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Transalp

 Viele Berge

Fünf Sterne Königstour
 

Fernsicht von der Brenner Grenzkammerstraße

13.08.2009 – 26.08.2009

Teilnehmer: Gabi Christa und Uwe Scharf

 

Wo ging es lang? Um die Tour auf Google Earth anzusehen, klicke bitte auf nachfolgenden Link:

Track auf Google Earth, Transalp 2009 mit dem Mountainbikes. 14 Tage von Füssen / Allgäu nach Rovereto / Italien, 257 kb


 

Transalp, schon wieder!

Die Erste war zum Kennen lernen.

Die Zweite war auf der Haupteinfallsroute und hat den Wunsch geweckt auf die „viele Berge“ Tour.

Die Dritte, die „Viele Berge“ war eine Königstour und dass wir sie am Ende mit fünf Sternen versehen werden, dass wussten wir vorher nicht.

Unser empfehlenswertestes Buch ist das Buch „Traumtouren Transalp“ v. Ulrich Stanciu, erschienen im Delius Klasing Verlag.

 

Donnerstag, 13.08.2009

Füssen – Jägerhütte – Schützensteig – Plansee – Ehrwald – Gaistal – Mittenwald  


Abfahrt in Buching um 6:30 Uhr, bei 13° Celsius. Das geht gerade noch in kurzen Hosen. Eine Nebelbank schwebt über dem Bannwaldsee, es wird abrupt kälter. Still ist es, der See liegt unter dem Nebel wie ein blank geputzter Spiegel.

Start in Buching Blick auf den Bannwaldsee im Frühnebel

Uwe hat die letzten Wochen gut trainiert, während ich von einer Nierenbeckenentzündung zur nächsten wechselte. Damit war ich regelrecht ruhig gestellt. 10 Tage Penicillin, gestern Abend die letzte Tablette. Das Medikament hat eine morgendliche Übelkeit zur Folge, wie sie wohl Schwangeren bestens vertraut ist. Ich habe nichts Unrechtes gegessen und dennoch will es wieder nach draußen gespuckt werden. Mit  Genuss zu essen, das wird schon wieder, jetzt ist erst genussvolles Radfahren angesagt.

Hohenschwangau, das Dorf der Königschlösser. Millionen Menschen besuchen die prächtigen Bauten jedes Jahr, jetzt um 7 Uhr früh ist noch niemand da. Ein dampfendes Pferdegespann wartet schon auf Touristen, der Kutscher ist wohl noch im Hotel Lisl auf einen Kaffe eingekehrt. Vom Schloss Neuschwanstein fahren wir hoch auf die Marienbrücke. Mit dem Rad ist das streng verboten, aber so früh ist noch niemand da, der sich daran stören könnte.

Blick von der Marienbrücke auf Schloss Neuschwanstein

Die Gegend hier kennen wir sehr gut, doch wir wollen unsere Transalp über die Berge und durch die Täler des Alpenhauptkamms von zu Hause starten. Von der Marienbrücke bietet das Märchenschloss einen ungewohnten Anblick. Wie von Christo damals der Reichstag eingehüllt, ist das Schloss zu Renovierungszwecken fast perfekt verhangen.

Die Sonne durchbricht die Wolken und taucht die Weidefläche von der Bleckenau Alm in ein goldenes Morgenlicht. Auf den großen Huflattichblättern schimmern riesige Tautropfen, wer ganz genau hinsieht kann sich darin erkennen. Der Rucksack ist so schwer, dass ich Uwe nötige um 9 Uhr früh eine Tomate zu essen und noch eine, und noch eine. Er will gar nicht, aber ich brauche Platz im Rucksack und er wird leichter. Für den steilen Anstieg zur Jägerhütte müssen die Windjacken verstaut werden, schwitzen ist angesagt.

Es hat diese Nacht geregnet und die Traumabfahrt über den Schützensteig ist ein schlüpfrig feuchtes Vergnügen. Ganz dosiert heißt es über die Wurzeln und blanken Steine die Bremsen einzusetzen.

Wie eine Patina aus Schmierseife liegt die Nässe auf dem viel begangenen Weg. So ist am heutigen frühen Morgen dieser supertolle Trial leider kein großer Genuss.

Abfahrt vom Schützensteig An diesem Morgen schlüpfrig wie Schmierseife

Das Hotel Ammerwald ist immer noch im Bau. Ob es weiterhin ein Clubhotel von BMW bleibt, ist unersichtlich. Aber groß und mondän wird es. Ab hier heißt es die Jacken wieder anziehen, einige Kilometer entspanntes Rollen auf Teer bis zum Plansee. Taucher entsteigen dem klaren, kalten Bergsee. Sie erzählen von Flusskrebsen und einem Schlitten der da unter Wasser liegt.

Hoch ragen die Gipfel der Geierköpfe und die Kreuzspitze in den blauen Himmel. Entlang einem unverbauten Wildbach fahren wir hinunter in das Ehrwalder Becken und weiter Richtung Ehrwald. Man kann auch bequem mit der Bahn zu Ehrwalderalm hinauf gondeln. Langsam aber stetig strampeln wir berauf. Elend anstrengend ist das, die Männer, von denen wir im Dorf überholt wurden, winken uns gut gelaunt von den Gondeln herunter zu. Wir schwitzen, sehen die Blumen am Wegrand, riechen die Schwammerl, hören die Kuhglocken, ansonsten ist es ruhig. Zu plaudern fehlt uns die Luft. So sind wir stillschweigend unterwegs und jeder empfindet das Gefühl Rad fahren für sich. Gierig saugen die Klamotten den Schweiß auf. Wir kennen die Etappe und freuen uns schon auf die rauschende Abfahrt in das Gaistal. Diese lohnt die Mühe hier hoch zu fahren auf jeden Fall.

Uwe nagt am Hungerast, also suchen wir eine Ruhebank. Die Leutaschklamm ist auf Grundlage der Sage um den Klammgeist touristisch aufbereitet worden. Wir sinken auf einer schattigen Bank nieder. Das Rad der Zeit wunderschön auf einer alten Baumscheibe dargestellt.

Zu den Jahresringen die geschichtlichen Ereignisse von diesem Ort Lüftelmalereien in Mittenwald

Verschiedenste Ereignisse der Jahre 1785 bis 2006 sind bei den Jahresringen markiert. Der letzte Bär wird gesichtet, die Tiroler erheben sich unter Andreas Hofer gegen die Bayerische Herrschaft und Napoleon, schreckliche Hochwasser und die Besetzung des Leutaschtales durch die Alliierten Truppen. Alle diese Begebenheiten finden zusammen mit vielen anderen interessanten Historien einen Platz auf der riesigen Baumscheibe.

Die erwähnte Sage erzählt von einem Geist, der tief unten in der Klamm am Ende des Leutasch Tals haust. Jahrhunderte lang glaubten die Menschen, er sei ein Geist, der von den Gebirgen herabgestiegen ist und sich in der unzugänglichen Klamm versteckt hält. Andere vertraten die Ansicht, dass es sich um einen Dämon handelt, der als überirdisches Wesen mit Kobolden den Ausgang des Leutasch Tals bewacht. Diese Kobolde pflegten bei nächtlichem Regen zu wundersamer Musik zu tanzen, besonders im Frühjahr, wenn die Leutascherach voll mit Schmelzwasser ist und zu einem wahren Fortissimo  erwächst. Manchmal hat man den Klammgeist auch im Winter gesehen, wenn er über die Felder geflogen ist. Im Sommer hat er im Überfliegen das taufeuchte Gras des Sommermorgens mit sprühenden Goldfunken überzogen. Fußabdrücke konnte man keine finden sondern nur Gras, das wie Gold glänzte. Als die Menschen es berühren oder gar aufheben wollten, zerfiel es zu Asche.

Ein schöner Steig führt entlang des Höllenwassers, und Geisterwesen säumen die Erlebniswelt aus Stein und Wasser. Das ist wirklich sehr schön gemacht. Der Höhepunkt der Schlucht ist ein 23 Meter hoher Wasserfall. Wie in einem Hexenkessel sprudelt das Teufelswasser in den tiefen Gumpen.

Die Ortschaft Leutasch ist hübsch, ein typisches bayrisches Häuserdorf. Noch 12 Kilometer nach Mittenwald. Wir sind gut in der Zeit und haben keinen Stress, da die Unterkunft über das Internet schon vorgebucht ist. Der Rucksack ist immer noch schwer, obwohl sich das schwerwiegende Essen schon in den Waden verbrannt hat.

Die gebuchte Pension ist wie ausgestorben, niemand ist da. Das ist nicht lustig. Ich freue mich schon seit Stunden auf eine heiße Dusche. Wir fahren ins Dorf auf ein Getränk, telefonieren wieder und wieder zum Gästehaus. Endlich meldet sich die Wirtin, aber sie hat nichts frei, obwohl sie die Buchung vorliegen hat. Ihre lapidare Begründung lautet, na ja, die Onlinebucher kämen meistens doch nicht. Keine Entschuldigung, kein Wort davon, dass es ihr Leid tut. Ich bin sehr enttäuscht, müde fahren wir zum Verkehrsamt. Mittenwald ist völlig überfüllt. Hoffentlich bekommen wir überhaupt ein Quartier. Wir finden das Verkehrsamt, was für ein wahres Wort, Verkehr ist dort und ein reger dazu. Menschen drängeln sich an der elektronischen Informationstafel. Wir finden gleich eine Herberge und sind schon entschlossen, hinzufahren. Da raunt mir eine Stimme ins Ohr: „Tun sie das bloß nicht, dort ist es schrecklich, die Toilette ist im Einbauschrank!“ Ich drehe mich der eindringlich flüsternden Stimme zu, eine attraktive Frau steht mir Vis-a-vis. Sie klärt mich über den katastrophalen Zustand in diesem Beherbergungsbetrieb auf. Mehr durch Zufall kann mir im Amt weiter geholfen werden. 10 Minuten später beziehen wir eine Strasse weiter eine einfache und saubere Unterkunft mit reizenden Gastwirten.

Da wir auf dem Weg nach Italien sind, stimmen wir unsere Geschmacksnerven in einer Osteria auf Bella Italia ein. Mittenwald liegt, wie der Name schon sagt, wahrlich mitten im Wald. Das Abendessen beim Italiener artet zu einer Katastrophe aus. Nicht unbedingt das Essen, aber der arrogante Service. Die Nudeln waren gut, aber die Pizza bedurfte schon eines ordentlichen Schlucks guten Rotweins. Ausschlaggebend für das ermüdete Personal ist wohl die Schwemme an Italienern, die das Gebiet derzeit überflutet hat. Die Gastwirte haben keine Nerven mehr.

Der alte Ortskern von Mittenwald ist prächtig und der Rundgang lohnt sich. Die schmucke Ballenhausgasse ist ein einziges herrliches Ensemble aus oberbayerischen Gebirgshäusern. Sie sind verziert mit imposanten Lüftelmalereien, alter und neuer Meister. Im Giebel des Hornsteinhauses zeigt eine Malerei ein Stück biblische Geschichte. Die Enthauptung des Feldherrn Holofernes durch die schöne Judith. Die Pfarrkirche liegt im Zentrum und bildet mit ihren bemalten Türmen den Ortsmittelpunkt. Wer hätte das besser gekonnt als die Wessobrunner Meister, Joseph Schmutzer und sein Sohn Franz Xaver Schmutzer. Die Fassadenmalerei am Gasthof Alpenrose, zeigt die Krönung Marias. Mittig als Darstellung die fünf Sinne, darunter die Allegorien der vier Tugenden, Gerechtigkeit, Starkmut, Nächstenliebe und Weisheit. Hier zeigt sich Illusionsmalerei in Perfektion.

1487 – 1679 war Mittenwald Handelsplatz der venezianischen Kaufleute für levantinische Waren. Im Goethehaus, der ehemaligen Poststation, hat Goethe am 7.9.1786  auf seiner italienischen Reise genächtigt. Damit noch nicht genug der Superlativen dieses Dorfes mitten in den Bergen.

Besonders schön ist das Denkmal vor der Pfarrkirche von Mathias Klotz, er war von 1672 – 1678 in Padua. 1685 kehrte er nach Mittenwald zurück und gründete hier die erste Geigenmacherwerkstatt. Sogar der große W. A. Mozart spielte eine Geige aus der Werkstatt von Klotz. Mittenwald war neben Cremona, Wien, London, Paris, Mirecourt, Schönbach, Marktneukirchen und Füssen eines der Zentren des Geigenbaus.

Als wir von unserem Rundgang zurück sind, fallen wir mit Rotwein und Pistazien zum Dessert in das Bett. In der Hausbibliothek findet sich zwischen den dicken Ganghoferschinken, noch spannende Lektüre. Ich schlafe ein mit dem Satz:

 

Diejenigen, die durch die Wüste des geistigen physischen Hungers gegangen sind,
Menschen, die ein Jahrzehnt in der eisigen Einsamkeit einer geistigen Einzelzelle zugebracht haben,
sie verstehen die Wirklichkeit anders als jene, die tugendsam genug sind, um gut zu schlafen.
(aus Nietzsches „Zarathustra“)

 

Datum

Tages-KM

KM-Ges

Schnitt in Bew.

H Meter

HM – Gesamt

13.08.2009

88

88

12

1.543

1.543

 

Freitag, 14.08.2009

Mittenwald – Karwendel – Plumsjoch – Jenbach – Reith  

 
Es regnet die ganze Nacht. Ich habe nicht nur so meine Bedenken wie das Wetter wird, auch meine Beine sind am Morgen bleischwer. Lustig ist es beim Frühstück. Mit unseren Gastgebern philosophieren wir über den baldigen Untergang vom heute typischen Mittenwald. Grund dafür ist, für so manchen Alteingesessenen, das geplante 200 Betten 5 Sterne Hotel.

Am Morgen durchstreifen wir noch mal die Gassen.

Hinweis an der Grenzstraße Mittenwald Scharnitz Aufstieg ins schöne Karwendeltal

Dann fahren wir weiter nach Scharnitz und von dort in das traumhafte Karwendeltal. Der Karwendelbach rauscht vernehmlich, der Himmel ist von dicken Wolken verhangen, Pfifferlinge sprießen am Weg. Ich kann mich nicht bremsen und esse davon. Roh genossen schmecken sie stark nach Pfeffer und entfalten einen ganz anderen Geschmack auf der Zunge und im Gaumen, als in gekochtem Zustand. Uwe kann diesem zweiten Frühstück nichts abgewinnen und freut sich auf die mitgeführten Käsesemmeln.

Rast vor dem letzten Anstieg im Karwendeltal Karwendelhaus

Das Karwendelhaus steht erhaben auf dem Felsen. Es sieht so nahe aus, obwohl bis dahin noch 6 Kilometer und 500 Höhenmeter fehlen. Vom Grat hinab folgt die schöne Abfahrt durch das Johannistal bis Hinterriss.

Rast am Rissbach Auffahrt zum Plumsjoch

Am Bach machen wir Brotzeit, weil es gleich wieder bergauf geht. Der Hintern tut jetzt schon weh, aber wir wollen noch auf das Plumpsjoch. Das sind weitere 10  Kilometer mit 9 % Steigung, aber schön und gemütlich fahrbar. Die Abfahrt in das Tal ist etwas rau und steil. Ein sehr beweglicher, schwimmender Kies, dann rollt es gemütlich bis Pertisau.

Abfahrt vom Plumsjoch Kitesurfer und Gleitschirmflieger am Achensee

Am Achensee sind die Kiter und Segler auf dem Wasser. Hoch darüber ein Heer von Gleitschirmfliegern. Eher ein seltener Anblick, dass das zusammen möglich ist. Getrieben von starkem Rückenwind erreichen wir ohne große Anstrengung Maurach. Dann geht es im freien Fall nach Jenbach mit einer Spitzengeschwindigkeit von 65,7 km.

Entlang dem Inn passieren wir zwei herrliche Schlösser. Wir überfahren den Zusammenschluss der Ziller mit dem Inn auf dem Weg zum malerischen Ort St. Gertraudi. Der heftige Gegenwind hat uns zu schaffen gemacht, wir sind müde und kaputt. Weitere Höhenmeter strampelnd erreichen wir endlich Reith im Alpbachtal. Im Dorf ist Feuerwehrfest, aber dafür können wir uns nicht mehr begeistern. Die Online Buchung hat hier geklappt. Das Hotel ist schön, aber die Wirtin Barbara ein bisschen streng. Als wir nach der Sauna fragen, die wir eigentlich mitgebucht haben, meint Sie: „Aber geh, hearzes doch auf, bei derer Hitzn, do geaht doch koa Mensch in´d Schwitzhittn“. 

Das Menschen Fleisch will gequält werden, weil essen kann man es ja nicht.
(Hotelwirtin Barbara)

 

Datum

Tages-KM

KM-Ges

Schnitt in Bew.

H Meter

HM – Gesamt

14.08.2009

90,90

178,9

11,2

1.701

3.224

 

Samstag, 15.08.2009

Reith – Alpbachtal – Zillertal – Vorderlanerbach


Abfahrt in Reith um 8 Uhr, 100 Meter entspannt bergab und dann Oberschenkel wachküssende 14 % Steigung. Ein grandioser Blick über das Alpbachtal entschädigt für die Anstrengung. Der Wald empfängt uns morgendlich kühl, der Pfad führt immer dem Höhenweg mit der Markierung 20 entlang. Ein feiner, kleiner Trial, schade dass vom Morgentau alles pitschnass und schlüpfrig ist.

Friedhof in Inneralpbach Die Auffahrt in das Alpbachtal

In Inneralpbach knurrt mein Magen, doch alle Geschäfte haben wegen dem Feiertag Mariahimmelfahrt zu. Die Kirchenglocken läuten mit meinem Magenknurren um die Wette. In einem Bistro gibt es frische Croissants. Ich kaufe alle die noch da sind, und sie beruhigen meinen Magen hervorragend. Ich fühle mich topfit und hoch motiviert und realisiere nicht, dass es Uwe nicht genauso gut geht wie mir.

Über den Luegergraben pedalieren wir zur Alpbacher Alm. Entlang dem Bach und im Wald ist es wunderschön, aber in der Sonne werden wir regelrecht gegrillt. Uwe schwächelt, er ist käsweiß im Gesicht, der Schweiß rinnt ihm in Strömen über den Körper. Er trinkt Unmengen Wasser, aber fühlt sich völlig schlapp, und mag nichts essen. Wir können aber nicht mitten im Wald übernachten. Er muss noch die 400 Höhenmeter über das Steinbergjoch und weil er das muss, muss er auch essen. Das Baguette würgt er mit Wasser hinunter, vor dem Andreas Hoferkäse hat er großen Ekel. Der Käse riecht auch recht streng. Hat Uwe sich übernommen? War das drei Gänge Menü gestern Abend nicht ok? Er mag nicht reden, ich bekomme sozusagen keine Auskunft. Schweigend schleppt er sich den Berg hoch, wir brauchen für jeden Kilometer eine gefühlte Ewigkeit. Uwe schwitzt, wir verlegen uns aufs Schieben, die Sitzhöcker freut das. Bei 12 % Steigung und grobem Schotter geht das genauso schnell wie Treten. Dann wird der Pfad so unwegsam, dass wir die Räder schultern müssen. Uwe hat kaum mehr die Kraft die Füße voreinander zu setzten.

Wasser tanken Uwe plagt sich das Steinbergjoch hinauf

Am Joch angekommen, fällt er wortlos in die Wiese. Er würdigt den tollen Ausblick zu beiden Seiten auf die Berge mit keinem Blick. Das sind vorübergehende Motivationsprobleme denke ich und lass ihn in Ruhe, als er von Zug fahren spricht. Die Abfahrt in den Märzengrund ist erst ein kurzer ruppiger Trial, dann ein herrlicher Genuss. Ich sause hinunter. So nach und nach begreife ich die Situation, als ich Uwe beobachte, wie er den schönen Trial herunter schiebt. Ein herrliches Hochtal, Almwiesen, Hütten, Rinder, es riecht nach Schwammerl, fast alle Spaziergänger haben Körbchen dabei. Als Uwe an den bequemen Forstwegabfahrten weit hinter mir zurück bleibt, nehme ich den Fuß vom Gas und ziehe ihn im Windschatten mit. Mit fällt ein, wie er am Gipfel des Jochs sagte, ob wir nicht mit dem Bus von Zell nach Vorderlanersbach fahren wollen. Da glaubte ich noch an ein Motivationsloch. Während wir nun von Stumm nach Zell strampeln und ich mich mal kurz umschaue, falle ich fast vom Rad. Uwe ist weiß wie ein Blatt Papier und der Schweiß rinnt ihm in Bächen über das Gesicht. Er sieht aus wie aus einem Brunnen gezogen. Zur rechten Seite liegt erhaben das Schloss Stumm, in Jahr 1500 errichtet. Das Wappen der Londron prangt unübersehbar über dem großen Tor. In Zell fahren wir direkt zum Bahnhof. Uwe verschwindet auf der Bahnhofstoilette und kommt grün im Gesicht zurück. Wortlos steigen wir in den Bus ein und lassen uns die 700 Höhenmeter nach Vorderlanersbach hochfahren.

In dem hübschen vier Sterne Garnihotel „Jakober“ werden wir herzlich empfangen, auch diese Internetbuchung war erfolgreich. Uwe sinkt auf das Bett und fällt in einen sofortigen Tiefschlaf. Ich gehe in den Wellnessbereich und lasse mich verwöhnen. Abends lässt sich Uwe noch mal mobilisieren und wir gehen Essen. Er isst weil er fest daran glaubt, dass er morgen wieder auf dem Rad sitzt. Wir sehen dass bald anders, denn die halbe Nacht verbringt er auf der Toilette.

Es gibt keine historische Grundlage, das zu tun, was wir tun
(Gabi Christa)

  

Datum

Tages-KM

KM-Ges

Schnitt in Bew.

H Meter

HM – Gesamt

15.08.2009

71

249,9

9,9

2.206

5.450

  

Sonntag, 16.08. 2009

Auszeit in Vorderlanersbach


Beim Frühstück fällen wir die Entscheidung einen Ruhetag einzulegen. Uwe geht es nicht gut. Selbst der kleine Spaziergang durch das Dorf ist ihm eine große Anstrengung. Das Wetter ist stabil und wir haben keinen Zeitdruck. Die Etappe heute auf das Tuxerjochhaus würde bis auf 2.500 Meter führen. Ich durchstöbere die Hausbibliothek und ziehe mich mit einem Berg Bücher auf den Balkon zurück. Der Gletscher blitzt in der Sonne, das Eis ist bis zu 120 Meter tief. Auf dem Geltscher wird 365 Tage im Jahr ein Skibetrieb aufrechterhalten. Dabei unterliegt der Hintertuxer Gletscher auch den klimatischen Veränderungen und schmilzt vor sich hin. Sein Gletschereis wandert bis zu 40 Meter im Jahr.

Wie viele Dörfer und Täler Österreichs hat das Zillertal einen urtümlichen, von der Natur geprägten, Charme. Die wettergebräunten Häuser haben mit Blumen geschmückte Söller und steinbeschwerte Dächer. Dieser Gesamteindruck vermittelt einen bodenständigen Reiz. Die Menschen sind gesellig und herzlich. Das Zillertal ist musikalisch weit über seine Grenzen hinaus bekannt. Nicht nur das Äolodikon hat Sepp Mauracher erfunden, er importierte das unbekannte Lied „Stille Nacht heilige Nacht“ aus dem Salzburgerland in das abgeschiedene Zillertal, und erst von hier trat es mit den Sängerfamilien Rainer und Strasser seinen Siegeszug um die Welt an. Es wir fleißig musiziert, Bräuche werden intensiv gepflegt und so waren nicht nur alle Geschäfte gestern geschlossen, sondern auch viele Kirchgänger unterwegs. Verschiedene regionale Köstlichkeiten sind in der Tat so regional, dass es sie ein Tal weiter schon nicht mehr gibt. Der Hochgebirgspark Zillertaler Alpen umfasst 379 km² unverfälschte Landschaft. Die Gestänge der Skilifte muss man im Sommer einfach übersehen. Es gibt 350 Kilometer Wanderwege für jeden Leistungstandart. Im Tuxertal finden sich einfache Unterkünfte neben Sternenhäusern, auf alle gleichsam blickt wachsam das funkelnde Auge des Hintertuxer Gletschers. 70 km Mountainbikestrecken, 30 Schutzhütten und Almwirtschaften, 50 Restaurants und Gasthöfe im Tal.

Vorderlanersbacher Kirche Gabi heute noch topfit!

Beim Spaziergang durch das sonntäglich ruhende Dorf, betrachten wir die Auslagen in den Schaufenstern. Die Geschmäcker sind verschieden, oder wie man in Bayern sagt: „Für den dem´s gefällt, ist es das Höchste.“ Zum Teil muss der Tourist aber schon eine Urlaubsdepression haben um solchen Ramsch zu kaufen. Im Winter, wenn 220 Schneekanonen für optimale Skibedingungen sorgen, dann ist hier der Bär los. Derzeit sind es nur ein paar Mountainbiker und einige Wanderer, die im Ort nach Unterkunft suchen. Wir gehen in die Forelle. Uwe bestellt und isst sogar mit Appetit. Ich esse aus Sympathie das gleiche, richtig Hunger hab ich nicht. Nach weniger als 5 Stunden spucke ich alles wieder aus und verbringe den Rest der Nacht Galle spuckend auf der Toilette.

 

Montag, 19.08.2009

Nochmals Auszeit in Vorderlanersbach


Meine Gesichtsfarbe ist am morgen grün wie die Galle, die ich gespuckt habe und nicht mal einen Kaffee mag ich trinken. Damit diagnostiziert Uwe, dass ich eindeutig krank bin. Ihm geht es schon wieder besser, aber seinen Virus hat er mir angehängt. Uwe schleppt mich mit dem Bus in das nächste Dorf zum Arzt, wir müssen warten. Dass ist alles so anstrengend, ich sehne mich zurück ins Bett. Als ich endlich wieder drin liege, schnappe ich mir ein Buch und bin glücklich aufgeräumt. Den Rest des Tages verlasse ich das Bett auch nicht mehr.

Blick auf den Tuxer Gletscher Gestern topfit, heute totkrank

Es ranken sich lustige, abergläubische und wahre Geschichten um das Ziller- und Tuxertal. Mein Buch ist randvoll damit. Der Taxachgrafl Peter Prosch, hat wirklich gelebt. Prosch ist 1744 geboren, als 12. Kind und verlor früh seine Eltern. Als 10 jähriger zog er mit Krämerwaren nach Bayern und über Umwege gelangte er an den Wienerhof. Dort gefiel seine Art und tüchtige Schlauheit so gut, dass er sich bei Ihrer kaiserlichen Hoheit Maria Theresia sehr beliebt gemacht hat. Mit den Jahren brachte er es zu bescheidenem Wohlstand. Reiselustig wie er war, tauchte er 1786, bei der französischen Königin Maria Antoinette im Schloss Versailles auf. Sie war die Tochter seiner österreichischen Kaiserin und für diesen Besuch wurde er reich beschenkt. 1804 verstarb der Taxachgrafl Peter Prosch.
Sterbend fühle ich mich nicht, aber gut auch nicht. Uwe genießt schon wieder die Sauna, geht Nahrungsmittel einkaufen und denkt laut darüber nach, wie lange das mit meinem Zustand wohl noch dauern wird. Oh je, es hat gerade erst mal angefangen.

„Gelt, Peterl, was wir Menschen sind und was Gott tun kann“
(Österreichische Kaiserin Maria Theresia)

 

Dienstag, 18.08.2009

Tuxer Joch – Brenner Passstrasse – Portjoch – Gossensass 

 
Wer nichts isst, muss auch nichts spucken. Ich mache einen großen Bogen um das herrliche Frühstücksbuffet und verlasse nüchtern unser 4 Sterne Hospital. Wir machen uns auf den Weg zum Tuxer Jochhaus, es muss ja weiter gehen. Ich schleppe mich den Schotterweg bergauf zur Bichlalm und habe bei meinem Schneckentempo ja Zeit die Steine genauer anzuschauen.

Gabi kann auf der Bichlalm schon wieder lachen Im Hintergrund der Tuxer Gletscher

Geologisch ist die Gegend interessant, Magnesit und Gold wurde hier abgebaut. Silexfunde am Tuxerjoch werden auf die Zeit um 7.000 Jahre v. Chr. bestimmt, ein Gräberfeld wird an das Ende der Bronzezeit 1.500 Jahr v. Chr. datiert.
Auf der Bichlalm nehme ich mit Kamillentee das von der Ärztin verordnete Tablettendoping zu mir, dann geht es weiter. Die Fußgänger schauen zum Teil bewundernd und zum Teil kopfschüttelnd. Die wenigen Radler loben mich, weil ich das als einzige Frau weit und bereit mache. Wenn die wüssten, dass ich kurz vor dem Umkippen bin.

Das Tuxer Joch auf 2.500 Meter erreicht Kleiner Speichersee am Joch

Der Trial runter vom Joch ist sehr ruppig, aber immer wieder fahrbar. Das macht mir viel Spaß, ist längst nicht so hart wie der Weg nach oben. Meine Stimmung steigt und die Lebensgeister kehren zurück.

Der Trail vom Tuxer Joch nach Kasern Ruppig, aber die Lebensgeister bei Gabi erwachen wieder

Wir rollen über Kasers nach St. Jodokus und treffen auf die Brenner Bundesstraße. Fahren 3 Kilometer im Reiseverkehr nach Gries am Brenner, dann kommt der Abzweig in ein ruhiges Seitental. Stetig bergauf führt der Weg über Vinanders, Oberberg zum Obernberger See unterhalb vom Portjoch. Bis zum Joch, das sieht gar nicht weit aus. Wir starten die Auffahrt, obwohl es schon 16 Uhr ist und ich eigentlich ziemlich erschöpft bin. Immerhin war ich gestern noch krank und den ganzen Tag im Bett. Satte 400 Höhenmeter liegen noch vor uns. Schnell wird der Weg so schlecht, dass wir die Räder nur noch schieben können. Der Weg wird zu einem steilen Pfad und wir wechseln mit Schieben und Tragen ab. Ich hole meine letzten Reserven hervor, nichts reden und an etwas Schönes denken, das hat immer schon geholfen.

Elend langer Anstieg hoch zum Portjoch Wir erreichen die Brenner Grenzkammer Straße

Die Sonne steht tief im Westen als wir das Joch erreichen, die Berge sehen wie orange bemalt aus. Obwohl ein scharfer kalter Wind auf dem Grat pfeift, kann ich mich von dem zauberhaften Landschaftsbild nicht losreißen. Wir halten uns auf dem schmalen Pfad nach links, wie ein langer Wurm zieht sich die ehemalige Brenner Grenzkammerstraße heute als Trial am Hang entlang. Es ist super schön. Zur einen Seite die Felswände senkrecht hoch, rechts geht es steil runter in ein abfallendes Wiesengelände, ganz unten ist eine kleine Hütte.

Tolle Ausblicke Toller Trail

In der Ferne sehe ich schon die Dolomiten. Die Zilletaler- die Stubaitaleralpen und der Hintertuxergletscher alles in einem Rundblick im Licht der untergehenden Sonne. Diese Gefühle, die bei dem erhabenen Anblick entstehen, der gepaart ist mit der Einsamkeit und körperlicher Anstrengung, lassen sich schwer beschreiben. Euphorisch und glücklich rolle ich vor mich hin, umfahre schwungvoll eine kleine Pfütze und ehe ich noch etwas tun kann, mache ich wie von Geisterhand geführt mit dem Bike einen Überschlag nach vorne. Schon während des Loopings klicke ich automatisch die Pedale aus.

Da drunten liegt das Rad und Gabi quält sich mit dem Bike wieder den Abhang hoch

Bevor ich mit dem Rad in die Tiefe rausche, grapsche ich reflexartig nach den Grasbüscheln, um meine Rutschpartie mit ausgebreiteten Armen und Beinen aufzuhalten. Das gelingt mir auch, aber mein Blut gefriert mir fast in den Adern als ich mit ansehen muss wie mein Rad in wilden Überschlägen den Steilhang hinunter poltert. Ich fühle mein Herz bis zum Hals pochen. Uwe, der nur mein Rad in hohem Bogen durch die Luft fliegen sieht, brüllt laut meinen Namen. Dann kommt er auch schon mit erschrockenem Blick um die Ecke und sieht mich im Hang sitzen. Ich ziehe den Rucksack aus und mache mich an den Abstieg, um das Bike zu bergen. Unten von der Hütte haben die Leute alles mit beobachtet. Ich fühle Blicke durch Ferngläser auf mich gerichtet. Jetzt bloß nicht noch auf den Hosenboden fallen und hinunter rutschen. Ich hebe das Rad auf, inspiziere alle Hebel und das Schaltauge. Alles ist dran und scheint noch zu funktionieren. Puh, wenn ich nach oben schaue bin ich froh um das Adrenalin, das noch durch meine Adern pumpt. Ein steiler Anstieg erwartet mich. Ich schultere das Bike und klettere hinauf. Während ich mit dem Rad im Nacken den Steilhang hinaufkeuche, habe ich Zeit nachzudenken. Nachzudenken darüber, wem ich alles versprochen habe auf mich aufzupassen, immer einen Helm zu tragen und im Zweifelsfall abzusteigen. Anschließend fahre ich deutlich konzentrierter weiter und schaue mir die ausgesetzten Stellen ganz genau an.

Vorsichtig geht's auf dem Grenzkammertrail weiter Immer wieder schöne Ausblicke

Im letzten Sonnenlicht passieren wir Mussolinis Bunker und erreichen eine kleine Teerstraße. Über eine ganze Stunde geht es nur bergab, das ist super schön. Natürlich in langen Hosen und Windjacken, da es spät ist und nach Sonnenuntergang wird es sehr schnell kalt. In der Ortschaft Gossensass sehe ich ein blumengeschmücktes Haus, den Alpenhof. Hier bekommen wir eine hübsche Unterkunft, es ist schon 20.00 Uhr. Abends essen wir beim Edelitaliener, der Tag bekommt 5 ***** und das Essen beim Italiener auch.

 

Das Geheimnis des Könnens liegt im Wollen.
(Unbekannt)

  

Datum

Tages-KM

KM-Ges

Schnitt in Bew.

H Meter

HM – Gesamt

18.08.2009

69,6

319,5

8,1

2.044

7.494

  

Mittwoch, 19.08.2009

Gossensass – Sterzing - Pfunderer Joch – Pustertal

 
Am Morgen geht es, unter der Autobahn hindurch, 100 Höhenmeter hoch. Dieser Blickwinkel von unten vermittelt über die Höhe der Brücke eine neue Dimension.

Brenner Autobahn und unterhalb Gossensass Bezaubernde Altstadt von Sterzing

Sterzing ist ein hübsches italienisches Städtchen, ein auffallender Turm ziert die Stadtmitte. Stetig geht es auf Asphalt bergan, entlang dem Pfitzscherbach. Der dann folgende Schotterweg birgt 13-14 % Steigung in sich. Elend ist das, zum Radeln fast zu steil und zum Schieben nicht steil genug. Ich denke an die Daheimgebliebenen die sagten, sie möchten auf diese Radtour mit. Ob die sich jetzt freuen würden über diesen steilen Weg hoch zum Pfunderjoch?

Abzweig vom Pfitscherbach zum Pfunderjoch Ganz da oben ist das Joch

8 Kilometer und 1.000 Höhenmeter bei 13 % Steigung, 100 % Sonne von oben, Stille und Einsamkeit, nur vom Plätschern des Wassers untermalt und vom eigenen Atem durchströmt. Trotz aller Anstrengung, es fühlt sich gut an. Als nach der Baumgrenze der Blick auf das Joch frei wird und von oben die Altschneefelder und Gletscherfelder blitzen, pieken die Waden nicht mehr und der Schweiß in den Augen brennt auch nicht mehr. Im baumlosen Kar weht ein angenehmer Wind und einen Müsliriegel später stapfen wir weiter in Richtung Joch. Eigentlich ist in der Routenbeschreibung davon die Rede, dass die Strecke gut fahrbar ist. Wir testen es immer wieder, haben aber so unsere Mühe damit. Für Freizeitprofis ist das sicherlich kein Problem. Kaum zu Ende philosophiert werden wir überholt. Selbst die hier äsenden Schafe finden das einstimmig mähenswert und machen dem Topbiker den Weg frei.

Blick zurück ins Tal Die letzten Meter über Altschnee

Die letzten Meter auf das schneebedeckte Pfunderjoch fühle ich mich regelrecht getragen von der Freude auf die Abfahrt. Oben angekommen staune ich aber erst mal beim Blick zurück. Der zeigt die ganze Spannweite unseres heutigen Radeltages. Es ist 16:30 Uhr, die Sonne steht tief im Westen, die Schatten der Berge verdunkeln schnell das Kar. Wie versprochen, lege ich mich im Bikini auf den Altschnee. Meine großen Sprüche habe ich jetzt auch einzulösen.

Der Trail hinunter nach Pfunders
für uns einer der Schönsten in den Alpen

Der Trial ist einer der schönsten unserer Tour, durchweg fahrbar, auch für Normalbiker und einfacher als die Tuxerjochabfahrt. Auf einen Anfänger warten aber einige Kanten zum Schieben, obwohl es von oben gar nicht so aussieht. Ein putziges Murmeltier spielt in der Sonne. Bis auf 3 Meter kann sich Uwe mit der Kamera anschleichen. An der Weidenbergalm mündet der Trial in den Fahrweg und der anstrengende Spaß ist vorbei. Auf lockerem Schotter geht es im freien Fall nach Pfunders hinunter.
In der ersten Pension bekommen wir die Adresse von „der Regina vom Moarhof.“ Es ist extrem urig dort, aber ausgebucht. Wir sind hundemüde und wollen unbedingt bleiben. Auf unser Bitten hin werden wir neben dem Heuboden in einer höchst selten frequentierten Ferienwohnung untergebracht. Die paar Spinnweben können uns den Spaß nicht verderben und es riecht so gut aus der Küche. Unsere Tagesetappe war sehr abgeschieden. Die Möglichkeit einer Einkehr war da wo wir es brauchten nicht gegeben und jetzt ist der Hunger kaum noch auszuhalten. Das Ambiente am Moarhof ist einzigartig Klasse.

 

Wie viele Mal schaut der Wille durch das Fenster ehe die Tat durch das Tor geht
(Erasmus von Rotterdam) Moarhof Kalenderspruch zum Tag

  

Datum

Tages-KM

KM-Ges

Schnitt in Bew.

H Meter

HM – Gesamt

19.08.2009

50,8

370,3

7,9

1.625

9.119

 

Donnerstag, 20.08.2009

Moarhof – Pustertal  – Faneshütte


Auch das Frühstücksbuffet im Moarhof ist prima.

Die Abfahrt ins Tal erfolgt auf dem Radweg entlang der Rienza Richtung St. Lorenz. Der Weg führt weiter durch das landwirtschaftlich genutzte Pustertal. Über St. Martin, Moos und Saalen, erreichen wir den berühmten Wallfahrtsort Maria Saalen.

Wallfahrtskirche Maria Saalen von innen und außen mit Sonnenuhr

Still sitze ich vor der schwarzen Madonna. Betrachte nachdenklich die Dankesbilder und Texte, welche die Menschen hier abgelegt haben. Trauer, Kummer und Schmerzen werden zur hilfreichen schwarzen Madonna getragen. Aber auch Freude und Dankbarkeit, so geht es mir auch. Es ist nicht selbstverständlich gesund zu sein und diese Transalp radeln zu können. Ich denke an die vielen Menschen, welche so eine Tour aus irgendwelchen Gründen ihr Leben lang nicht unternehmen können, obwohl sie es gerne möchten.
Tief im Tal glitzert der Gadenerbach, wir kurbeln über Enneberg stetig nach oben, erreichen St. Vigil und genehmigen uns an der Promenade einen Eisbecher.
Uwe meint: „Nudeln wären bestimmt gesünder.“ In sanfter Steigung geht es weiter in das Rautal in Richtung Pederühütte. Hier ist ein Ferienparadies entstanden. Ein Grillplatz reiht sich an den Nächsten, die Dolomiten erheben sich majestätisch rechts und links nach oben. An der Pederü biegen wir nach rechts ab und folgen dem Vigilbach.

Aufstieg zur Faneshütte Mal schieben, mal radeln

Wir schieben und radeln abwechselnd unter der glühenden Sonne, sehnsüchtig blicken wir hinauf zur Faneshütte auf 2.060 Metern Höhe. Endlich angekommen ein letzter Blick auf die hinter uns liegenden Berge im schwindenden Sonnenlicht. Wir ergattern die letzten 2 Betten in dem unterhalb liegenden Lager und rollen zurück. Zum Abendessen gehen wir wieder hoch zur Faneshütte. Das Lager ist mit 12 Franzosen belegt und es herrscht angenehme Ruhe. Nur die Deutschen wieder, die blockieren alles. Rüdiger braucht ewig im einzigen Bad für 16 Personen.

 

Mein Schloss ist da wo Du bist.
(Spruch auf der Fußmatte vor der Hütte)

                                                                                                                         

Datum

Tages-KM

KM-Ges

Schnitt in Bew.

H Meter

HM – Gesamt

20.08.2009

56

426,3

9,3

1.549

10.668

 

Freitag, 21.08.2009

Faneshütte – Fanestal – Cortina d’Ampezzo – Alleghe

 
Aufmarsch zum Frühstück. Seit 5:30 Uhr kramen die Franzosen ganz leise in den Plastikbeuteln. Ganz schön lieb sind die alle. Bewegungslos bleibe ich liegen und stelle mich schlafend. So wird eine Stunde nur rumgekramt, aber nichts gesprochen. Ab 6:30 Uhr wird gemurmelt und wir unterhalten uns flüsternd auf Französisch, doch wozu das denn, wo doch schon alle wach sind?

Blick auf die Faneshütte vom Pass Abfahrt ins Fanestal

Uwe und ich sind die ersten, die sich von der Faneshütte verabschieden und sich auf den Weg zum Pass und dem dahinterliegenden Fanestal machen. Das Tal wird in unserem Tourbuch sehr schön beschrieben und wir sind natürlich gespannt. Als wir ankommen grüßt die Sonne schon das Kreuz am Pass.

Schöne Stimmung früh am Morgen

Das Fanestal empfängt uns mit der morgendlichen Kühle und gigantischen Schattenwürfen der Berge. Der überwältigende Anblick vom Fanestal bekommt einen besonderen Zauber durch das warme Morgenlicht. Aus den tiefen Schluchten steigt Nebel auf, das Gezwitscher der Vögel durchbricht die Stille. Unendliche Einsamkeit umgibt uns, leise knirscht der Kies unter den Rädern auf den weichen steilen Schotterwegen. Die Stimmung ist ganz besonders und die Fahrt hinunter in das Fanestal behalten wir als einen der ehrwürdigsten Momente in Erinnerung.

Tolle Schlucht im Fanestal Im Hintergrund Cortina d'Ampezzo

Wir fahren weit oberhalb des Flusses entlang, klopfen sozusagen nur an die Hintertür von Cortina d’Ampezzo und sind schon wieder auf einem Höhenweg hoch über dem Tal von Cortina.
Dann geht es steil bergan viele, viele Höhen- und Kilometer zur Malga Federa. Keine Gnade für die Wade, das ist hart. Dann die kleine hübsche Hütte Malga Federa. Dort essen wir hausgemachte Nudeln und zum Nachtisch sündhaft teure Blaubeeren mit Sahne.

Hervorragendes Essen auf der Malga Federa

Wein und Wasser runden das alles ab und wir schieben auf der Landrover – Rüttel – Schüttelpiste hoch zum Ref. Crodo da Lago. Wer das mit dem Rad noch fahren kann ist Top fit. Landrover werden hier als Taxis eingesetzt, um die Touristen auf die Alm zu bringen. Die Schotterpiste ist in einem erbärmlichen Zustand. Es erscheint uns wie eine andere Welt, als wir das Hochtal erreichen und endlich der dichte Wald hinter uns zurück bleibt. Die Berge sind mächtig, sie wirken so unnahbar. Der zum Teil fahrbare Pfad führt gemächlich zum Pass, immer näher kommen wir an das gewaltige Bergmassiv. Immer öfter bleiben wir staunend vor diesem starren, gewaltigen Anblick stehen und blicken stumm die steilen, glatten Wände nach oben.

Blick zurück mit Gewitter über Cortina Am Pass fegt der Wind

Heftig und eiskalt fegt der Wind über die Kuppe am Pass. Schnell anziehen, bloß nicht erkälten.
In der Eile vertun wir uns und bis wir es bemerken sind wir schon 200 Höhenmeter hinunter gerauscht. Zurück geht es langsamer, nach und nach ziehen wir uns wieder aus. Anschließend folgt eine hübsche, lange Querung, dann ein Trial hinunter am Rifugio Citta di Fiume vorbei. Immer wieder eindrucksvolle Blicke auf die majestätischen Gipfel.

Die Querung des einsamen Hochtals in der traumhaften Dolomitenlandschaft

Noch mal 2 km hoch zum Passo Staulanza. Wir müssen alle übrig gebliebenen Energien mobilisieren für die letzten Kilometer. Zum Abschluss noch mal 100 Hm schieben, vorbei an muhenden Kühen, die gemolken werden wollen. Dann folgt eine spritzige Pistenabfahrt, die mit einem Trial im Wald abwechselt. Eine imposante Mischung aus sanft und hart, das volle Programm, wie wir uns das wünschen. Glücklich und erschöpft stapfen wir in Alleghe in das vier Sterne Hotel. Dort gibt es auch eine optimale Radelgarage.
Die Kellnerin erklärt uns, dass es heute nach dem mehrgängigen Menü noch ein Feuerwerk gibt. Nur so für die Touristen, ohne besonderen Grund. Ganz nett, aber ob meine müden Knochen sich dafür noch mal aus dem kühlen Leinenlaken erheben? Ich bin ein Weichei, aber ein glückliches.

Laut scheppernd werden auf dem Hauptplatz Stände aufgebaut, wie am Jahrmarkt. Von der Socke bis zum Stirnband und quer durch die Delikatessenabteilungen bis zu leckerem Trockenfrüchten gibt es alles. Außer Italienisch hören wir keine andere Sprache als wir uns von der Menschenansammlung über den Platz schieben lassen. Alleghe liegt 1.000 Meter hoch, ein See ist vor der Haustür und der Skilift dahinter. Das ist schon alles optimal, aber richtig kennen tun es nur die Italiener. Sozusagen ein Geheimtipp. Die anderen sollen ruhig nach Cortina gehen, so hat man uns das erzählt.

Wir reflektieren bei einem Glas Wein unsere Tour, unsere Erlebnisse. Jeder Tag hat uns bisher begeistert und mit dem Wetter haben wir einfach großes Glück. Besser kann es nicht sein. Bei Dauerregen oder Schneefall, was auf diesen Höhen nicht ungewöhnlich ist, wäre es kein Vergnügen zu radeln. Technische Probleme blieben bisher aus und die gesundheitlichen konnten wir gut handhaben, weil kein Zeitdruck war. Wir sind rundherum begeistert.

Als wir wieder im Hotelzimmer sind, geht das Feuerwerk los. Es findet vor unserem Balkon statt, dazu ein Wetterleuchten. Das Echo der Knaller hallt von den Bergen zurück, die von den Lichtern der Raketen in sämtlichen Farben leuchten. Sehr eindrucksvoll gemacht. Ich sinke mit pochenden Schläfen auf das kühle Leinen nieder. Lichter zucken durch meine geschlossenen Lider, Wetterleuchten oder Feuerwerk, ich realisiere es nicht mehr. Gegen Mitternacht kehrt am See und im Tal Ruhe ein. Dieses Hotel haben wir uns nach diesem Tag verdient. Die Kondition bekommt heute leider nur einen *, aber der Kampfgeist *****. Damit sind wir auch wohlverdient angekommen beim Essen **** und der Unterkunft auch ****.

 

Kalenderspruch zum Tag am Hoteltresen
 Chi non è contento di quello che ha, non sarebbe contento neanche se avesse ciò che non ha.
 
(Wer nicht mit dem zufrieden ist, was er hat, wäre auch nicht zufrieden, wenn er das hätte, was er nicht hat)

  

Datum

Tages-KM

KM-Ges

Schnitt in Bew.

H Meter

HM – Gesamt

22.08.2009

46,8

526,1

7,3

2.002

14.356

  

Samstag, 22.08.2009

Alleghe – Capanna Cervino Hütte 


Abfahrt in Alleghe 8:30 Uhr. Still ruht der See, kein Lufthauch regt sich, es ist kühl. Ein Fischer rudert hinaus und die Bugwellen seines Bootes durchbrechen die Spiegelbilder der Berge im See. Gemeindearbeiter kehren die Reste von gestern Abend zusammen.

Alleghe am Morgen Ursprüngliche Dörfer

Bis wir hoch zum Passo Tomaso abbiegen bauen wir in der morgendlichen Kühle 200 Hm ab. Nach dem Pass führt der Pfad durch einen verwunschenen Wald, mal bergauf, mal bergab. Danach folgt ein kleiner, steiler Trail auf die Teerstrasse hinunter. Die Bauweise der Holzhäuser ist interessant. Sie sind in Ständerbau errichtet und drum herum ist ein Balkon integriert. Selbst neue Holzhäuser werden wieder im alten Stil erbaut.

Interessante Holzständerbauweise in neuer und alter Ausführung

Italien ist immer noch im Lottofieber (höchster Jackspott jemals), selbst in den kleinen Dörfern. Uns macht das Wetter nervös. Dicke, schwere Wolken hängen über Falcade. Die ersten Tropfen fallen schon und mit dem ersten Donnerschlag legt der Regen los, und wir flüchten ins Hotel.

Gewitterschauer geht über Falcade nieder Passo Valles

Während wir ein hervorragendes Essen serviert bekommen, schüttet es sich aus. Mit vollen Bäuchen strampeln wir 12 km und die 800 Hm auf den Passo Valles. Das Donnergrollen wird lauter, die Sonnenbrille wandert in den Rucksack, die Windjacke heraus. Wir genießen die rauschende Abfahrt bis zum Abzweig ins Val Venejia mit 65,6 km/h Höchstgeschwindigkeit. Das romantische Tal mit seinen bis zu 1.000 Metern hohen Felspfeilern des „Pale di San Martino“ wird fluchtartig von den Tagesbesuchern verlassen.

Val Venejia mystisch Wolkenverhangen

Während wir unbeirrt nach oben strampeln, fängt es an zu tröpfeln. Ein Rennen gegen die Zeit, 600 Hm und 6 Km rauer Schotter. Dieses Tal ist wunderschön und diente schon öfter mal als Filmkulisse. Die erste Volldusche zwingt uns unter die weitausladenden Fichten, Regenjacke raus, weiterer Regen, es hört wieder auf, fängt wieder an usw. Noch 2 Km zum „Baita Segantini“ Pass. Ein mächtiges Gewitter erwartet uns dort oben. Ich hetze Uwe den Berg hoch, er trägt es mit Fassung. 2.200 Meter Höhe, kein Baum und kein Strauch. Blitze zucken durch die schwarze Wand am Himmel, schlagen irgendwo ein. Das ist mehr als unheimlich. Es bleibt keine Zeit um die Fotokamera rauszukramen, dicke Tropfen fallen, schnell runter zur Hütte. Es ist 18:30 Uhr, das Gewitter legt los. Wir haben großes Glück und ergattern das letzte Stockbett in der Capanna Cervino Hütte. Schnell verstauen wir die Räder im Schuppen. Schon versinken die stattlichen Berge in grauen Wolkenwänden, das Echo des Donnergrollens hallt mysteriös aus dem Nichts durch die Nacht. 

Verlasse die Schmalspurbahn der Gefühle und radle über in die Berge
(Gabi Christa)

 

Datum

Tages-KM

KM-Ges

Schnitt in Bew.

H Meter

HM – Gesamt

22.08.2009

46,8

526,1

7,3

2.002

14.356

 

Sonntag, 23.08.2009

Capanna Cervino Hütte – Castello de Tessino


Nur dünne Holzbretter trennen die Schlafzimmer auf der Hütte. Von allen Seiten werde ich beschnarcht, es kommt zum Ohrstöpseleinsatz. Dann schlafe ich sehr gut auf grob gewebtem Bauernleinen und mit rauer Schafwolldecke zugedeckt. Die Hütte hat eine warme, familiäre Atmosphäre und liegt mit 2.084 Metern so hoch wie der Gipfel der Hochplatte, der höchste unserer Ammergauer Hausberge.

Capanna Cervino Hütte mit an diesem Morgen wolkenfreien Blick auf die Felspfeilern des „Pale di San Martino“
Oberhalb vom Passo Rollo Selbstportrait

Mit dem letzten Ausklicken hat Uwe sich gestern das Klicki aus dem Schuh gerissen. So viel Kraft strotzte dann doch noch in ihm. Wir rollen zum Radladen in San Martino di Castrozza. Der Ort ist wegen einem Radrennen gut besucht. Die Teilnehmer strampeln den Pass hoch, den wir gerade runter flitzen. Der Radladen ist deshalb wohl am Sonntag geöffnet, aber es gibt leider keine Schuhe in Größe 44. Also weiter ins Tal zum nächsten Dorf, zum nächsten Radladen. 6 km sollten es sein, schließlich rauschen wir aber 20 km ins Tal und der Laden in Imer hat zu. Frust baut sich auf, denn das müssen wir alles wieder zurück fahren. Aber Coop hat geöffnet. Mit Sekundenkleber und Zweikomponentenkleber tränkt Uwe den Schuh, ob sich das verträgt?

Von gestern haben wir Muskelkater und die heutige Etappe hat 1.800 Hm und 100 Km. Das Wetter wird besser, der Schuh hält die ersten 400 Hm auf den Pass von Gobbera. Eine angenehme Auffahrt ins Dorf und weiter über die große Brücke (Canal San Proco). Damit haben wir leider die Restaurants verpasst und nun liegen 800 Hm bis zum Brocon Pass vor uns. 1.200 Hm mit leerem Bauch, ob das gut geht? Moderate 6 – 7 % Steigung auf 11 km. Langsam klettern wir hoch. Motorradfahrer, lauter wahnsinnige und noch wahnsinnigere italienische Autofahrer donnern auf dem schmalen Sträßchen haarscharf an uns vorbei. Oben fegt ein kalter Wind, so halten wir nur kurz für ein Foto am Denkmal und am Passschild auf. Dann rollt es 5 km lässig den Trial nach unten, wenig anstrengend, nur angenehm und entspannt direkt ins Dorf Castello Tessino.

Passo Brocon Castello Tessino

Hervorragendes Eis und ein Glas Champagner runden den Tag und die schöne Aussicht ab. Wir beschließen hier zu bleiben und sind für heute angekommen. Der reparierte Schuh hat die Feuerprobe bestanden, jetzt hält er bestimmt 100 Jahre. Das Dorf ist urig gemütlich und wir gehen auf Quartiersuche. Uwe sieht schon etwas von Ferne und steuert drauf zu. Ehe er läutet, bremse ich ihn, es ist ein Rotlicht Etablissement. Wir wählen doch besser den Weg zum Fremdenverkehrsbüro und landen, noch mal zurück den Berg hinauf, beim „Bella Vista“. Die drei Sterne Unterkunft ist auf Biker eingestellt. Ein Radrennen war heute im Dorf, alle sind sehr lustig und überall hängen noch die Schildchen von der Bike Trophy. Nun sind wir schon einige Tage unterwegs aber nach wie vor gilt für jeden Tag das gleiche. Viel schwitzen, viel trinken, die Waden zwicken, die Oberschenkel brennen, der Rucksack ist zu schwer, der Nacken tut weh, der Hintern auch, der Magen knurrt nach 5 Stunden auf dem Sattel und dazu traumhafte, einsame Landschaften, genussvolles Radfahren und kaum zu beschreibende großartige Gefühle.

 Wo ein Begeisterter steht ist der Gipfel der Welt.
( Joseph von Eichendorf )

 

Datum

Tages-KM

KM-Ges

Schnitt in Bew.

H Meter

HM – Gesamt

23.08.2009

69,9

596

12,4

1.232

15.588

 

Montag 24.08.2009

Vom ***Hotel zur 0 * Malga  


Bella Vista, das war schön. Wir rollen zurück ins Dorf und dann folgen 50 Hm zum Aufwärmen. Die Geschäfte machen auf, es ist 8:30 Uhr, die Müllabfuhr ist auch schon unterwegs. Wild geschlängelte Serpentinen führen hinunter ins Tal bis auf 240 Meter Höhe.

Passabfahrt ins Brentatal Ausblick von der anderen Seite aufs Brentatal

Einige Kilometer entspanntes Freizeitradeln entlang der Brenta, dann stete und schweißtreibende 1.000 Meter nach oben.

Schilderwald auf unserem geteerten und sehr schönen Radweg hoch zur Malga

Mittags essen wir viel zu viel auf einer Malga, aber die hausgemachten Sachen sind so gut. Danach weitere 800 Hm zum nächsten Punkt, an dem es dann wieder bergab geht. Mir tun die Beine jetzt schon weh, also nicht darüber nachdenken, einfach langsam weiter fahren. Es ist heiß, die Sonne brennt. Ich habe mir mein Wasser nicht gut eingeteilt. Meine Reserveflasche habe ich aus Gewichtspargründen auf der Malga nicht mehr nachgefüllt. Nun sitze ich auf dem Trockenen. So schön der Weg ist, so schlimm ist mein Durst. Kein Mensch ist hier unterwegs, kein Brunnen, keine Quelle und schon gar kein Haus, wo ich um Wasser bitten könnte. Nur das leise Knirschen des Kieses unter den Rädern durchbricht die Stille. Ich spüre nur noch den trockenen Gaumen, ein eigenartiges Gefühl. Ich habe so einen großen Durst, dass das Radeln zur Qual wird. Mein Blick streift suchend über diese weite, einsame Landschaft. Vielleicht ist doch irgendwo etwas Wasser zu finden.

Wir bewegen uns auf ehem. Militärnachschubwegen und haben kein Wasser mehr!

Uwe hat sich das besser eingeteilt und auch die Reserveflasche nachgefüllt. Er kritisiert zu Recht, weil ich das nicht so wie immer gemacht habe, und gibt mir von seinem letzten Wasser ab. Auf dem Weg ist eine Regenwasserpfütze, ich bin wild entschlossen daraus zu trinken. Es ist lauwarm, aber es schmeckt ganz neutral. Ich fülle meine Flaschen, falls kein Wasser mehr kommt. Mit Lutschtabletten gegen Halsweh regen wir den Speichelfluss an, dass ist besser als nichts. Immer wieder meine ich ein Bächlein zu hören, Fatahmorgana! Uwe sieht von oben ein Dorf, aber das sind nur Ruinen. Wir passieren die Reste der Festung aus dem 1.Weltkrieg. Dieser Zeit sind auch die Pässe und Übergänge zuzurechnen. In einem der Bunker hat sich Wasser angesammelt, es riecht schon von Ferne unangenehm abgestanden und ist grün von Algen. Dann erleichternde 300 Hm bergab bis zum Erzherzog Eugen Denkmal und gleich wieder 200 Hm bergauf. Außer uns ist kein Mensch unterwegs. Es ist schon spät und nicht mehr so heiß, der Durst ist etwas besser zu ertragen. Ab und an nippe ich an dem Pfützenwasser, spucke es aber wieder aus. In der Ferne am Pass Portule sehe ich Gestalten, oder bilde ich mir die auch schon ein? Schweigsam, immer wieder zurück blickend auf den Berg, über den wir gekommen sind, schieben wir unsere Räder zum Pass hoch.

Schön und sehr trocken! Endlich eine Quelle!

„Wasser“, sagt Uwe, ja, ja, ist gut, denke ich mir. Aber er hat Recht. Wenige Meter vor uns, etwa 150 Meter unterhalb des Passes ist eine eingefasste Quelle. Kostbares Nass rinnt in unsere trockenen Kehlen, noch nie war Wasser so gut. Wir füllen alle Flaschen, die Motivation kehrt wieder zurück, wir erreichen den Pass. Was für ein Anblick, so gewaltig haben wir uns das nicht vorgestellt. In alle Richtungen soweit das Auge reicht nur Berge. Beschwingt rollen wir bergab. Eben vor dem Verdursten gerettet, überlege ich, wo ich wohl heute mein müdes Haupt bette und Uwe geht es genauso. Die Sonne steht tief im Westen, es ist gleich 19:00 Uhr. Zum nächsten uns bekannten Hotel sind es noch 12 km, einige davon bergauf. Deshalb steuern wir die nächste Malga an.

Ein sündhaft teures 4 Bettlager zu 50,-- € mit HP. Das Essen bekommt *****. Selbst gemachte Spaghetti als Vorspeise, Hirschgulasch, Grillteller, frische Schwammerl, aber das Zimmer erhält keinen *. Auf diese durchgelegenen, uralten Matratzen kann man sich eigentlich nur sterbend niederlassen. Ein letzter Blick auf die herrliche, einsame und schroffe Berglandschaft, dann fallen meine Augenlider auch schon zu. Das gewohnte wohlige Gefühl hüllt uns ein, das uns jeden Abend einfängt, wenn wir den Tag Revue passieren lassen.     

Irgendwo ist überall der Arsch der Welt.
(Uwe über das Bett)

 

Datum

Tages-KM

KM-Ges

Schnitt in Bew.

H Meter

HM – Gesamt

24.08.2009

59,2

655,2

7,9

1.919

17.507

 

Dienstag, 25.08.2009

Malga Carci – Verle – Luserna – Volgeria 


Das Frühstück auf der Malga Carci ist sehr karg. Eine Semmel, Butter und Marmelade. Wir verlassen die Alm um 8:30 Uhr. Es geht gleich den Berg hoch, wir sind nicht allein, Massen von Pilzsammlern sind unterwegs. Über den Höhenzug haben wir einen schönen Ausblick ins Tal und auf den Pass von gestern. Wir erreichen das völlig zerbombte Forte Verle.

Passo Portule, von da oben kamen wir gestern her Forte Verle

Betreten ist verboten wegen Einsturzgefahr. Luis Trenkers Beschreibung der Kriegserlebnisse beziehen sich auf diese österreichische Festung, die vom 25. bis 29.05.1915 unter Dauerbeschuss der gegnerischen Artillerie war. Kurz danach folgen das Wiesengelände des Passo Vezzena und das Hotel. Das wäre gestern bis hierher nur noch bei totaler Dunkelheit zu schaffen gewesen. Der abgeschiedene Weg führt mal hoch, mal runter, weiter zum Forte Luserna. Diese Festung ist etwas besser erhalten als Verle. Die zerbombten Festungen zeigen den Irrsinn, der hier auf beiden Seiten zwischen den Kaiserjägern und den Alpini betrieben wurde. Bei diesem Stellungskrieg wurden strategisch wichtige Punkte für einen sehr hohen Blutzoll verteidigt. Nachschubwege wurden in schwindelerregenden Höhen in den Fels gesprengt und Tunnels gegraben, die unter normalen Umständen so niemals entstanden wären, da sie dieser Region keinerlei wirtschaftlichen Nutzen bieten. Das einzig Positive ist, dass diese Nachschubwege heute für Wanderer und Radfahrer einem friedlichen Nutzen dienen.

Forte Luserna kann auch von innen besichtigt werden

Die eindruckvolle Anlage Luserna können wir besichtigen. Wir passen kaum durch die engen Gänge zwischen den meterdicken Mauern, nur kriechend kommen wir einmal vorwärts. Der Kommandant von Luserna hatte die Festung aufgegeben, da unter Dauerbeschuss das Waffenlager zu explodierten drohte. Die weiße Fahne erhob sich in den Himmel über der Feste. Von der österreichischen Nachbarfestung Cima Vezzena wurde die Kapitulation bemerkt und ein Stosstrupp gesandt. Dieser riss die weißen Schandfahnen wieder herunter und hinderte die Italiener daran die begehrte Festung Luserna einzunehmen. Der Kommandant Nebesar von Luserna und seine Offiziere wurden verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt. Unweit der Festung liegt der Ort Luserna mit heute 650 Einwohnern. Dort spricht man Zimbrisch. Zimbrisch ist ein Dialekt, dem Oberbayerischen sehr ähnlich. Zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert sollen Bauern aus Bayern hier eingewandert sein. Über die schönen Ortschaften Bertoldi, Carbonera und dann wieder durch Wald, vorbei an hübschen Malgas, erreichen wir das Skisportzentrum von Volgeria. Im ***Bikesporthotel beziehen wir unser Domizil und lassen uns mit einem vorzüglichen typischen italienischen mehrgängigen Menü verwöhnen.

Ich kann, weil ich will, was ich muss.
( Immanuel Kant )

  

Datum

Tages-KM

KM-Ges

Schnitt in Bew.

H Meter

HM – Gesamt

25.08.2009

52,6

707,8

9,7

1.069

18..576

  

Mittwoch, 26.08.2009

Volgeria – Buching


Seit 14 Tagen sitzen wir nun jeden Tag auf dem Rad. Der Hintern schmerzt genauso wie am ersten Tag, also immer noch keine Hornhaut. Wir könnten jetzt noch in der Pasubioregion den Monte Maggio und das Ref. Lancia anfügen. Wir könnten noch so viel, wo wir doch schon dabei sind und wo es doch so schön ist.

Blick zurück Burg hoch über dem Etschtal

Aber wir müssen Abschied nehmen und rollen auf feinstem Alphalt ins Etschtal hinunter, vorbei an der eindrucksvollen Burg. Am Skilift in Volgeria sind wir heute früh gestartet und jetzt radeln wir durch Weinberge zum Bahnhof von Roveretto.

Bahnhof Roveretto Bis zum nächsten mal

Der Regionalzug fährt bis zum Brennerpass. Wegen Umbauarbeiten müssen wir einige Stationen vom Pass auf der Brennerstraße abfahren und dann geht es weiter mit dem Zug nach Innsbruck. Von hier mit dem Schienenersatzverkehr nach Reutte. Weiter mit dem Zug bis zur Ulrichsbrücke und dann zum guten Ende, noch mal fest in die Pedale treten bis Buching. Wir treffen zwar müde, aber um ein außergewöhnliches Erlebnis reicher wieder Zuhause ein.

Diese „Viele Berge, fünf Sterne Königstour “ war einzigartig. Wir reisen gerne und wissen, wir müssen nicht in die Ferne schweifen, wenn das Schöne doch so nahe, sozusagen vor unserer eigenen Haustüre liegt.    

 

Datum

Tages-KM

KM-Ges

Schnitt in Bew.

H Meter

HM – Gesamt

26.08.2009

21,4

729,2

29,4

66

18.642

  

 

Wo ging es lang? Um die Tour auf Google Earth anzusehen, klicke bitte auf nachfolgenden Link:

Track auf Google Earth, Transalp 2009 mit dem Mountainbikes. 14 Tage von Füssen / Allgäu nach Rovereto / Italien, 257 kb

 

Gesamtstatistik

Datum

Tages-KM

KM-Ges

Schnitt in Bew.

H Meter

HM – Gesamt

13.08.2009

88

88

12

1.543

 

14.08.2009

90,90

178,9

11,2

1.701

3.224

15.08.2009

71

249,9

9,9

2.206

5.450

16.08.2009

0

249,9

0

0

5.450

17.08.2009

0

249,9

0

0

5.450

18.08.2009

69,6

319,5

8,1

2.044

7.494

19.08.2009

50,8

370,3

7,9

1.625

9.119

20.08.2009

56

426,3

9,3

1.549

10.668

21.08.2009

53

479,3

7,5

1.686

12.354

22.08.2009

46,8

526,1

7,3

2.002

14.356

23.08.2009

69,9

596

12,4

1.232

15.588

24.08.2009

59,2

655,2

7,9

1.919

17.507

25.08.2009

52,6

707,8

9,7

1.069

18.576

26.08.2009

21,4

729,2

29,4

66

18.642

 

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