ruder. (Senegal)

 

Montag, 19.November 2007

 

Piperpan – Kubu Island

 

Am Morgen stehen Kudus, Springböcke und ein Gnu enttäuscht vor dem trockenen Wasserloch am Rand der Piper Pan. Die Pumpe müsste nur in Betrieb genommen werden, dann hätten die Tiere ausreichend Wasser. Ich setze meinen nackten Fuß in einen Abdruck, den eine Löwenpranke hinterlassen hat, dieser Vergleich ist sehr eindrucksvoll.

   
Kuduweibchen versammeln sich Gnu
   

Im Deception Valley (Tal der Täuschungen) führt die Piste durch viele Salzpfannen. Die Landschaften in Botswana sind über viele Kilometer von einem Dickicht aus Dornbusch geprägt. Der fantastische Gegensatz dazu sind die Pans, gerade hier vermittelt die Kalahari ihren ganz besonderen Zauber.

   
Erdmännchen Oryxantilope
   

Die riesigen Flächen der Pfannen schaffen einen grandiosen Eindruck von Ausdehnung, Einsamkeit und Freiheit. Die Stille wird nur von den unermüdlichen Zikaden, einigen Vögeln und durch das Rauschen des Windes gebrochen, der über das wogende Gras streicht. Das Wegenetz im Central Kalahari Park ist weitläufig und wir haben noch niemand getroffen. Wir sind mit den wilden Tieren und dem außergewöhnlichen Sternenhimmel allein.

   
Gackeltrappe (Wir nannten ihn einfach Schreivogel) Fleckenuhubaby
   

Die letzten Kilometer zum Matswere Gate, und die nächsten 45 Kilometer bis zur Strasse bei Rakops ziehen sich mühsam durch den hohen Dornbusch. Die Ausfahrt bei Matswere ist viel weniger tiefsandig als die Einfahrt über das Xade Gate. Aber Vorsicht, bei Regen bedeutet die Zufahrt über Matswere eine schlüpfrige Angelegenheit.

 

Mit lahmen 70 Sachen rollen wir die paar Kilometer über die Teerpiste, in Richtung Kubu Island, das erspart uns die Arbeit Luft in die Reifen zu pumpen, um sie dann gleich wieder abzulassen.

Kurz nach Mopini treffen wir auf den ersten Veterinärzaun. Mit strengen Blicken kommt eine Gruppe Polizisten auf unser Auto zu. Meine wenigen einstudierten botswanaschen Sprachkenntnisse „Dumela, O tsogile jang“ (Hallo, guten Tag, wie geht es Ihnen) erheitern den einen der beiden Männer sehr. Während der sonnenbebrillte keine Miene verzieht, sondern mit Argusaugen in unser Auto späht, ob er nicht einen Kühlschrank oder einen Brocken Fleisch entdeckt. Frischfleisch, Milch und Produkte davon, dürfen als Vorsichtsmassnahme nicht von einem Naturpark in ein Tierzuchtgebiet eingeführt werden.

1896 brach hier erstmals die Maul und Klauenseuche aus. Mehr als 3000 Kilometer Veterinärzäune sind seit 1950 errichtet worden um die mögliche Übertragung der Seuche von Büffeln auf Kühe zu verhindern. Was damit die Butter, der Bergkäse und die Milch im Tetrapack zu tun haben ist uns noch nicht klar. Wir kommen unbeschadet davon und bei der zweiten Kontrolle werden wir direkt durch gewunken. Die unüberwindbaren Veterinärzäune sind quer durch den Busch gezogen. Ohne jede Rücksicht auf Wander- Migrationswege der Wildtiere in Dürrezeiten. Nur ein Beispiel dazu, eines von vielen Tragödien. 1983 sind von 250 000 Gnus nur 15 000 übrig geblieben. Die Tiere mussten an den Zäunen entlang, an den entfernten Lake Xau wandern. Nur die Kräftigsten schafften diesen weiten Weg, die große Tragik war, dass 1983 der See aber bereits ausgetrocknet war.

Der Konflikt zwischen exzessiver Viehzucht und Naturschutz und Tourismus besteht fort. Da kann einem der Appetit auf ein subventioniertes Steak aus Botswana vergehen, denn die intensive Rinderhaltung geht auf Kosten der Wildtiere, es erübrigt sich zu erwähnen, dass Botswana völlig überweidet ist. Im südlich gelegenen Lobatse befindet sich der größte Schlachthof Afrikas. 1800 Tiere können hier täglich geschlachtet werden und mit seiner modernen Ausstattung entspricht er den EU Richtlinien. Nebenbei bemerkt, Europa ist Hauptimporteur von Rindfleisch aus Botswana, 50 % der Gesamtproduktion kauft die EU.

   
Souvenir für den Kühlergrill? Fahrzeug von der Konkurrenz
   

Es gibt einen neuen Abzweig nach Kubu Island. Wir verpassen ihn, das erste Mal seit wir mit GPS arbeiten, ist es nicht auf dem Laufenden. Nach wildem Vor und Zurück, Hin und Her folgen wir der ausgewiesenen Beschilderung über Mmatshumo nach Kubu (siehe Roadbook). Die Sonne steht schon tief, ich will unbedingt zum Sonnenuntergang dort sein. Noch einmal führt die Piste kurz in den Busch, dann geht es weiter durch eine parkähnliche, attraktive Gegend mit Plätzen, die zum sofortigen Verweilen einladen.

Noch ein Veterinärzaun, dann biegen wir nach rechts ab in die Sowa Pan. Ein Traum von faszinierender Landschaft öffnet sich, erlesenes Privatkino für uns. Wogendes rauschendes Gras, so weit das Auge reicht, der Wind wiegt es in der Tonpfanne hin und her. Am Horizont liegt Kubu Island, es wirkt durch das diffuse Abendlicht und von Ferne wie ein kolossaler Dom. Ich kann es kaum erwarten endlich dort anzukommen.

Es ist unser dritter Anlauf, die letzten Jahre war die Pan immer schon unter Wasser und unverrichteter Dinge zogen wir wieder ab. Heuer wird der Traum von der Insel im trockenen Meer real. Die letzten Kilometer führen über den eingetrockneten Salzsee, die trockene Salzkruste bricht hörbar unter den Pneus. Zur Begrüßung umrunden wir das Dreigestirn der Kubu Inseln auf der Suche nach einem ungestörten Platz. Als einzige Besucher haben wir das Eiland in der Sowa Pan für uns alleine, besser kann es gar nicht sein. Es ist wunderschön, viel beeindruckender als ich es mir vorgestellt habe.

   
Bei schönstem Sonnenuntergang Richtung Kubu Island
   

Einmal im Leben auf einer einsamen Insel, und die Insel liegt im ehemaligen Makgadikgadisee. Seine Entstehungsgeschichte führt weit zurück in die Pluvialzeit (vor etwa 500 000 Jahren). Auf der Nordhalbkugel herrschen damals Eiszeiten und auf der Südhalbkugel regnet es stark. Das Kalaharibecken läuft langsam aber stetig voll, viele Flüsse speisen den Makgadikgadisee, er wächst zu den gigantischen Ausmaßen von 60 000 bis 80 000 km² an. Ebenso wie heute, ist die Erde damals immer in Bewegung und tektonische Bewegungen ändern die Wasserzuläufe. So beginnt vor 25 000 Jahren der See zu schrumpfen, die Temperaturen sinken, die Niederschläge gehen zurück und nach einer Dürrephase trocknet der See schließlich aus. Übrig geblieben sind die gigantischen Sandbecken mit den Salzpfannen an den tiefsten Stellen.

In der Regenzeit ist die Sowa Pan mit flachem Wasser überzogen, das vertrocknet aber unter Umständen so schnell, dass die Jungen der Flamingos nicht rechtzeitig flügge werden. Zwischen 10 000 und 1,5 Millionen Flamingos kommen jährlich hier her. Es ist unbekannt warum die Zahlen schwanken, woher die Tiere kommen und wohin sie gehen. Es ist schön, dass die Natur noch ein Mysterium für sich behalten kann.

 

Etwas mit eigenen Augen gesehen zu haben ist mehr wert, als mit eigenen Ohren davon gehört zu haben. (Kenia)

 

Dienstag, 20. November 2007

 

Kubu Island – Lekhubu so der richtige Name

 

Zum Sonnenaufgang wandere ich zwischen skurrilen Baobabs und alten Kastanienbäumen den kurzen Weg auf die höchsten Felsen von Lekhubu. Von Horizont zu Horizont liegt das unbewegliche Salzmeer zu meinen Füssen. Baobabs in allen Größen laden mich ein, an ihrem Stamm anzulehnen und das Schauspiel der aufgehenden großen warmen Sonne Afrikas zu betrachten.

   
Sonnenaufgang über Kubu Island Camp Nr. 1 auf der Insel
   

Nur zu gerne lasse ich mich an einem der ausladenden Baumriesen nieder und lehne mich zurück. Gerade rechtzeitig, denn in Windeseile steigt die tiefrote Sonne aus dem planen Salzsee empor, um gleich darauf in einer dunklen Wolke zu versinken. Eine Wildkatze rast durch die Büsche davon, ein magerer Hase zupft am spärlichen Gras. Bis ich wieder am Camp zurück bin, ist die Bewölkung merklich dichter geworden. Heute ist für uns Ruhetag. Es bleibt aber nicht allzu viel Zeit um zu faulenzen. Es ist vieles nach und aufzuarbeiten, der Berg aus Foto und Textmaterial muss überschaubar bleiben und viele spannende Bücher sind bisher unberührt, mitgefahren.

   
Paarungsspiele von bunten Käfern
   

Zum Sonnenuntergang gehe ich noch mal auf den Hügel. Mauerwerk befindet sich am höchsten Punkt. Diese 1,25 m hohen Steinwälle gibt es auf der ganzen Insel, sie sollen aus dem 17. oder 18. Jahrhundert stammen. Zu dieser Zeit war es für Menschen wohl noch möglich an den Pfannen zu überleben, genaues ist aber nicht bekannt. Zur besonderen Mystik vom Nationalmonument Lekhubu passt hervorragend die Vermutung, dass es sich hier um einen geheimen Platz für Zeremonien, Opferungen und Initiationsrituale handelte. Lekhubu hat etwas ganz Unbeschreibliches, Sonnenauf- und Untergänge scheinen nicht von dieser Welt. Das Abendlicht lässt die bizarre Landschaft geheimnisvoll erscheinen. Im Restlicht der Dämmerung wandere ich weit hinaus in die Salzpfanne. Das dauerhafte Gezirpe der Zikaden bleibt hinter mir auf der Insel zurück. Auf dem salzigen Boden schimmert das Mondlicht, ich laufe bis nur noch die brechende Salzkruste unter meinen Schlappen wahrzunehmen ist. Tiefe Stille umfängt mich, bloß mein erhitztes Atmen ist zu hören, ich wende mich um und komme zur Ruhe. Lekhubu liegt im Mondschein, wie in einem gleißenden Meer. Die Äste der Baobabs ragen schemenhaft, wie Finger welche nach den Sternen greifen, in den Nachthimmel. Ein kühler Windhauch streicht über die vom Erdtrabant erleuchtete Sowapan.  

Der Adler fliegt allein, der Rabe scharenweise,
Gesellschaft braucht der Tor und Einsamkeit der Weise. (Friedrich Rückert 1788-1866)

Mittwoch, 21. November 2007

Lekhubu – Nata – Buschcamp Huntersroad

 

Früh um 6  Uhr 30 sind wir soweit und verlassen den zauberhaften Ort. Die regenschweren Wolken treiben unsere Weiterfahrt voran. Der Weg durch die Makgadikgadi Pfanne nach Gweta bedeutet zwar einen Umweg von 70 km, aber das Naturschauspiel wollen wir uns nicht entgehen lassen. Wie mit dem Zirkel gezogen, grenzt der Pfannenrand das lebensunwirtliche Gebiet ab. Kein Halm, kein Strauch durchbricht über viele Kilometer die gleißende harte Salzkruste. An den zweiten Teil der Pfanne schließt sich Muddy Island an. Neben zwei frechen Honigdachsen, tummeln sich mehrere Zebra- und Springbockherden auf der großen Weidefläche.

   
Eine letzte Umrundung von Kubu Island Schlachtung einer Kuh
   

Wir treffen auf eine kleine Einfriedung und zwei Hütten, eine Kuh wurde geschlachtet. Das schwarze Fell ist bereits abgezogen und der Kopf liegt abgestützt auf einem Horn, seitlich daneben. Die Eingeweide liegen fein säuberlich sortiert beisammen und eben werden fachmännisch die Schlegel abgetrennt. Alles ist sauber und appetitlich, gar kein Problem für schwache Nerven. Wir nähern uns langsam zu Fuß, abschätzend gleiten die Blicke der Männer über uns. Der dazugehörende, große, schlanke Hund drückt sich zärtlich an meine Seite, gibt sich ganz als Beschützer und tut, wie wenn er zu mir gehören würde. Die Männer lachen, als ich sage der Hund hat mich adoptiert, das Eis ist gebrochen. Die geschlachtete Kuh ist rabenschwarz und die Gegend benötigt dringend Regen. Ich erinnere mich, wie schon erwähnt, an das Regenmachen. Eine feierliche Stimmung liegt über dem Platz. Wir dürfen fotografieren und ziehen uns dann zurück. Der Hund bleibt beim Fleisch, schlaues Tier.

   
Makgadikgadipfanne Endlos weite Salzpfanne 
   

Später halten uns zwei berittene Jugendliche mit einer kleinen Herde Rinder auf. Die sympathischen Jungs sprechen sehr gut Englisch, sie treiben die Rinder ihres Vaters zur Sammelstelle.

   
Stolze Reiter präsentieren sich
   

Unser Weg führt über ausgedehnte Weideflächen nach Gweta. Am Ortseingang befindet sich der Friedhof. Wer kann, hat ein schützendes Sonnendach aus grünem Moskitonetz über sich. Wer noch besser kann, das ist hier nur ein Grab am Ort, hat eine Marmorplatte mit einem biblischen Spruch auf sich liegen.

In Nata tanken wir, der leckende Zusatztank lässt sich bedauerlicherweise nicht mehr voll nutzen. Die Trinkwasservorräte müssen ergänzt werden, das schwache Rinnsal aus dem Hahn füllt die 20 Literkanister und die Duschsäcke nur langsam.

40 Kilometer hinter Nata führt eine Piste rechts ab in den Busch zur Huntersroad. Dieser Teil ist ein privates  Konzessionsgebiet. Ein Soldat erklärt uns, wenn wir nicht jagen, können wir durchfahren.

 

Gleich zu Beginn überquert eine Herde Kudus die Piste und Böcke flüchten in das Unterholz. Unter einem Busch liegt ein Elefant, es riecht von Ferne sonderbar, das Tier ist tot. Grausig anzusehen, der junge leblose Dickhäuter. Später treffen wir auf zwei muntere Giraffen, es scheint eine viel versprechende Route zu sein. Der Weg biegt nach Norden ab und führt nun als Cutline weiter (siehe Roadbook). Diese Brandschneise zieht sich zum Teil tiefsandig, aber stets bolzengerade durch den Busch. Ein Wasserloch folgt auf das Nächste, leider sind sie alle trocken. Den Steinantilopen scheint die Trockenheit wenig auszumachen, sie sind in großer Zahl unterwegs.

 

An einer kleinen Pfanne schlagen wir unser Lager auf, überall sind frische Elefantenspuren. Die Tiere müssen großen Durst haben, wenn sie sich zu dieser trockenen Zeit hier aufhalten.

Wir sitzen am Rand der Pan, beobachten einen dieser extravaganten afrikanischen Sonnenuntergänge, philosophieren über Afrika und das, was diese Reisen mit uns machen, das Resümee ist nicht unerheblich. Afrika mit seinen Bewohnern und Eigentümlichkeiten sagt so vieles und da die Erwartung oder Vorstellung bei jedem Menschen eine andere ist, wird auch jeder etwas anderes hören und fühlen. Je länger und öfter wir hier sind, umso besonderer wird Afrika für jeden von uns Beiden.

   
Spurenvergleich Unser Nachlager an der Huntersroad
   

Ich liege hellwach im Zelt, denke und lausche in die Nacht, das milde Mondlicht liegt über der Pfanne. Da ist was, ich höre das leise vorsichtige Aufsetzen der Sohlen, und tiefe Atemzüge. Durch das Seitenfenster sehe ich einen großen grauen Schatten. Das mächtige Tier nähert sich zielstrebig dem trockenen Wasserloch. Der Elefant hat Durst, wir haben die Wassersäcke am Auto hängen. Ist sein Durst größer als seine Angst?

Auf mein vorsichtiges Drängen geht Uwe raus und räumt die Säcke rein, das Tier bekommt einen Schreck und zieht sich in den Busch zurück. Dann erste Tropfen, Uwe muss wieder raus und die Stühle unter Dach bringen. Ein heftiger Schauer geht nieder, der Regen sammelt sich im Wasserloch, es dauert nicht lange und der Elefant kehrt zurück. Er trinkt in der Kuhle an einer großen Pfütze und duscht sich ausgiebig ab, sichtlich zufrieden marschiert er in den Busch zurück.

Im Augenblick des Zusammenkommens beginnt die Trennung. (Singhalesisches Sprichwort)

Donnerstag, 22. November 2007

 

Huntersroad – Pandamatenga – Simbabwe – Robinscamp im Hwange Park (gesprochen Wankie Park)

 

Die Blütezeit der historischen Huntersroad von Ramokgwebane über Pandamatenga nach Kazungula, liegt schon lange Zeit zurück. Der Name Huntersroad entspringt der Zeit des intensiven Elfenbeinhandels, der hier stattfand. Der nördlichste Punkt, Pandamatenga wurde von George Westbeach 1871 gegründet. Bis zu dem kleinen Ort konnten damals Ochsenwagengespanne kutschieren. Die Cutline ist die Grenze zu Simbabwe und darf offiziell befahren werden.

Der sehr kühle Morgen gleicht einem erfrischenden eiskalten Tauchbad nach der Sauna. Während wir frühstücken wollen Giraffen und Zebras an die Pan, sie sind sehr ängstlich.

   
Giraffe kreuzt den Weg Spitzenblättrige Prachtlilie 
   

Der Regen der letzten Nacht belebt die vertrockneten Elefantenhaufen noch einmal, es riecht stark nach Elefantenstall, oder steckt doch ein Dickhäuter im Busch und wir sehen ihn nur nicht. Giraffen, Zebras und Impalas stieben von der Piste, das Gebiet wird bejagt, deshalb sind die Tiere sehr scheu.

Je weiter die Route nach Norden führt, desto häufiger findet sich Wasser in den natürlichen Trinkbecken und die Tierspuren werden zahlreicher. Am Pistenrand liegt eine tote Elan. Die Elanantilope ist die größte Antilope Afrikas. Diese Tiere werden bis zu 1000 kg schwer. Wir sind verblüfft, das offensichtlich gesunde männliche Tier weist keinen Streifschuss auf, aber dafür einige tiefe frische Kratzer von Löwenpranken. Mit letzter Kraft entkam der Elanbulle wohl seinen Häschern, um dann an Erschöpfung einzugehen. Der Kadaver ist frisch, hat gesunde Zähne im Maul und noch keine Fliege hat sich an ihn herangemacht. Die Tierleiche ist auch an der Seite warm, die dem Boden zugewandt ist. Wir stehen zögernd um die Antilope herum, ich denke an die guten Steaks, aber das ist wirklich nur ein flüchtiger Gedanke.

   
Gabi denkt über das Elanantilopensteak nach Landy auf der Huntersroad
   

Die Route führt weiter über durchweichte schwarze Tonerde, sie bremst den Landy regelrecht aus. Bei starken Dauerregen ist die Strecke kein Vergnügen. Während wir sinnieren, wie wir hier unbeschadet durch die zahlreichen tiefen Schlammlöcher kommen, nähern sich Fahrzeuge.

Durch das Fernglas spähe ich Militärs aus. 15 Militär Landrover umzingeln uns friedlich. Schnell kommt ein Gespräch zustande, über woher, wohin, warum und wozu. Die 45mannstarke Truppe hat alles dabei, Zelte, Küche, Funk, auch einen eigenen Fotografen und nach kurzer Absprache fotografieren wir uns gegenseitig. 26 Tage ist der Major mit seinem Haufen schon rund um Botswana unterwegs, Namibia inbegriffen. Wir tauschen die Visitenkarten aus, anschließend zieht die Mannschaft weiter. Eigenartig, gerade haben mir noch lachende Batswanas die Hand geschüttelt und nun grüssen mich bewaffnete Militärs mit oliv grünen Tüchern vermummt, aber mit strahlenden Augen von den Landys.

   
Noch mehr Landys! Wir bestaunen deren Landys und die Army unseren
Bye bye und weiter geht’s auf gut gespurtem Gelände
   

Wenig später steuern wir in Richtung Touche of Afrika Lodge. Der Eigentümer ist nicht da, aber von Gerry, einem ehemaligen Tierparkranger aus Simbabwe, bekommen wir einige wichtige Tipps für unsere Reise nach Simbabwe.

 
 

unsere Tour durch Simbabwe

 













                                                           Roadbook Hwange-Kariba







             Roadbook Huntersroad


















 
 
Unsere Tour auf Google Earth klicke bitte hier ...
 

Der Grenzübertritt gestaltet sich erfreulich problemlos und ohne weiteres wird in Pandamatenga (bedeutet: „The tree where trade is done“) das Carnet de Passage für das Auto ausgestempelt.

In Simbabwe verläuft die Einreise ebenso gefällig. Der Landy ist betankt mit 400 Liter Diesel. Für gewöhnlich muss Treibstoff, der nach Simbabwe mitgebracht und verbraucht wird auch verzollt werden. Wir reisen ohne zusätzliche Kosten, neben Visa 30 US $, p.p und Straßengebühr 20 US $ ein.

Der Hwange Park ist mit 14 651 m² der größte Park in Simbabwe. An seiner westlichen Grenze ist er nach Botswana offen und die Tiere können sich frei bewegen.

Das Eingangstor liegt exponiert auf einem Hügel mit Fernblick. Das Robinscamp befindet sich 12 km entfernt, die Anlage ist über Jahre benutzt aber pikobello sauber und das Personal betont freundlich. Wir sind die einzigen Gäste und haben freie Auswahl auf dem Platz.

Im nördlichen Teil des Parks gibt es 480 km Wege und drei Camps, der Rest ist für Touristen nicht zugänglich. Ein kurzer Blick in die Geschichte erklärt, dass in der Zeit um 1834 Angehörige des Stammes der Nambya unter Chief Wange in der Nähe von Sinamatella siedeln. Sie werden aber bald von den Ndebele unter König Mzilikazi wieder vertrieben und die Region wird zum königlichen Jagdgebiet erhoben.

Am Ende des Matabelereiches rücken die Europäer in die Gegend vor und das trockene, wasserarme Nambyaland wird zwischen 1904 und 1910 an weiße Siedler verteilt. Bereits 1928 wird mit der Gründung des Wankie Game Reserve der erste energische Schritt in Richtung Tierschutz unternommen. 1949 wird das Wildschutzgebiet Robins Game Sanktuary und Wankie, zum Hwange Nationalpark vereint. 

 

Dem Vogel ist ein einfacher Zweig lieber als ein goldener Käfig. (Russland)

 

Freitag, 23. November 2007

 

Robinscamp – Sinamatella

 

Das Robins Game Sanktuary hat seine eigene Geschichte. George Robins (1867 – 1939) erwirbt 1914 in der Region vier der wenig gewinnbringenden Farmen und lässt sich nieder. Anfänglich treibt er Rinderzucht, verschreibt sich aber bald dem Natur- und Tierschutz. 1934 erbaut er die kleine Farm und den auffallenden Turm. Im ersten Stock befindet sich ein kleines Museum, etliche der Gerätschaften welche er benutzt hat, sind noch vorhanden. Darunter ein Sternenteleskop und eine verzinkte Badewanne. Einige historische Fotos zeigen den weißbärtigen Pionier. Im zweiten Stock befindet sich heute ein Büro. Vom Balkon des Turms blickt man über die weite hügelige Landschaft des Hwange Parks. Wer dieses Panorama vor Augen hat und die Einsamkeit liebt, kann gut verstehen, warum Herr Robins sich hier wohl fühlte. George Robins überlies nach seinem Tod den Besitz der Regierung mit der zwingenden Maßgabe dass er Wildschutzgebiet bleibt.

   
Wasserpumpe, aber kein Kraftstoff Blick vom Masuma Damm
   

Kurz vor 8 Uhr starten wir unsere einsame Erkundungsfahrt durch den Park. Mungos, Kudus, Zebras, Wasserböcke, Impalas, Dassies, Hippos, Echsen, eine grüne Mamba, Krokodile und viele Vögel.

Es gibt reichlich Wasser im Park, die angestauten Dämme scheinen jedes Leben zu ermöglichen, und Futter ist auch vorhanden. Die wunderschön angelegten Aussichtsplätze sind ideal für Tierbeobachtungen. Es gibt einige ganz besonders attraktive Stellen, darunter Big Toms, Detema, Mandavupan und Masuma Damm.

Auf dem Weg über eine Anhöhe stolpern wir über die Überreste eines versteinerten Waldes, die fossilen Steine stammen von Bäumen mit dem Namen Dadoxylon, sie sind vor 200 – 250 Millionen Jahren hier gewachsen. Der zu Stein gewordene Dadoxylon wiegt schwer in meiner Hand. Die gewachsenen Jahresringe lassen sich mit dem bloßen Auge abzählen. Das versteinerte Holz beinhaltet trotz seiner kühlen steinernen Schwere, die belebte und energetische Wesensart eines Baumes.

   
Versteinerter Baum Von Elefanten platt gemachter Mopanewald
   

Heut wächst im Park viel Mopanewald und dieser ist fest in Elefantenhand. Kaum ein Busch schafft es über eine Höhe von zwei Metern hinaus. Mopane ist die Lieblingspeise der grauen Riesen, sie halten die Bäume kurz. Mopane gehört neben dem Kameldorn und dem Ahnenbaum zu den wichtigsten Brennhölzern der Menschen im südlichen Afrika. Der parkettharte Mopane ist zudem termitenresistent, ein Holz das dieses Prädikat hat reiht sich bei den schwersten Hölzern Afrikas ein. Der Mopane ist daneben auch Lebensraum der proteinhaltigen Mopaneraupe. Aus der Raupe wird ein Nachtfalter aus der Gattung der Pfauenspinner. Lateinisch hört sich das sehr klangvoll an, Gonimbrasie belina. „ Was für die Raupe das Ende der Welt, ist für den Rest der Welt ein Schmetterling“ (Laotse).  Aber nicht immer wird aus der Raupe ein Schmetterling, denn die nahrhafte Raupe wird geröstet, getrocknet, oder als Suppe gegessen. Die zweitpaarigen Blätter des Mopane dienen der Wundheilung und der Behandlung von Magenbeschwerden. Wir haben es nicht ausprobiert und möchten auch nicht zu Experimenten animieren.

Die sehr wasserhaltigen Stämme der Baobabs werden von den durstigen Elefanten oft so stark bearbeitet, dass sie absterben. Der Park ist landschaftlich attraktiv und wir haben ihn den ganzen Tag für uns allein.

Das Camp Sinamatella wurde 1966 eröffnet. Es liegt auf einem Hügel und die Lagerplätze finden sich alle am Rand der Abbruchkante, unten im Tal fließt der Lukosifluss. Endlos kann der Blick von hier oben über die Weite des Landes schweifen.

   
Erdhörnchen Aussichtplattform Sinamatella
   

Der Platzwart ist ein freundlicher, alter, ausgezehrter Mann. Er schwärmt, wie schön es hier am Ende der Regenzeit von Juni bis Oktober ist. Das ist der Moment, wo sich die ganze Tierpopulation erneut in Hwange (Wankie gesprochen) versammelt. Der alte Mann richtet seinen Blick über das Tal und erzählt seine Geschichte. Er lässt mit seiner entflammten Begeisterung vor meinem geistigen Auge tausende Büffel und Elefanten auftauchen, die sich unten am Fluss tummeln. In großen Herden sind die Antilopen, Zebras und Gazellen wieder zurückgekehrt und mit ihnen auch die Raubkatzen.

   
Malachiteisvogel / Haubenzwergfischer Haubenbartvogel
Hornrabe Kronenkranich
   

In dieser Vollmondnacht werfen die Bäume lange Schatten. Der Wind trägt das Brüllen eines Löwen herauf zum Sinamatella Camp. Im Haupthaus feiern die Angestellten. Fröhliches Lachen, das rhythmische Lied einer Trommel, sowie taktfestes Klatschen durchdringt die Nacht und führt mich in die Traumwelt Afrikas.

Erst nach Mitternacht kehrt Ruhe ein.

Diesen Besuch in Simbabwe haben wir uns aus verschiedenen Gründen reiflich überlegt. Nun hier angekommen fühlen wir uns durchaus wohl und so blicken wir, ohne allzu viele Zahlen und Namen zu nennen, im Zeitraffer auf die Geschichte des Landes. Beginnend mit der Frühzeit, 50 000 – 20 000 vor Christus, erste Menschen der Boskopoidengruppe besiedeln das Land. Von der Steinzeit bis in die frühe Eisenzeit (100 v. Chr.) belegen Materialfunde die Wiltonkultur. Etwa 300 Jahre vor Christus, mit dem Beginn der späten Eisenzeit ereignet sich in Europa eine allseits bekannte Geschichte. Die Römer gegen die Gallier, welche eigentlich Kelten sind. Asterix und Obelix, die Symbolträger dieser Story sind wohl allgemein bekannt. Etwa zeitgleich wandern in Simbabwe bantusprachige Stämme zu. Es beginnt die Verarbeitung von Eisen und die bisher ansässigen Menschen, sozusagen die Vorfahren der Khoisaniden (Buschleute) wurden in die Kalahari zurückgedrängt.

 

Das Leben liegt weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft, sondern allein in der Gegenwart. (Kamda Isso)

 

Samstag, 24. November 2007

 

Sinamatella – Maincamp  – Jambile

 

Früh stehe ich auf und genieße die Morgenstimmung, Vögel begrüßen mit ihrem Gezwitscher den Tag. Der Lukosifluss schlängelt sich durch den Busch, er führt vorbei an trockenen Wasserlöchern bis zum Mandavudam. Krokodile sonnen sich am Ufer, dazwischen laufen unbelästigt Enten umher, die Hippos sind abgetaucht, nur ihre Nase und Augen spitzeln aus dem Wasser. Impalas nähern sich dem Ufer, sie zögern den Kopf zum Trinken dem Wasser entgegen zu neigen, denn trügerisch ruhig ist der See. Wer genau hinsieht entdeckt immer mehr hungrige Krokodile im Wasser. Die blitzschnellen Echsen können sehr lange tauchen und zum Atemholen muss nur ein ganz kleines Stücken vom Nasenloch auftauchen.

Der Wildhüter am Masumadam zeigt mir im Schlammloch acht Hippos, aber ich sehe sie nicht, es ist zum verzweifeln. Der hilfsbereite Mann verzieht keine Miene und erklärt, er wird die Hippos für mich wecken. Als er sich dem Schlammloch nähert, heben die Tiere die Köpfe. Die haben mich genarrt, die Hippos liegen genau vor mir im Schlamm, aber sie sind so mit Dreck beschmiert, dass sie wie der Schlamm selbst aussehen.

   
Wir haben erst die Hippos übersehen! Doch dann bewegt sich doch was im Wasser
   

An der Shumba Pan passiert mir das nicht noch einmal und ich entdecke sofort die verschlammten Hippos.

Die Landschaft ist dicht von Mopanebusch bewachsen, wir treffen auf eine grasende Herde Elefanten, der Wind steht gut, alles bestens. Das kurze frische Gras muss wie eine Delikatesse schmecken, denn mühsam zupfen die Elefanten sich kleine Büschel ab. Sie sind eifrig bei der Sache und lassen sich gar nicht von uns stören. Nach 100 Elefantenbildern mehr fahren wir weiter.

   
Will der was von uns? Nur nicht auffallen!
   

Fast alle der Pans sind trocken, aber Impalas, Giraffen, Elefanten, Kudus und Steinantilopen zeigen sich trotzdem.

Am Maincamp buchen wir eine Nacht im Busch an der 30 km entfernten Jambile Pan, der Platz ist nur für uns. Es gibt ein gefülltes Wasserloch für Elefanten und sie sollen sich dort in großer Zahl aufhalten.

Der Wildhüter erklärt mit leuchtenden Augen und breitem Lachen, dass er am nächsten Morgen kommt und meine vor Angst auseinander geflogenen Knochen zusammensammelt. Na prima!

Die Gegend auf dem Weg nach Jambile ist sehr tierreich, landschaftlich ansprechend und hübsch wie in einem Garten.

Vom Camp aus beobachten wir, dass die ersten Elefanten das Wasserloch besuchen. Leise pirschen wir mit der kompletten Fotoausrüstung bis zur Markierung Jambilepan. Der Wind steht sehr günstig und wir haben den strengen Geruch der Elefanten in der Nase. Die Dämmerung ist bereits fortgeschritten, eigentlich sollte der Vollmond strahlen und die Pfanne mit dem Wasserloch erleuchten. Eine große Anzahl Tiere planscht und prustet im Wasser. Eine schleierhafte Wolke schiebt sich vor den Mond, die Beleuchtung bleibt schwach und die Nacht ist nur fadenscheinig erhellt.

Ein lautes, durchdringendes Trompeten erschallt, schlagartig heben sich 30 Elefantenköpfe aus dem Wasser und die Tiere verlassen den Platz in Richtung Osten, von wo sie gekommen sind. Von Westen kommt ein Trompeten zurück und eine neue Gruppe geht zielstrebig auf die Wasserstelle zu. Nach und nach verschluckt die Finsternis alle Elefanten und die Geräusche der Nacht werden immer mehr und lauter. Leider verzieht sich die Wolke nicht und das Mondlicht bleibt schwach. Mit leicht mulmigem Gefühl harren wir noch einige Zeit in der Finsternis aus, lauschen dem Treiben um uns herum und am Wasser. Als sich von dort gemächlich drei große dunkle stosszahnbewehrte Schatten nähern, leiten wir den Rückzug ein. Noch lange sind die Geräusche der badenden Elefanten zu hören.

 

Alles ist peinlich sauber am Camp und der Mann, der sich darum kümmert, zieht sich diskret zurück. Er wäre auch bereit Feuerholz zu bringen, und alles weitere was gewünscht wird zu verrichten. Wer diese Aufgabe im Park erledigt ist meist lange Zeit und weit weg von Zuhause. Auch wenn von uns keine direkten Aufgaben anstehen, halten wir uns an die Empfehlung im Reiseführer und geben dem zuständigen Camphüter jeweils Nahrungsmittel oder ein Trinkgeld. Denn die Lebensumstände der Männer und Frauen sind sehr schwer.

 

Wir sitzen hier alleine am Camp unter einem kleinen Rieddach, der Abend ist mild und wir stöbern noch mal in der Geschichte. Im 11.Jahrhundert ziehen aus dem Norden Angehörige der Kalanga und Shona in das Land. Friedlich beteiligen sie sich am Handel und passen sich den Ansässigen an. Die Kultur entwickelt sich weiter und es entstehen Dzimba Dza Mabwe, das heißt Steinhäuser. Neben Great Simbabwe bei Mashvingo werden viele weitere kleinere Simbabwes im Land erbaut. Das große Reich Simbabwe regelte in seiner Blütezeit vom 13. -15. Jahrhundert den Handel der gesamten Region. Gold, Elfenbein, Ton, Porzellan, Perlenfunde aus Asien belegen den kulturellen Schub zu dieser Zeit. Um 1450 begann der Niedergang und im 16. Jahrhundert war das Reich verlassen. Unterschiedliche Theorien ranken sich um die Geschichte und den Zerfall von Great Simbabwe. Jedes Ende birgt einen Anfang, neue Großreiche entstanden und um 1515 tauchten die ersten Portugiesen auf und trieben Handel. Was erst gut war eskalierte später, die Europäer mischten sich zu stark ein und wurden 1693 erstmal zurück gedrängt.

 

Es ist das Herz, das schenkt, die Hände geben nur. (Zaire)

 

Sonntag, 25. November 2007

 

Jamilecamp – Maincamp – Buschcamp

 

7 Uhr 30, leichter Nieselregen am Morgen. Das gestern stark besuchte Wasserloch ist, bis auf einen einsamen, alten Elefantenbullen leergefegt.

Am Main Camp studieren wir die Karte. Nach Mana Pools sind es 500 km. Bei guter Straße und flotter Fahrt ist das theoretisch in einem Tag zuschaffen. Wir kommen mit der Frau ins Gespräch, die das Wildhundprojekt leitet. Sie erklärt, dass der Weg über Harare weiter ist, aber wegen der guten Teerstraße um einen Tag schneller nach Mana Pools führt, als der von uns ausgesuchte Weg. Harare, das bedeutet beim Blick auf die Karte einen weiten Umweg. Da erwartet uns wohl eine Überraschung, bei der Route zu der wir uns entschlossen haben. Egal, die Entscheidung ist schon längst in unseren Herzen gefallen, wir wollen das unzugängliche Tongaland sehen.

 

Es fängt zu regnen an, die Luft bekommt einen aparten Geruch. Bestehend aus einer Mischung von nasser schwerer Erde und feuchtem warmen Teer. Bereichert um den Duft nach Gräsern, Bäumen und Sträuchern, die vom Staub befreit tief ausatmen.

Simbabwe ist ein nahe zu unbeschriebenes Blatt für uns. Umso mehr steigt natürlich die Neugier und Freude auf die Landschaften, Dörfer, Parks und Städte am Weg. Vor allem sind wir gespannt auf die Menschen denen wir begegnen und deren Lebenssituationen. Ausreichend Sprit und Verpflegung für die geplante Runde ist an Bord, bleibt nur zu wünschen, daß der Landy keine Probleme bereitet.

Äcker werden bestellt, vereinzelt stehen Hütten an der Straße, alles ist sauber, kein Müll liegt herum. Woher auch, es gibt ja nichts zu kaufen. Die Menschen leben einfach und traditionell. Am Sonntag treffen sich viele, schön angezogen, zum Kirchenbesuch. Gottesdienste und Rituale finden unter schützenden Sonnendächern oder großen Bäumen statt. Im Schatten der großen Bäume treffen sich die Bewohner der Dörfer auch mit dem Kogosi, wenn es Probleme zu besprechen gibt.

Die Menschen gehen unter Sonnenschirmen spazieren. An Verkaufständen an der Straße werden einige Holzschnitzereien und Korbwaren zum Kauf angeboten. Ich suche vergeblich nach einer Tongatrommel. Die Straße führt weiter durch eine schöne, hügelige Landschaft. Sie ist grün und fruchtbar.

Ein umgefallener Baobab (Adansonia digitata) versperrt uns den Weg. Seit vier Tagen hacken Männer mit ihren Beilen den Baum klein. Das Holz ist weich, feucht und nahezu unbrennbar. In seinen Fasern speichert der Baum große Mengen an Wasser. Der Baobab, auch Affenbrotbaum genannt wird bis zu 3000 Jahre alt und gehört zu den Wollbäumen. Seine weißen, großen Blüten erstrahlen nur für 10 Tage. Die samtigen Früchte enthalten viel Vitamin C und die zarten jungen Blätter sind wie Spinat genießbar. Rinde und Faser der Baobabs finden vielerlei Verwendung in Gebrauchsgegenständen und im Kunsthandwerk. Auch im traditionellen Heilwesen hat er seinen festen, unverrückbaren Platz. Der Baum ist eine Apotheke und deckt eine breite Palette ab, vom Halsweh bis zum Schutz vor Krokodilen. Rundherum praktisch ist dieser Baum.

   
Umgefallener Baobab Route Richtung Kariba
   

Uwe liebt die Baobabs sehr und träumt immer schon davon, ein Exemplar in Kapstadt im Garten zu haben. Aber alle Aufzuchtversuche sind bisher gescheitert. Uwe sucht immer wieder nach etwas mit Wurzel! Meine Einwände bezüglich der Größe welche diese Gattung erreicht, prallen ungehört ab. Die Babybaobabs sind (Gott sei Dank) in dem vielen Grünzeug für uns Laien nicht auszumachen und mit dem rauen Klima am Kap hätte der Baum auch Probleme.

Der in afrikanischen Kulturen hoch verehrte Baobab dient in Legenden oft als Aufenthaltsort für Götter und Geister. Eine Sage berichtet, dass der Teufel die Erschaffung der Bäume verpasst hat und es war nur noch einer übrig zum Einsetzen. Vor lauter Wut hat er den Baum dann verkehrt herum in den Boden gerammt. Oder, eine andere Geschichte, der Baobab wollte schöner werden als alle anderen Bäume. Doch es gelang ihm nicht, da hat er sich so geschämt, dass er den Kopf in den Boden gesteckt hat und die Wurzeln nun nach oben ragen.

 

Auf der Höhe von Binga hört endlich der Regen auf. Die Teerstraße wird zur Material mordenden Wellblechpiste. Das Gerüttel ist so laut, dass unser Gespräch verstummt und jeder seinen Gedanken nach hängt. Die hügelige Berglandschaft wird von der roten Piste durchzogen, alle Steine sind rot, wo es geregnet hat ist der Matsch rot. Die Hütten sind mit hiesigem Boden erbaut und deshalb auch rot. Dazu bieten die frischen grünen Bäume, Büsche und das junge Gras, das gierig die zu vielen Ziegen und Kühe abweiden einen schönen Kontrast. Der blaue Himmel mit den weißen Quellwolken verpasst dem Gesamteindruck das Tüpfelchen auf dem i.

Die Landschaft bleibt anhaltend schön, aber die minderwertige Piste erschwert das Vorwärtskommen erheblich. Die kleinen Dörfer der Tonga liegen verstreut in der Gegend, nun einige Informationen über das Volk der Tonga.

Die Tonga sind eine sanftmütige Randgruppe und leben seit Jahrhunderten im Sambesi Tal, der Fluss war ihr Mittelpunkt, quasi die Hauptschlagader ihres Lebens. Etwa 200 000 Tonga leben zwischen Viktoria Falls und Kariba.

   
Tsetsefliegenkontrolle Vierspänner
   

Die Tonga verehren den mächtigen Geist des Sambesi, als den Flussgott Nyaminyami, in der Gestalt einer Wasserschlange. So viele geheimnisvolle Riten und Bräuche bestimmen das Leben der Tongas, dass sie von Außenstehenden als rückständig betrachtet werden. Die spirituelle Welt umfasst große Zeremonien und sie geht konform mit dem besonderen Feingefühl für Musik.

Das Ngoma botibe, ist das Jahresgedenken an einen Verstorbenen. Bis zu 30 Instrumente, Hörner aus Antilopenhorn, Ratschen aus Kürbis und Trommeln in allen Variationen vermischen sich mit dem Gesang der der Frauen. Jeder Teilnehmer bringt seine eigene Performance ein und so ein Ensemble erschafft die Musik zu kraftvollen Tänzen. Musik und Gesang bestimmen die spirituellen Begegnungen mit den Ahnen, bei Krankheit und Sorgen. Die Chilimba Zeremonie dient der Unterhaltung. Hier werden zur reinen Freude die Instrumente, insbesondere Trommeln und die Mbira gespielt.

Als der Sambesi zum Karibasee angestaut wird, kommt es 1958 zur Umsiedelung von 57 000 Menschen. Viele Tonga gehen nicht freiwillig. Für die Menschen ist es katastrophal die Wohnstätten ihrer Ahnen, die sie in den großen Bäumen am Fluss glauben, im Wasser versinken zu sehen. Gewaltsam werden die fischenden, jagenden, sowie Ackerbau treibenden Menschen von ihren vertrauten Plätzen entfernt, es gibt Tote.

Die Tonga leben nun hier im kümmerlichen, schwer zu bewirtschaftenden Hinterland. Wie sooft im Lauf der Menschheitsgeschichte bezahlt eine Randgruppe eine ungleiche Rechnung und kaum jemand scheint sich dafür zu interessieren. Die Tongas haben wenig Anteil am Erfolg des großartigen Kariba Projekts, am Tourismus, oder an der Fischerei, sie haben aber vieles dafür verloren. Die Stromleitungen vom Karibastaudamm führen hoch über den kleinen Dörfern der Tonga hinweg.

 

Die Piste ist in einem desolaten Zustand, so dass sich wohl nur noch selten Touristen auf diesem Weg nach Kariba machen. Die Stände an der Strasse, wo die Tongas früher handgearbeitete Waren, wie die schönen Trommeln oder Korbwaren an Durchreisende verkauften sind alle leer. Noch 214 km bis nach Karoi.

Weil es spät ist, halte ich nach einem schönen Stellplatz Ausschau. Die attraktivsten Plätze haben schon die Tongas mit ihren Hütten belegt. Uwe möchte einen Platz mit Fernsicht, gar nicht so einfach hier mitten im Busch, aber wir finden ihn. Ein weiter Blick über das Tal erfreut uns, und wie kann es anders sein, ein Unwetter zieht herbei, wir lassen es auf uns zu kommen. Das Gewitter bläht sich mächtig auf, eine heftige Windböe reist Gläser und Landkarten vom Tisch, wir flüchten in das Zelt. Schon um Mitternacht steht der Mond wieder hell und klar am Himmel.

 

Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es zwecklos, sie andernorts zu suchen. (F. d. l. Rochefoucauld)

 

Montag, 26. November 2007

 

Buschcamp – Kariba

 

Vor dem Morgengrauen krähen Gockel und Hunde bellen. Die Nachbarn wohnen nicht all zu weit entfernt, sind aber nicht zu sehen. Früh um 6 Uhr 30 sind wir wieder auf dem Weg nach Kariba, schon den zweiten Tag. Werden wir heute ankommen? Die Piste zieht sich durch unverändert schöne Landschaften, die Äcker und Dörfer werden größer. Die hoch angelegten Brücken lassen erahnen wie viel Wasser zur Regenzeit durch die Flüsse rauscht.

Spontan beschließen wir eine Schule zu besuchen, die Kinder toben auf dem Hof, es ist Pause. Die drei Gebäude wurden mit Unterstützung der Eltern erbaut. Etwas abseits steht noch eine Hütte, das Büro? Die 103 Schulkinder kommen aus der näheren Umgebung. Eine auffallend hübsche junge Frau kümmert sich um die ganz Kleinen, eine Art Vorschule. Ein Lehrer unterrichtet heute die erste und zweite Klasse zusammen. Die dritte Klasse schreibt gerade eine Probe, der Direktor mit Krawatte, beaufsichtigt den Test. Das Gespräch ist sehr herzlich und alle freuen sich, dass wir vorbei gekommen sind. Da die Schüler zunehmend unkonzentrierter werden, wird die Schulaufgabe unterbrochen. Wir dürfen auch einen Blick in das Büro des Schulleiters werfen. Die Rundhütte dient nicht nur als Büro, sondern ist auch der Wohnraum für den Rektor und seinen Sohn. Zwei Strohmatten liegen auf dem Boden, an der Wand hängen Sprüche, ein Bügeleisen steht parat, ein paar Kleidungstücke hängen an einem Haken, sehr beengende Wohnverhältnisse. Nebenan in einem kleinen Ställchen, fristen ein paar Hühner ein ebenso knappes Dasein.

   
Eine von vier Klassen Wir sind herzlich Willkommen
Ein letztes Abschiedfoto Hühnerstall
   

Die Lebenssituation ist unbeschreiblich mühsam. Aber der Eifer, mit dem die Kinder zur Schule kommen ist dem zierlichen Mann Motivation genug, in der Abgeschiedenheit dieses Landstriches weiter zumachen. Hier gibt es keinen „Null Bock auf Schule“ alle wollen hin. Nach und nach verlieren die Kinder ihre Scheu vor uns. Mitten in der bunt gemischten Menge aus 3 -14 Jährigen Kindern fühle ich mich richtig wohl. Uwe tauscht derweil schon die Adressen aus, um später die Fotos zu schicken.

 

Da es keine Beschilderung nach Kariba gibt, verlassen wir uns auf das GPS. Der Weg wird wieder schlechter und führt in die Berge. Die steinigen Höhenzüge sind mit Bäumen bewachsen, die Gegend ist menschenleer. Von einer Anhöhe erhaschen wir einen Blick auf den Karibasee, es liegt noch viel hügeliges Terrain zwischen uns und dem See.

   
Marabut Gabis war erfolgreich beim Fischzug
   

An einem Fluss tobt das Wildwasser, die dunkelbraune Brühe schießt mit einer starken Wucht durch die Stromschnellen, das kakaobraune Wasser schäumt gefährlich. Der Fluss ist in unseren Karten nicht eingetragen. Auf einem Felsen sitzen Affen und Marabuts. Ich lasse mich auf einem Stein im Wildbach nieder um die Vögel zu fotografieren. Plötzlich fliegt etwas Dunkles über meine Schulter und hinter mir in der braunen Brühe platscht es. Ich schaue genau hin, Fische versuchen die Stromschnellen zu überwinden, es sind schnurrbartbewehrte Welse. Uwe hat die Idee einen Fisch zu fangen. Sehr gute Idee, wenn ich an die Spaghetti und Reisvariationen von vorgestern, gestern, heute und morgen denke. Aber wer wird den Fisch töten? Uwe will das machen, und ich bringe mich in Position um ihn beim Fischzug zu fotografieren. Mit dem Axtstiel, der gewöhnlich zur Verteidigung dienen soll, will er einen Fisch erledigen. Acht völlig erschöpfte Welse liegen in einer flachen 60 cm langen und 25 cm tiefen Kuhle, sie haben schon den ersten Teil der Stromschnelle hinter sich gebracht. Eigentlich bräuchte Uwe sie nur aufheben, wenn sie bloß nicht so glitschig wären. Er scheint sich vor den zappelnden Fischen zu fürchten und wenn ich ihm so zuschaue, sehe ich mich heute Abend wieder vor Spaghetti sitzen. Keine zwei Minuten später sind die ausruhenden Welse vertrieben. Uwe versucht es nun mit einem kleinen Netz, in ihm bewahren wir Butternuts auf. Aber auch hier kommt er den Fischen nicht nahe genug. Die Welse sehen ein wenig unheimlich aus, mit ihren langen Barthaaren und dem großen Maul. Einige der Fische sind auch so dick, dass sie in dem engen Netz gar keinen Platz hätten. Uwe gibt nass gespritzt und entnervt auf. Ich schreite zur Tat, mit den Stangen vom Zelt baue ich eine kleine Reuse aus dem Netz, 20 x 20 cm und platziere sie an einer schmalen Stromschnelle im Fluss. Uwe muss mit dem Axtstiel nun die Fische aus dem oberhalb liegenden Kehrwasser treiben. Der erste Fisch springt über das Netz, der zweite trifft mich bei seinem Ausweichversuch fast im Gesicht. Erst der sechste flutscht von einem sanften Ruck begleitet in die Falle. Ich bin zufrieden, ein schöner Fisch! Uwe muss ihn fest in das Genick schlagen um ihn schnell zu töten. An Ort und Stelle nehme ich den Fisch aus.

   
Vor Ort wird der Fisch ausgenommen Elefanten graben nach Wasser im Flußbett
   

Nach dieser Arbeit geht es weiter. Die Piste ist schlecht, und die kleine Untersetzung wird gebraucht. Dann öffnet sich die Welt, der Karibasee liegt vor uns im Tal. Endlich! Hier anzukommen hat nun doch ein paar Tage gedauert, wieder eine Kurve, dann ein trockenes Flussbett, hoppla wir erschrecken uns fast! Drei durstige Elefanten stehen unter der kleinen Brücke und graben nach Wasser.

 

Die Besichtigung der Staumauer vom Karibasee ist problemlos, den Pass an der Grenze abgeben und später mit der erhaltenen Quittung wieder abholen. Die bedeutsame Quittung ist ein kleiner Fetzen Papier, gerade mal 5x5 cm groß, er wird von einem DinA4 Blatt sorgfältig abgerissen, Vorsicht sehr leicht einzubüssen!

Da steht es um die Ausmaße der von 1956 – 1959 erbauten Staumauer schon anders. Die sind wirklich beachtlich, sie ist 617 Meter breit, 128 Meter hoch, am Sockel 26 Meter breit und oben misst sie noch breite 13 Meter. Die Mauer hält den Inhalt von 5230 km² Seeoberfläche zurück. Fünf Jahre hat es gedauert den Sambesi auf eine Länge von 280 km aufzustauen.

   
Staumauer vom Karibasee Im Vordergrund der Flußgott Nyaminyami
   

Am kleinen Hafen vom DDF erkundigen wir uns nach den Fährverbindungen. Alles liegt brach, die Fähren sind nicht fahrtüchtig oder haben keinen Diesel. Schade, damit fällt unser Plan flach, über den See zum Matusadonnapark zu schippern. An der Kushingalodge campieren wir. Leider ist der Ausblick vom Camp zugewachsen, aber ansonsten ist alles wunderbar. Ein Wachmann ist wieder für uns abgestellt.

 

Wenn ich alleine träume, ist es nur ein Traum. Wenn wir gemeinsam träumen, ist es der Anfang der Wirklichkeit. (aus Brasilien)

   

Dienstag, 27. November 2007

 

Kariba – Mana Pools - Chitake

 

Es ist eine sternenklare, vom Mond durchdrungene schwül heiße Nacht. Der Nachtwächter schleicht so laut um das Auto, dass ich ständig davon aufwache. Kaum schlafe ich wieder ein, wecken mich meine Träume, eine kurze Nacht. Zum Sonnenaufgang gehe ich hinunter an den Karibasee. Seit Jahren wünsche ich mir hier her zu kommen, endlich bin ich da. Die abgestorbenen Bäume ragen nadelspitz aus dem unbewegten Nass, tiefrot steigt die Sonne am Horizont hervor. Eine flache, vom Wasser glatt polierte Steinplatte ist ein idealer Platz, um den Tag zu erwarten. Irgendwie fühle ich mich beobachtet. Da sehe ich dann auch den Nachtwächter, diskret auf Abstand beobachtet er meinen Gruß an die Sonne.

   
Sonnenaufgangstimmung am Karibasee
   

Von Kariba-high, der teureren Wohngegend, bietet sich der ultimative Blick über den Karibasee und den Damm. Mitten im Dorf laufen Zebras auf der Strasse, sie sind fast zahm. Mit dem Slogan „No Game, no Visitors, no Job`s“ wird versucht der Bevölkerung die Tierwelt im Dorf sympathisch zu machen. Hier sind es ja „ nur“ Zebras. Einen Straßenzug weiter, laufen zwei Elefanten aus dem Wald, durch die Häuserreihe und weiter zum See um dort genussvoll zu baden. Der Ort Kariba ist weitläufig über die ganze Landzunge angelegt. Die Häuser verschmelzen mit der Natur und damit mit dem Busch. Lange Menschenschlangen stehen vor Banken und Geschäften in denen es etwas zu kaufen gibt. In einem kleinen Shop fragen wir nach Streichhölzern, es gibt sie und wir bezahlen in Südafrikanischen Rand. Die Regale sind leer bis auf unbezahlbar teuren Schnaps, Tomaten in Dosen, Seife und Watte. Die angebotenen Bananen und Tomaten gibt es auch überall an der Straße zu kaufen.

   
No game – no visitors – no jobs! Letzter Ausblick von Kariba high
   

70 Kilometer weit führt die Strasse uns dann durch bewaldete, bergige Landschaft.

In Marongora holen wir das Permit für Mana Pools, dann lotst uns der Weg hinunter in das Sambesital. Jeden Meter, den es tiefer in das Tal geht, wird es heißer, 45 Grad sind hier keine Seltenheit. Vor dem Abzweig in den Park befindet sich eine Tsetsefliegen Kontrolle, aber nur für ausreisende Besucher. Keine drei Stunden später werden wir wissen, warum.

Am Eingangstor zu Mana Pools kaufen wir ein Ticket für Chitake, der Platz soll ein Hotspot für Löwen sein, regelrecht löwenverseucht. Nachdem der Chef rückbefragt wird, können wir auch in Südafrikanischen Rand bezahlen. Das bedeutet für uns einen Glücksfall, weil wir knapp mit US $ sind. Die Ranger sind sehr freundlich und wollen unser Bestes. Als wir den einsamen Campingplatz nahe dem Sambesi ansteuern, müssen wir durch eine völlig zugewachsene Passage. Fliegen huschen in das Auto. Der empfohlene Rastplatz liegt unter einem großen Teakholzbaum am Fluss, rundherum liegen viele, bleiche Tierknochen. Der Platz ist eingesäumt von dichtem, undurchdringlichem Busch. Also das gefällt uns nicht! Zudem sind hier noch mehr Fliegen und die beißen. Bei genauerem hinsehen stellen wir fest, es sind Tsetsefliegen. Mit ihnen haben wir schon öfter unangenehme Bekanntschaft gemacht. Die Fliegen übertragen die Schlafkrankheit. Sie setzen sich lautlos und stechen schmerzhaft zu, mit Vorliebe an dunklen Plätzen. Haben sie erst einmal zugebissen, sind sie leicht zu erwischen, man muss aber schon kräftig drauf hauen. Hier können wir nicht bleiben! Obwohl die Ranger uns wegen der aufziehenden Regenfälle davon abgeraten haben, durchfahren wir das fast trockene Flussbett des Chitake, um die anderen Lagerplätze in Augenschein zu nehmen. Sollte es heute Nacht heftig regnen, kommen wir morgen eventuell nicht zurück. Das kümmert uns in diesem Moment wenig, da für Mana Pools eine Woche eingeplant ist. Am zauberhaften Camp 2 angelangt, belästigen uns die Blutsauger weiter. Es ist immer noch sehr heiß und die Dusche aus dem aufgeheizten Wassersack bringt wenig Erleichterung. Eine Ansammlung von 11 Baobabs steht rund um die beeindruckende Anhöhe. Wir campieren dazwischen auf höchstem Punkt, dieser Lagerplatz hat eine außergewöhnliche Ausstrahlung.

Die Wolken verdichten sich, ein starker Wind kommt auf und blitzschnell zieht ein Gewitter heran. Die belaubten Baobabs erzittern rauschend im Sturm, die ohrenbetäubende Geräuschkulisse wird sehr unheimlich. Grell aufleuchtende, bizarre Blitze erleuchten die weit ausladenden Äste der Baumgiganten. Erste Tropfen prasseln nieder, wir flüchten in das Zelt, das vom Starkwind kräftig hin und her gebeutelt wird. Hell erstrahlen die Baobabs, als Blitz und Donner gleichzeitig einschlagen. Dann legt der Regen los und eine angenehme Kühle streicht durch das Zelt und über die nackte Haut. Langsam naht der erlösende Schlaf, aber gleichzeitig drängt sich auch das leuchtende Grollen wieder heran und entlädt sich erneut. So verbleiben nur wenige Stunden erholsame Ruhe. Trotzdem ein grandioser Stellplatz!

 

Wird das Reisen zu leicht und zu bequem gemacht, so geht sein geistiger Sinn verloren. Allein ein gewisses Gefühl der Einsamkeit, das auf der Reise entsteht, führt den Menschen zum Nachdenken über den Sinn des Lebens. (Daisez Teitaro Suzuki)

  

Mittwoch, 28. November 2007

 

Chitake – Maincamp

 

Als die Dämmerung anbricht, bahnt sich bereits ein neues Gewitter an, wir packen zusammen und verlassen ohne Frühstück diesen spektakulären Standort, rund herum gehen Schauer nieder, die Regenzeit bricht an.

   
Camp Nr. 2 Chitake Wasserbock
   

Wir müssen unbedingt durch den Chitake Fluss zurück, sonst sind wir hier über mehre Tage mit den Tsetsefliegen gefangen. Schnell das Zelt zugemacht und spannungsgeladen zum Fluss, hurra, wenig Wasser, alles geht gut. Am Maincamp sind wir alleine und bekommen den besten Platz Nr. 17, direkt am Sambesi. Die Szenerie ist einem Hochglanzprospekt entsprungen, überall sind Vögel, Büffel weiden zum Greifen nahe vor uns und die Hippos wagen sich bei bedecktem Himmel und Tageslicht aus dem Wasser. Die Tiere stören sich nicht an unseren Frühstücksvorbereitungen.

   
Reichlich Futter für das graue Ungetüm
   

Schnell vergessen wir die letzte Nacht und treten eine ausgiebige Pirschfahrt durch den Park an. Dabei observieren wir alle exklusiven Camps und suchen schon mal das Schönste aus. Aber es bleibt der große Stress mit den Tsetsefliegen. Dass die Fliegen eine Vorliebe für dunkle - bewegte Dinge/Tiere haben wissen wir, aber unser grüner Landy? Nur bei geschlossenem Fenster bleiben wir verschont, da freuen sich jetzt alle, die im Gegensatz zu uns, eine Klimaanlage haben, wir schwitzen ordentlich.

   
Stehen da wie an einer Bar Der läuft seelenruhig vor uns vorbei!
   

Die Tiererlebnisse sind trotzdem phantastisch. Eine Herde Elefanten geht auf Tuchfühlung an uns vorbei zum Wasser. Wer an Afrika denkt, denkt meist auch an Elefanten. Dem Elefanten wird nachgesagt, dass er weise ist, stark, keusch und nachtragend. Sein Gehirn wiegt 4 -5 kg, da vergisst man nicht so leicht. Das Tier hat ein stark ausgeprägtes Sozialempfinden. Eigentlich hat er keine natürlichen Feinde. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Denn die großen Löwenrudel im Chobepark in Botswana haben gelernt Elefanten zu töten. Der Mensch stellte dem Elefanten lange schonungslos wegen seinem weißen Gold nach, dem Elfenbein. Dabei sind Stosszähne nur eine einfache Verbindung aus organischen und mineralischen Bestandteilen. So an die 56 % Caliumphosphat und dazu etwas Kalk, eine Mischung aus Wasser und Knorpelsubstanz bindet das Ganze. Damit liegt dem Harten das Weiche inbegriffen und eine gewisse Bruchgefahr ist gegeben. Die Stosszähne dienen dem Elefanten in erster Linie zum Abschälen der Baumrinden. Dann und wann verteidigt er aber auch mit allem Einsatz die Babys der Herde. Gelegentlich raufen sich Elefanten untereinander, das sind meistens Schaukämpfe, aber es kracht ganz ordentlich. Bei so einer Aktion splittert von einem Stoßzahn schon mal was ab. Außerhalb Afrikas findet man den Elefanten auch in der Mythologie. So z.B. in Indien, hier ziert den Gott Ganescha ein  Elefantenkopf. Diese Figur im Hinduismus verkörpert Hilfestellung in allen Lebensfragen und tiefe Weisheit. In China schwängert ein elefantenköpfiger Gott die jungfräuliche Göttin Moye, und sie gebärt einen Helden. Weiters finden sich in der jüdisch/christlichen Mythologie, unter Hiob 40, 15 – 24 die Hinweise auf den elefantenköpfigen Dämon Behemoth, als das Symbol der Fleischlichkeit. Bevor wir uns weiter mit den Elefanten verstricken können, sind wir am Camp zurück.

   
Hipotamus Amphibius auf der vorgelagerten Insel Afrikanische Brücke im Park
   

Wir bleiben einsame Gäste, dass war hier nicht zu erwarten. Mana Pools strengt sich an mit uns Versöhnung zu feiern, zufrieden wiehern die Hippos über das Wasser. Mit Einbruch der Nacht klettern sie über die Böschung auf das Camp und auf meinem Weg zum Bad, da treffen wir uns beinahe. Die Nacht ist finster und die dunklen Tiere schreiten lautlos, ich leite sofort meinen Rückzug ein und putze die Zähne hinter dem Auto. Aus den weit entfernten Häusern des Personals dringt der sanft flüsternde Rhythmus von Trommeln. Die Löwen brüllen nachts, eigenartig die Tiere sind immer da und doch nicht da.

 

Wer bekommt, was er mag, ist erfolgreich. Wer mag was er bekommt ist glücklich. ( M. Luther)

  

Donnerstag, 29. November 2007

 

Maincamp

 

Die ganze Nacht wird vom Wiehern und Grunzen der Hippos bestimmt, sie laufen völlig sorglos auf dem Camp umher. Am Morgen kommen die Büffel wieder. Der Tag gehört sich selbst und ich habe mir heute auch literarisch frei gegeben.

 

Denken ist das Selbstgespräch der Seele (Platon).

  

Freitag, 30. November 2007

 

Maincamp – Karoi – Chinhoy Caves

 

Wir starten zu einer Rundfahrt entlang dem Sambesi und einem weiteren Abstecher nach Chitake und den Baobabs. Hier sind wieder weder Büffel noch Löwenspuren zu sehen, aber die Tsetsefliegen stressen uns abermals so gewaltig, dass wir die Idee verwerfen, nochmals unter den schönen Baobabs zu campieren. Wir verlassen den Park. Mehr aus liebgewordener Gewohnheit, denn aus ernsthafter Sorge schaut Uwe immer wieder auf die Anzeigen am Armaturenbrett. Abrupt hält er an, die Temperaturanzeige ist im roten Bereich und der Blick unter die Motorhaube bestätigt den Verdacht, dass das Wasser im Ausgleichsbehälter kocht. Bei genauerem Hinsehen tropft es unter dem Kühler, aber die Stelle ist schlecht zu lokalisieren. Die Lötarbeiten von letztem Jahr lassen hier wohl zu wünschen übrig, fast zwei Liter Wasser können nachgefüllt werden.

 

Unsere Route lotst uns weiter in Richtung Karoi. Die Straße ist kurvenreich und steil, eine abenteuerliche Trasse führt durch die hügelige Landschaft auf den Rand des Escarpements. Autos sind wenige unterwegs, der Verkehr wird von unzähligen LKWs bestimmt. Die Tankzüge bringen Diesel und Benzin nach Sambia. Ein Brummi ist vor zwei Tagen in der Felsmauer notgelandet, die hochexplosive Ladung, bestehend aus Campinggas, Dieselfässern und Benzinkanistern ging in die Luft und der Laster wurde völlig zerstört. Der Empfänger der Ladung ist aus Sambia angereist und besichtigt gerade den Schaden. Er zeigt uns in dem verkohlten Durcheinander eine wertvolle Maschine, die will er wohl noch retten.

An der steilsten Stelle des Abbruchs steht ein Brummi, auf dem Nachläufer ist eine schwere Maschine für den Straßenbau geladen. Der Fahrer fragt Uwe nach einem 14er Schlüssel um die Bremsen nachzustellen. Es gelingt nicht, die Beläge sind am Ende. Der junge Mann kommt mit seiner Ladung aus Mapoto und muss nach Angola. Erst die Hälfte der Stecke hat er hinter sich und nun sind schon die Bremsen heruntergefahrenen. Sehr zuversichtlich wirkt er nicht, als er erklärt, dass er sich im ersten Gang, mit der schweren Ladung im Nacken das Gefälle hinunter wagen wird. Dann hat er noch zwei Tage Fahrt vor sich bis Angola und von dort muss der Lastzug auch wieder zurück.

   
Gefährlicher Abgang am Sambesiescarpement Schwere Fracht im Transit
   

Karoi mit 12000 Einwohnern, war ein Versorgungsort, aber zur Zeit gibt es nichts und wenn doch, dann nur völlig überteuert zu kaufen. Karoi heißt kleine Hexe in der hier üblichen Sprache der Shona. Aber anders als bei uns, reiten die Hexen in Simbabwe auf Hyänen. Der Ort liegt 1344 m hoch und hat momentan seine beste Zeit hinter sich. Ein findiger Farmer baute hier Tabak an und die Region um Karoi war lange Zeit das beste Anbaugebiet für das braune Gold. In Chinhoyi Caves Nationalpark buchen wir uns für die kommende sternenklare Nacht ein. Knatternd hallen die Motorbremsen der LKW durch die Luft, wenn sie sich den Berg herunter bremsen, dazu der eigenartig traurige Gesang einer Trommel aus einem der umliegenden Häuser, ich kann lange nicht einschlafen.

 

Die Stimme einer Trommel singt viele verschiedene Lieder (Gabi Christa)

 

Samstag, 1. Dezember 2007

 

Chinhoyi Caves Nationalpark –Harare – Great Ruins von Simbabwe

 

Zeitig mit den Brummifahrern sind auch wir auf Achse, weiter nach Harare. Große Getreidesilos liegen an der Strasse, davor hacken Menschen mit gebeugtem Rücken die Erde auf, ein groteskes Bild. Viele der großen Äcker liegen brach und verwildern. Da und dort werden mühsam mit Eseln oder Ochsen Furchen gezogen, Traktoren sehen wir auch, aber meist fahruntüchtig, oder ohne Treibstoff. Eine Granitmine ist noch in Betrieb, die Beschilderung verweist auf die ehemalige deutsche Beteiligung, Simbabwe – German Granitmine prangt auf dem rostigen Schild.

   
Leere Getreidesilos Busbahnhof außerhalb von Harare
   

Die Linienbusse sind überladen und fahren wie die LKW in einem unverantwortlichen Zustand und Tempo. Von Norden kommend erreichen wir die Außenbezirke von Harare. Schmucke kleine Häuschen, mit hohen Zäunen, auf den ersten Blick, alles ordentlich und grün. Es wirkt beschaulich, Geschäfte südafrikanischer Ketten, eine Bäckerei mit Stehkaffee, weiße Gesichter dazwischen. Richtung Zentrum wird es quirliger, die Banken in der Stadtmitte haben die größten Häuser. Lange Menschenschlangen stehen vor den Geldinstituten, ebenso vor Supermärkten und Tankstellen.

Zurück in die Geschichte. Als die britischen Pioniere 1890 nach einem langen Treck die fruchtbare Hochebene erreichen hissen sie den Union Jack, auf Land das eigentlich von Shona besiedelt ist. Salisbury, nennen sie den Ort. Als Simbabwe 1980 unabhängig wird erfolgt die Umbenennung von Salisbury nach Harare, da die ersten Bewohner dieser Gegend die Haravas unter Chief Mbare waren.

Die Anfänge für die Siedler sind schwer, Malaria, Ratten und das Schwarzwasserfieber vernichten sie. Die erhofften Goldfunde bleiben aus und aus der Not heraus treiben sie schließlich Ackerbau. Den Boden dazu nehmen sie den ansässigen Shona weg, Spannungen entstehen und 1896 kommt es zum ersten bewaffneten Aufstand der Shona. Von nachrückenden britischen Truppen niedergeschlagen müssen sich die Shona fortan den übermächtigen Siedlern beugen.

Schon 1899 gibt es die Zugverbindung an den Indischen Ozean nach Beira. Der Clevelanddam entsteht 1913, die Trinkwasserversorgung ist gesichert und elektrische Lampen beleuchteten nachts die Straßen. 1923 wird das aufblühende Südrhodesien britische Kronkolonie, der Fortschritt hält beständig Einzug und die wirtschaftliche Position des Landes festigt sich in allen Gebieten. 1996 entsteht eine Städtepartnerschaft zwischen Salibury (Harare) und München.

 

Wir fahren stadtauswärts in Richtung Marondera. 70 km später, tun wir uns erheblich schwer, unseren Besuch bei Didi in die Tat umzusetzen. Die wenigen Informationen sind zu dürftig, und der Ort ist zu groß, als das hier jeder, jeden kennt. Da wir leider die Handynummer in Kapstadt vergessen haben, bleibt uns nur übrig das Unternehmen abzubrechen.

Quer durch das Land wollen wir zu den Great Ruins fahren. Es gibt auf der Karte nur zwei Wege, die sind aber nicht im GPS eingezeichnet und es gibt auch kein Schild. Wir fahren orientierungslos 20 Minuten nach Süden und befragen einen jungen Mann, wo es den weiter geht. Jeremy erklärt uns, dass wir völlig falsch sind, wir nehmen ihn mit zurück in die Ortschaft Marondera. Von dem Landwirtschaftsstudenten erfahren wir, wie er die Situation der Farmer in Simbabwe sieht. Heute werden die Farmen aufgeteilt und jeder Farmer bekommt sechs ha Land. Sie haben es alle sehr schwer, weil kein Geld zur Verfügung steht und die Sanktionen doch heftig drücken. Trotzdem lässt der junge Student keinen Zweifel darüber aufkommen, dass die Art und Weise wie die Landrückgabe gelöst wurde, für ihn in bester Ordnung ist.

Von Jeremy erfahre ich auch, das Modimo immer weniger Anhänger in Simbabwe hat. Viele Menschen legen den traditionellen Glauben ab und hängen den neuen Kirchen an, weil die ein „Happy End“ haben, wie Jeremy sagt. Eine wesentliche Rolle trägt aber der afrikanische Animismus, die Beseeltheit aller Wesen und Dinge liegt neben einer komplexen Ahnenmythologie darin zu Grunde. Besonders beliebt sind jene Glaubensrichtungen die in einer gemischten Form das Althergebrachte mit dem Neuen verschmelzen.

Auf Anraten von Jeremy fahren wir die 70 km zurück nach Harare bis in das Zentrum und folgen dann der Ausfallstrasse nach Masvingo. Allein für den Eindruck, den wir nun von Harare bekommen, hat sich der Umweg gelohnt.

In Richtung Industriezone jenseits des Zentrums, verschwindet das Grün aus dem Stadtbild. Da stellt Harare eine afrikanische Stadt dar, wie jede andere auch. Der Busbahnhof ist überfüllt und für einen Außenstehenden ist das System des Anstehens völlig undurchschaubar. Die Dächer der uralten Omnibusse quellen über vor aufgehäufter Ladung. Drinnen sitzen die Menschen eng eingepfercht, wie Sardinen in der Dose. Das ist die andere Seite vom Leben in Harare. Viele Menschen strömen aus den Fertigungshallen in Richtung Busbahnhof. Die Straßenverkäufer an den Kreuzungen riskieren ständig ihr Leben zwischen den hupenden Autos. Selten funktioniert eine Ampel und es gibt kaum lesbare Hinweisschilder und dennoch, der Verkehr fliest, wir mit ihm, und bald rollen wir wieder über Land. Kaum aus der Stadt, sind es wieder Rundhütten, die den Menschen Wohnung und Heimat geben.

Der Landy braucht immer wieder mal einen kräftigen Schluck Kühlwasser um den schleichenden Tropfverlust auszugleichen.

Da es geregnet hat, ist es relativ grün, es gibt Flüsse und Dämme, man könnte vielleicht mehr erreichen wenn man wollte, viele ausgedehnte Flächen liegen brach.

Immer noch suche ich nach einer Trommel. An einem Stand neben der Straße erstehen wir Steinskulpturen aus Speckstein, eine typische Handarbeit in Simbabwe. Ach ja, die Yogamatten kommen zum Einsatz und die empfindsamen Figuren werden für die Reise nach Kapstadt darin eingewickelt. Uwe kann sich nicht entscheiden ob er die kniende, jedoch über einen Meter hohe, nachdenkende Frauenfigur, die mit einer Kugel (Reichsapfel) spielt, aber auch über einen Zentner wiegt, kaufen- und vor allem transportieren will. Sie ist sehr schön, aber sie bleibt wo sie ist.

   
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Skulpturen aus Speckstein haben Tradition Eines unserer Souvenirs aus Eisenholz
   

Das Unternehmen nahm soviel Zeit in Anspruch, dass wir erst bei Sonnenuntergang in Great Simbabwe eintreffen. Schade ich wäre gerne noch heute zur Great Enclosure (Grosse Einfriedung) gegangen. Seit vielen Jahren träume ich davon, die Ruinen von Great Simbabwe zu sehen und dort zu stehen, nun träume ich noch eine Nacht länger.

 

Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean Verstand (B. Pascal)

  

Sonntag, 2. Dezember 2007  

 

Great Simbabwe – Grenze Südafrika –Thipisa

 

Um vier Uhr bin ich wach und würde am liebsten schon aufstehen und loslaufen. Um fünf Uhr wird es langsam Tag und wir ziehen ohne Frühstück los. Erstes Ziel sind die Bergruinen. Verschiedene verschlungene Pfade führen auf die Erhöhung. In sportlichen 15 Minuten sind wir oben auf dem Berg. Die Sonne geht auf und taucht den rätselhaften Ort ein goldenes weiches Licht. Die kunstvoll und imposant aufgeschichteten, bis zu acht Meter hohen und fünf Meter dicken Steinmauern haben schmale, enge Durchgänge. Die Mauern bestehen aus aalglatten Flächen und haben runde Kanten. Nichts eckiges, obwohl die Steine eckig sind, stört die in sich ruhende abgerundete Harmonie, nichts Scharfes und nichts Spitzes findet sich.

Grosse Sanftheit liegt den errichteten starken Mauern inne, die sich in Perfektion an die, von der Natur vorgegebenen Steinblöcke schmiegen. Jahrhunderte haben sie überdauert. Wer hat sich die Mühe gemacht sie zu errichten, warum, wozu? Viele Forscher haben sich damit schon beschäftigt und keine befriedigende Antwort gefunden, die Ruinen von Simbabwe sind voller Mysterium.

Es gibt keine Beschilderungen, an Hand vom mitgeführten Buch finden wir die Eastern Enclosure, welche das Zentrum um den spirituellen Mittelpunkt der Bergruinen ausmacht. Das geistige Medium lebte wohl in der Recess Enclosure im südlichen Bereich. Anhand der Überreste braucht es nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen wie gewaltig die Mauern hier aufgebaut waren und welche magische Kraft dem Ganzen innewohnte. Stark beeindruckt wandern wir einen anderen Pfad hinunter und hinüber über den grasüberwachsenen Weg zur Großen Einfriedung, Great Enclosure. 

   
Great Simbabwe Der konische Turm ohne Hohlraum
   

Der äußere Mauerring hat einen Umfang von 255 m. Die Mauern sind unten bis zu sechs Meter breit und verjüngen sich nach oben auf drei Meter Stärke. Die Wucht, Macht und Stärke des imposanten Mauerwerks wird wie bei den Bergruinen durch die absolute weiche und harmonische Anordnung der Steine verwischt. Keine Disharmonie stört die hier in perfekter Symbiose arrangierten starken Gegensätzlichkeiten.

Das Harte trägt das Weiche mit gleicher Selbstverständlichkeit in sich, wie das Mächtige und Trutzige dieser Anlage aus dem Kleinen, nämlich vielen kleinen Steinen, entspringt.

Die gesamt Erscheinung der Mauerringe ist erhaben und anmutig, das Rätsel von Great Enclosure ist beeindruckend. Unter anderem wird angenommen, dass die runde Plattform an der im Jahre 1902 hunderte Kilos Rinderknochen gefunden wurden wohl der Opferplatz war. Eine erhöhte Plattform diente Initiationsriten. Gleich daneben befindet sich der symbolträchtigste Baustein der Anlage. Der 10 Meter hohe konische Turm, das Wahrzeichen der Ruinen behält allen Forschern zum Trotz sein Geheimnis für sich und gerade dies macht ihn so besonders. Unten fünf Meter im Durchmesser verjüngt er sich nach oben auf zwei Meter. Er bietet keinen Platz für ein Grab und keinen für Schätze, er ist durch und durch aus Stein und Kies. Er bietet sehr viel mehr, nämlich Platz für Spiritualität, Träume, Hoffnungen und Hypothesen.

Die Talruinen, sind ebenso wie die ältesten Teile der Great Enclosure im 13. Jahrhundert entstanden, 42 hochrangige Haushalte sollen hier gelebt haben, während in der großen Einfriedung wohl der König zu Hause war. Bei verschiedenen Ausgrabungen wurden Stücke gefunden, die bis in den vorderen Orient weisen. Auch der Specksteinvogel, heute Staatssymbol und Schmuck auf der Landesfahne, wurde hier gefunden. Ich löse mich schwer aber zufrieden von diesem besonderen Platz und nach dem späten Frühstück fahren wir in Richtung Südafrika.

   
Ein letzter Blick auf die wuchtige Mauer Ob das Fendttraktoren sind?
   

300 Kilometer bis zur Grenze bei Beitbridge – Messina, bis dahin reicht der Diesel. Die Landschaft zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Die Höhenzüge sind rund erodiert, große Steinblöcke liegen auf den Feldern, in junge Maispflanzen eingebettet. Wie in einem großen Steingarten sieht es hier aus. Dann und wann sind an der Straße Stände mit Handarbeiten, Schnitzereinen aus Speckstein und Holz, aber keine Trommel. Ein kurioser Elefant aus Eisenholz findet sich auf dem Dach des Landys wieder.

Auf der Fahrt zur Landesgrenze häufen sich die Polizeiposten. Eben freuen wir uns noch an der Gegend, schon werden wir wieder von der Polizei angehalten. Bisher verliefen diese Kontrollen immer problemlos, aber diesmal bekommen wir Ärger. Die füllige Polizistin sieht auf den ersten Blick dass der Internationale Führerschein von Uwe seit vier Jahren abgelaufen ist, den gültigen Nationalen hat er nicht dabei. Da wir dazu auch noch keine Autoversicherung des Landes Simbabwe vorweisen können, heißt es für uns erst mal auf dem Seitenstreifen parken. Dann kommt es Dicke, mit der Versicherung will die Polizistin noch ein Auge zudrücken, wenn wir nach Masvingio zurück fahren und eine abschließen. Listig lächelnd nimmt sie zur Kenntnis, dass wir für dieses hin und her von 200 km nicht ausreichend Diesel mitführen. Schweißperlen tanzen auf ihrer hochgezogenen Stirne. Dann erklärt die Dame mit stechendem Blick und siegessicherem Grinsen für das Fahren ohne gültigen Führerschein wird sie Uwe in Arrest nehmen und er muss mit zum Boss. Dieser sitzt im Schatten unter einem großen Baobab und peilt mit der Radarpistole die Schnellfahrer an. Das Gespräch verläuft mit ihm auch nicht anders, als mit der Polizistin und am Ende steht wieder die Frage „what will you offer me“, heißt soviel wie: „ was möchtest du mir zahlen damit ich dich weiterfahren lasse.“ Wir müssen uns entscheiden, hier kommen wir nicht ungeschoren davon. Beiläufig frage ich die Polizistin, wie sie sich das denkt, wohin sie uns mitnehmen will für den Arrest, und wie lange. Sie lacht über das ganze Gesicht und ihre weißen Zähne strahlen, ich bin wieder unsicher, ob das hier Komödie ist oder bitterer Ernst. Es zupft uns dann „freiwillig“ einige Rand aus der Reisekasse und wir fahren weiter. Bis zur Grenze passieren wir noch zwei Kontrollen, diese aber unbeschadet. Unsere Gemüter beruhigen sich sehr schnell, denn in einer deutschen Verkehrskontrolle wären wir in dieser Situation mehr Geld losgeworden und sicher nicht weiter gefahren.

   
Endlos langer Zuckerrohrtransport Im Limpopo Kalaharibecken wieder Baobabs
   

Das Gewusel bei der Abfertigung in Simbabwe – Beitbridge gleicht, durch die vielen Fußgänger einem Ameisenhaufen. Das Befahren der Brücke nach Südafrika über den Limpopo kostet 10 US$. Dann folgen die Formalitäten mit dem Carnet und schließlich verlassen wir zwischen zwei langen LKW Schlangen das Land. In beide Richtungen reisen genauso viele beladene Brummis ein, wie auch aus. Wo fahren sie ihre Fracht hin? Wie wir gesehen haben, sind die Geschäfte im ländlichen Bereich leer, lediglich Harare scheint etwas besser versorgt.

Im Anschluss an die südafrikanische Abfertigung gibt es schon an der Straße für die Ankömmlinge aus Simbabwe vieles zu kaufen. Der Ort Messina bietet die komplette Versorgung. Am Ortseingang prangt folgender Schriftzug auf einer Werbetafel. „We know why you are in South Africa, because life in Zimbabwe is murder now.”

Wir erreichen Tshipise, ein schönes Ferienresort, es verfügt über schwefelhaltige Quellen. Die Sterne leuchten, während ich einsam durch das heiße Wasser treibe und von Great Simbabwe träume.

 

Zwei Könige fahren nicht in einem Kahn (Sudan)

              

Montag, 3. Dezember 2007

 

Tshipise – Krüger Park - Shingwedzi

 

Aus dem benachbarten Safarigebiet dringt nachts das schaurig schöne Gebrüll eines Löwen zum Camp.

Im Osten liegt das Pafuri Gate des Krügernationalparks. Die roten Ausläufer der Kalahari ziehen sich bis Tshipise. Die Erde ist rot, unter großen Baobabs stehen Rundhütten, auf den Feldern wird Getreide angebaut, Ziegen und Kühe sind gut genährt. An der Straße kaufen wir Tomaten, eine Wassermelone wandert auch in das Auto. Ein Mangoplantage zieht sich über viele Kilometer an der Straße entlang. Dann beginnen die, mit hohen Zäunen eingefriedeten Safarigebiete.

   
Hot Springs von Tshipise Wasserbüffel
   

Noch weiter im Norden des Krügerparks, unweit des Pafurigates, liegt ein Restcamp, dort wollen wir eine Pause machen und staunen nicht schlecht. Alles ist voller Menschen, ein großes Grillfeuer lodert und die dazu gehörende Rauchwolke steigt in den blauen Himmel. Nach vielen einsamen Tagen in den National Parks von Simbabwe sind wir den Umtrieb gar nicht mehr gewohnt und ziehen uns zurück. In Richtung Süden werden wir einen anderen Platz finden. Neben Elefanten, Büffeln und Kleinantilopen sehen wir eine Nyalagruppe. Die Weibchen sind schön gezeichnet, die Männchen wirken schon regelrecht gockelhaft aufgetakelt.

   
Nyalafamilie Warzenkeiler
   

Der Grundstein für den 19 485 km² großen und ältesten Park wurde schon 1898 gelegt, bereits 1926 folgte die offizielle Eröffnung. Im Norden begrenzt ihn der Limpopo und im Süden der Crocodilefluss.

Südafrika, Mosambik und Simbabwe begründen 2002 den grenzübergreifenden Great Limpopo Transfrontier Park. Damit steht den Tieren nun eine Fläche von 100 000 km² für grenzüberschreitende Wanderungen zu Verfügung. Alle Campingplätze verfügen über den gewohnt, gepflegten südafrikanischen Standart. Während das Büffelsteak in der Pfanne brutzelt fängt es an zu gewittern. Uwe baut das Vordach auf und wir sitzen gemütlich unterm Vordach.

Neben den steten Regentropfen ist das entfernte Brüllen eines Löwen zu hören. Wieder einmal sind die Katzen da und doch nicht da.

 

Klage nicht darüber, dass Gott den Tiger erschaffen hat, sondern danke ihm, dass er ihm keine Flügel gegeben hat. (Anhara)

  

Dienstag, 4. Dezember 2007

 

Shingwedzi – Letaba - Olifantscamp - Balule

 

Ein kalter nasser Morgen, Uwe hat Geburtstag. Den Tag fahren wir gemütlich durch den Park und schauen uns Tiere an. Für die Nacht buchen wir das weniger frequentierte Balule Camp. Der Platz ist schön, eine Hyäne schleicht an das Camp. Das Nyala, heute in der Pfanne hat einen guten Biss. Die Löwen brüllen über dem Fluss, wieder einmal sind die Katzen nur zu hören. Aber meine gesteigerte Konzentration auf die Löwen lässt sie mich schon in jeder nervösen Zuckung einer Antilope sehen.

   
Kaum ist das Nyalasteak in der Pfanne taucht auch schon eine Hyäne auf
   

Zurück in Südafrika beschäftigen wir uns noch einwenig mit dem Zahlenwerk des Landes. Die genaue Lage 22 - 35 Grad südliche Breite, 17 bis 33 Grad östliche Länge. Das Klima von subtropisch bis mediterran. Die Gesamtfläche des Landes beläuft sich auf 1.219.912 qkm. Das macht ungefähr 3,4-mal die Fläche von Deutschland. Die einzelnen Provinzen sind das Eastern Cape, Free State, Gauteng, KwaZulu-Natal, Mpumalanga, Northern Cape, Limpopo, North-West Province und das Western Cape. Die Hauptstadt ist Pretoria. Dort leben 1 Million Menschen, den Großraum mit eingeschlossen sind es über 2 Millionen. In Südafrika leben über 47,85 Millionen Menschen, jährlich werden es 1,06% mehr und die Bevölkerungsdichte beläuft sich auf 39,2 Einwohner pro qkm. Etwa 1 Million Deutschstämmige sind in Südafrika zuhause und ca. 100.000 sind deutsche Staatsangehörige.

 

Du weißt nicht wie schwer die Last ist, die Du nicht trägst (Westafrika)

 

Mittwoch, 5. Dezember 2007

 

Balule – Skukuza –Lower Sabie

 

Früh um 6 Uhr gehen wir auf Löwensuche. Im Hauptcamp Skukuza, das schon fast Jahrmarkt Charakter hat, fühlt man sich gar nicht mehr im Tierpark. Zwei Museen, Flughafen, Supermarkt, Ärzte, Golfplatz, Bank, Autovermietung, Post, verschiedene Lokale, Internet und 1000 Übernachtungsplätze für Besucher.

   
Elefantenherde kreuzt den Fluss Wer ist der Stärkere
   

In Lower Sabie buchen wir die Nacht. Heute wird der Geburtstag von Uwe nachgefeiert. Ein schöner Blick über den Fluss macht das Buffet in der Lodge doppelt schmackhaft. Durch ein Gespräch mit dem Nachbartisch erfahren wir einiges über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Südafrika. Das will ich dann genauer wissen und lese nach. Deutschland ist einer der wichtigsten Lieferanten für Investitionsgüter und den Bereich Technologietransfer. Schwerpunktbranchen für die Direktinvestoren sind neben dem Automobilsektor, die chemische Industrie, der Maschinenbau und die Elektrotechnik. Das Handelsvolumen 2006, betrug 11,567 Mrd. Euro. Darüber hinaus verbindet Deutschland und Südafrika die Entwicklungsarbeit in den Bereichen Berufsbildung und Regierungsführung. Natürlich fließt auch Geld. Für den Zeitrahmen 06/07 waren allein für technische Zusammenarbeit 27 Mio. Euro zugesagt.

Du hast drei Freunde auf der Welt: Mut Verstand und Weisheit. (Fon)

 

Donnerstag, 6. Dezember 2007

 

Lower Sabie – Nelspruit – Pretoria

 

Um 4 Uhr 30 verlassen die ersten Autos den Platz, es geht zu wie im Taubenschlag. Der Himmel ist bedeckt und auch wir fahren los Tiere suchen. Das Wetter will nicht so recht, immer wieder regnet es, das besondere Tier heute, ein riesiges Nashorn. Am Malelanegate reisen wir aus, in Richtung Johannesburg. Nach mehreren erfolglosen Telefonaten, erreichen wir dann Tork und Eva. Wir haben uns sehr lange nicht mehr gesehen. So beschließen wir spontan, den schon lange angekündigten Besuch in Pretoria einzufügen. Die 350 km nach Pretoria gestalten sich wegen der abwechslungsreichen grünen und hügeligen Landschaft kurzweilig und schnell erreichen wir die Metropole.

Der Landy ist zu hoch beladen, um ohne weiteres durch das hübsche Tor der Wohnanlage zu passen. Erst nachdem der Elefant abgeladen, Luft aus den Reifen gelassen, die Emu Stoßdämpfer mit einem Ratschenband zusammen gezogen sind und zwei Männern auf dem Heck stehen rutscht das Auto schließlich in den gesicherten Bereich. Kennengelernt haben wir Eva und Tork in Malawi bei unserer Afrikadurchquerung. Wir verbringen zusammen einen gemütlichen Abend.

 

Freunde sind wie Sterne in der Nacht; auch wenn sie manchmal nicht zu sehen sind, weißt du trotzdem, dass sie da sind. (aus Indien)

 

Freitag, 7. Dezember 2007

 

Pretoria – Mosselsport bei Bloemfontein

 

Am Morgen tropft es nicht nur vom Himmel, sondern auch mal wieder aus dem Landy, aber kein Wasser, sondern ölige Substanz. Schnell stehen Tork und Uwe im Blaumann am Auto. Sie eruieren das Problem und die Notoperation folgt, Öl wird in das Lenkgetriebe nachgefüllt. Die Lenkung stand leicht schief und das Lenkgetriebe scheint sich einfach ausgekotzt zu haben, das nachgefüllte Öl bleibt da, wo es hingehört.

   
Abschied bei Eva und Tork Wagenburg um das Vortekkermonument
Johannesburg Warnung vor gefährlichen Objekten nahe der Townships?!
   

Wir machen uns wieder auf den Weg, die grüne Gartenstadt Pretoria hat viel Charme. Im Vortrekker Denkmal ist die anfangs besprochene Geschichte der Burentrecks kunstvoll in Marmor gehauen. Um sich tief in die Geschichte zu versenken dient das ansehnliche Museum vortrefflich. Der Blick von hoch oben, über die Stadt lohnt den Besuch auch bei Regen.

Die Metropole Johannesburg ist um die Mittagszeit problemlos zu durchfahren. Bedrohlich wirken nur die regenschweren Wolken hinter den spiegelverglasten Hochhäusern. Von der M1 sehe ich von oben in die Straßenzüge. Wie Spielzeugautos stoppen die Fahrzeuge an den roten Ampeln, und flitzen bei grün weiter durch die Häuserschluchten. Gelbschimmernde Abraumhalden ziehen sich bis an die Randbereiche der Stadt. Die zu Soweto gehörenden Wohnbereiche erstrecken sich entlang der Autobahn.

Die N 1 führt durch ausgedehnte, ebene und grüne Farmlandschaften. Auf der Höhe von Bloemfontein, der Hauptstadt vom Staat Free State, biegen wir links ab zum Mosselsport Resort, noch 12 km. Dann narren mich meine Augen, ich sehe drei Löwen. Uwe setzt leicht genervt zurück. Er ist müde, aber mit einem Schlag nicht mehr. Zeitgleich mit dem Ausdrehen des Zündschlüssels, wenden sich drei bemähnte Löwenköpfe synchron in unsere Richtung. Aufgeregtes Gebrüll dröhnt aus einem Busch, aber der Zaun zwischen uns und den Tieren ist hoch. Der Eigentümer erklärt, die Löwen sollen sich hier in Gefangenschaft vermehren. Er hält wohl an die 30 Tiere aller Altersklassen. Neben verschiedensten Antilopen, streicht auch ein Tiger durchs Gebüsch.

   
Da braut sich was zusammen Wie ist das noch mal mit dem Faradayschen Käfig?
   

Während das Kudusteak in der Pfanne schmort zieht ein Unwetter auf, wieder mal. Dann entlädt sich krachend, hell- wie Artilleriebeschuss ein windstilles, trockenes Gewitter über dem Platz. Plötzlich verlöschen die Lichter auf der Anlage, alles versinkt in Dunkelheit. Nur das Leuchten der Blitze erhellt die Nacht, nach über einer Stunde fällt endlich der erlösende Regen.

 

Glücklich sind die, die sich selbst genügen. (Zulu)

 

Samstag, 8. Dezember 2007

 

Mosselsport, Bloemfontein – Graff  Reinet

 

Planmäßig wollen wir heute nach Plettenbergbay, Jutta und Klaus besuchen. Aber die Löwen, ziehen Uwe wieder magisch in ihren Bann. Die halbwüchsigen Tiere kommen bis an den Zaun, legen sich auf den Rücken und bieten schnurrend ihren Bauch zum Kraulen an. Da gerät ein Katzenliebhaber natürlich ins schwärmen und unser Tagesziel rückt in weite Ferne.

So erreichen wir die 22 km entfernte Hauptstadt von Free State, Blomfontein gerade rechtzeitig zu einem zweiten Frühstück. Über Colesberg und Middelburg gelangen wir bis zum Abend nach Graaff Reinet. Das Städtchen ist das Kleinod der Karoo, 663 Meter über dem Meer, nach Kapstadt noch 657 km. Der Ort am Fuß der Sneeuberge liegt in einer großen Schleife des Sunday Rivers und lohnt alle mal einen Aufenthalt. 200 denkmalgeschützte Häuser untersteichen die Architektur der letzten Jahrhunderte. 1786 gegründet trägt der Ort seinen Namen nach dem Gouverneur Graaff und seiner Frau C. Reinet. Nicht verpassen sollte man einen Abstecher in das Valley of Desolation, umfassende Ausblicke auf die Sneeuberge und die große Karru bieten sich von hier. Noch einpaar Daten zu Südafrika. Seit 2000 ist das Kulturabkommen zwischen Deutschland und Südafrika in Kraft getreten. Darin finden sich audiovisuelle Gemeinschaftsproduktionen, von  Hochschulen und Wissenschaftskooperation wieder, daneben sportpolitische Arbeit und ein Kulturaustausch. Dieser erstreckt sich von der Zusammenarbeit mit der Berlinale, über die Förderung deutscher Sprache, bis zur Unterstützung beim Aufbau neuer Medien. Verschiedenen Lehrstühle sind vertreten und das Auswärtige Amt fördert Projekte zur Erhaltung des kulturellen Erbes in Südafrika.

 

Schweigen ist auch eine Sprache (Fulfulde)

 

Sonntag, 9. Dezember 2007    

 

Graaff- Reinet – Plettenbergbay

 

Die Landschaften in Südafrika sind beeindruckend und die Möglichkeiten gestalten sich vielfältig. Ohne Umwege fahren wir nach Plettenbergbay um Jutta und Klaus in ihrem gemütlichen Zuhause zu besuchen.

Die Stadt in der Provinz Westkap, liegt am Indischen Ozean. Jede Bucht hier gleicht einem malerischen Bild, wunderschöne Parks und Naturlandschaften sind in der Umgebung. Die portugiesischen Entdecker nannten die Plettenbergbucht, Bahia formosa, heißt so viel wie schöne Bucht. Der Ort diente ihnen als Station auf dem Weg nach Indonesien, damals Niederländisch- Indien. Ab 1920 auch war Plettenbergbay auch Standort für die Walfänger. Der Name kommt vom Baron Joachim van Plattenberg. Er war von 1774 bis 1785 Gouverneur der niederländerischen Kap-Kolonie. Die starken Regenfälle haben da und dort Flüsse über ihre Ufer treten lassen und die Gegend stark verwüstet.

Klaus erzählt uns sein, in diesem Zusammenhang erlebtes jüngstes Abenteuer, das mit der Anschaffung eines neuen Autos endete. Als die Regenfälle immer heftiger wurden, hatte er sich mit dem Fahrzeug auf den Weg gemacht, seinen Freund, der alleine außerhalb auf einer Farm wohnt zu besuchen. Die Durchfahrt eines Wasser führenden Baches kam Klaus nicht gefährlich vor. Das Wasser kam nicht sehr tief vor. Erst schien alles gut zu gehen, aber die Strömung war so stark, das der Wagen wie ein Blatt abgetrieben wurde. Viel Glück im Unglück war an der Seite von Klaus. Sein Auto blieb in Schieflage an einem Baum hängen. Der Wasserpegel im Auto stieg blitz schnell, also nichts wie raus. Unser Freund hatte noch mehr Glück. Ein weiterer Fahrzeugführer, der zufällig vorbei kam, erkannte die Notlage von Klaus sofort und reichte Seil und Haken. Klaus musste richtig tief tauchen, um an der Anhängekupplung seines Autos das Seil zu befestigen, aber es gelang. Brille, Handy, Auto alles Schrott. Da die Farm des Freundes in der Nähe war wurde das Auto dahin abgeschleppt. Die liebe Frau von Klaus wunderte sich nicht wieso ihr Mann in den viel zu großen XXXL Klamotten seines Freundes nach Hause kam, sie wurde per Telefon informiert. Alles ist gut ausgegangen und Klaus fährt jetzt einen schönen Land Rover.

Von hoch oben genießen wir den Blick auf die Bucht von Plettenberg und haben einen Verwöhn- und Ruhetag vor uns. Das ist Urlaub in reinster Form. Wir werden rundherum genussvoll versorgt und nehmen uns beim Einschlafen fest vor, schnellstens wieder zu kommen.

 

Wer getragen wird, weiß nicht, wie weit die Stadt entfernt ist (Nigeria)

 

Montag, 10.Dezember 2007

 

Plettenbergbay – Bontebok Park bei Swellendamm

 

Nach dem wir herrlich im Himmelbett geschlafen haben, frühstücken wir ausgiebig und genießen dabei den fantastischen Blick über das Land. Dann reißen wir uns los und dampfen ab, denn umtriebig wie wir sind, wollen wir dem Stalldrang gehorchend weiter nach Kapstadt reisen. Bis dahin sind es noch 600 Kilometer.

   
Südafrika, Land der Extreme 1. und 4. Welt prallen aufeinander
   

Wir folgen der bezaubernden Gardenroute. Die Gegend ist eines der touristischen Highlights in Südafrika und gut besucht. Das heißt deutlicher ausgedrückt, es ist sehr hübsch hier, aber alles ist auf Touristen ausgelegt. Wie Perlen einer Kette, folgen die hübschen Orte Knysna, Mossel Bay, George aufeinander. In allen Orten haben wir in den letzten Jahren schon Zeit verbracht, und einiges was man als Gast angeboten bekommt ausprobiert. Unsere Erfahrung ist, dass man als Urlauber hier sehr gut aufgehoben ist und sich sicher und wohl fühlen kann. Sei es beim Wandern im Tsitsikama Nationalpark, paddeln auf dem Gaukamariver, baden am Meer oder Radfahren im Garden of Eden. Einen Abstecher nach Outshoorn, zu den großen Straussenfarmen können wir nur empfehlen. Wir sind mit der historischen Dampflok von George nach Wilderness gefahren, das war ein super Erlebnis. Die heftigen Regenfälle der letzten Zeit haben die Linie vorerst lahm gelegt, da ein verheerender Erdrutsch die Gleise auf langer Strecke weggerissen hat. Das Angebot für Feriengäste ist unglaublich vielfältig und es bietet sich für jeden Geschmack etwas. Die Südafrikaner sind zudem ausgesprochen kinderfreundlich und Familienorientiert.

Wir campieren im Bontebok Park bei Swellendamm. Das Camp am Fluss führt uns noch mal tief in den Busch zurück, wir sind hier ganz alleine. Ich bin glückselig mit diesem Lagerplatz. Das Wasser vom Fluss rauscht, Vögel zwitschern, Grillen zirpen, ein paar Mücken gibt es auch und Einsamkeit pur. Uwe nerven der weite Weg zum Bad und der viele Sand. Es wird anscheinend Zeit, zurückzukehren in die Zivilisation.

 

Alles hat seine Zeit, die Freude und die Trauer, dass Unterwegssein und das Nachhausekommen!

 

Dienstag, 11.Dezember 2007

 

Swellendamm - Bontebok Park – Kapstadt

 

Sehr früh sind wir heute schon unterwegs. Die Straße nach Asthon führt entlang der Langeberge. Der Ort liegt am Breede River. Neben Obst wird hier auch Wein angebaut und zwei große Konservendosenfabriken umrahmen das Dorf.

   
Bontebok Hotsprings von Montagu
   

Wir machen einen Abstecher nach Montagu. Ein kleiner Pass führt über die Bergkette zum besagten Platz, der eine Hochburg der Trockenobstindustrie ist. Wir decken uns für die nächste Zeit ein, mit allem was sich an getrockneten Früchten bietet. Montague ist ein lieblicher Fleck, mit beschaulicher Atmosphäre. Wunderhübsche, alte kapholländische Häuschen bestimmen das Straßenbild. Viele Künstler haben sich hier nieder gelassen, es braucht ein wenig Zeit für den bezaubernden Ort. Wir empfehlen nicht gerade den Sonntag für einen Besuch. Im warmen Thermalwasser, welches ein Vortrekker entdeckt hat, lassen wir den Staub der letzten vier Wochen aus uns heraus waschen. So erreichen wir Stunden später, mit porentief gereinigter Haut, den Ort Robertson, wo eine Weinprobe obligat ist. Dann machen wir uns auf den Weg nach Kapstadt. Wir nehmen die Route über den Toitsklofpass. Schon oft sind wir mit dem Rad hier lang gefahren. Diese Erinnerungen geben uns verstärkt das Gefühl von Zuhause anzukommen. Die von vielfältigsten Eindrücken gefüllten letzten vier Wochen ziehen noch mal an uns vorbei. Immer wieder hören wir uns gegenseitig sagen: " weißt du noch…?" Wir haben die Tour sehr genossen und während wir am späten Nachmittag im täglichen Feierabendstau stehen, freuen wir uns gesund wieder zurück zu sein.

   
Bei der Ambergalm gibt’s Allgäuer Schmankerl Blick auf Kapstadt
   

Jeder Mensch empfindet Afrika unterschiedlich, dieser Umstand garantiert immer viel Gesprächsstoff. Es war eine buntgemischte Reise entlang des afrikanischen Alltags, der afrikanischen Mystik, quer durch die Geschichte, zu flüchtigen Begegnungen mit Menschen, Naturschönheiten und Rätseln. Wenn man gut hinhört, erfasst man die Stimme Afrikas und für den, der mit Liebe und offenem Herz reist, ist Afrika gut verständlich. Für den, der Afrika hören will, spricht es eine klare, unmissverständliche Sprache.

Während der ganzen Reise war das Thema Trommel in irgendeiner Form präsent. Gegen Ende der Reise habe ich doch noch eine Trommel gefunden, eine gebrauchte Bongotrommel. Sie erzählt: „Wenn Du mich berührst wirst Du das klopfende Herz Afrikas hören. Ich spreche verschiedene Sprachen, viele Lieder habe ich schon gesungen und ich verfüge über abwechslungsreiche Stimmen. Neben den hilflosen, wimmernden Lauten eines Neugeborenen, sprach ich die zärtlich und verführerisch klingende Sprache einer jungen Geliebten. Ich sang auch den selbstbewussten Ausdruck einer reifen Frau, in deren kehliges Lachen die herumstehenden Männer einstimmten.

Das klagende, verzweifelte Weinen tief trauriger Menschen ruht ebenso in mir, wie der leise Hauch des Windes und das Wispern des Steppengrases.

Ich habe das angstvolle Fiepen eines Antilopenkalbs geboren und das warnende Zischen der Speikobra. Es wuchs neben dem wütenden Trompeten, des eigentlich sanften grauem Riesen, dem Elefanten, auch das kraftvolle Brüllen des Löwen, dem mächtigsten Tier in Afrika, aus mir.

Ich beherberge das wilde Kleine genauso, wie das bedachte Grosse. Das unzerbrechliche nachgiebige Weiche führe ich wie das fragile Harte. Das undurchschaubare Helle und das durchdringende Dunkle trage ich genauso selbstverständlich und vertraut in mir, wie das Ernste und das Unbekümmerte, ich vereine Alles.

Ich bin eine klassische Bongotrommel und nicht anspruchsvoll. Aber ich möchte bitte nicht am Boden stehen wenn ich gespielt werde. Am Besten ist es mich zwischen die Beine zu nehmen und ausschließlich! Mit den Fingern und Handflächen zu berühren. Gib acht, dass ich nicht feucht werde, denn dann werde ich heißer und verliere meinen Klang. Passiert es doch mal, dann stell mich in die Sonne zum Trocknen, dass habe ich am Liebsten, weil ich ja aus Afrika komme. Aber ich erhole mich auch in einem warmen Zimmer.

Nun bin ich für Dich da und freue mich darauf mir Dir zu sein: Für Dich und mit Dir zu fühlen, zu sprechen, zu klagen, zu lachen, zu weinen, zu jubeln, zu schreien, zu flüstern, zu schweigen, zu denken, zu spüren…Ich bewahre meine Stimme für Dich und singe Deine Lieder – sie werden unsere Lieder, Deine Stimmungen – sie werden unsere Stimmungen, - vorausgesetzt, dass Du mich berührst, lass uns nicht sprachlos leben, deine Trommel."

 

Kapstadt -> Grenze Botswana Botswana bis Grenze Simbabwe Simbabwe bis Grenze Südafrika Südafrika bis Kapstadt Diashow


 

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